Landesrat Sebastian Schuschnig, Landeshauptmann Peter Kaiser, WK-Präsident Jürgen Mandl und WP-Leiter Herwig Draxler.
© WKK/Peter Just

Unternehmerstimmung in Kärnten trübt sich ein

Russland-Krieg, Inflation, Mitarbeitermangel, Energie- und Personalkosten: Die Wirtschaftstreibenden schrauben Erwartungen und Investitionen deutlich zurück, zeigte heute die mittlerweile 18. Kärntner Investitions- und Konjunkturkonferenz.

Lesedauer: 3 Minuten

Aktualisiert am 08.08.2023

Die „Multikrise“ hat nun auch die Unternehmerinnen und Unternehmer in Kärnten erfasst. Das aktuelle Investitionsbarometer 2023 (der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen der kommenden zwölf Monate) dreht deutlich ins Minus sowohl bei den Gesamtumsätzen (-50 %) und Exportumsätzen (-61 %) als auch bei Auftragslage (-62 %), Investitionen (-26 %) und Beschäftigung (-26 %). Über die Branchenergebnisse informierten heute WK-Präsident Jürgen Mandl und die Spartenobleute der Kärntner Wirtschaftskammer, die Kärntner Landesregierung mit LH Peter Kaiser, LHStv. Martin Gruber, LHStv.in Dr. Gaby Schaunig und Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig.

Betriebe blicken mit Sorge in die Zukunft

Im Durchschnitt erwarten rund 55 % der Unternehmen für ihre Betriebe Verschlechterungen, ein deutlicher Stimmungsabschwung im Vergleich zum 2. Halbjahr 2022 (33 %). Der Saldo aus positiven und negativen Erwartungen fiel gegenüber dem Vergleichszeitraum am stärksten bei den Gesamtumsätzen (um -43 %).

Wirtschaftsklima negativ

Noch schlechter als ihre persönlichen Geschäftsaussichten beurteilen die Unternehmer das Wirtschaftsklima, also die grundlegenden Rahmenbedingungen. Kritisch sind dabei vor allem Unsicherheiten durch Herausforderungen bezüglich Fachkräftemangel, Arbeitskosten sowie Inflation. Aber auch geopolitische Probleme wie vor allem der Russland-Krieg in der Ukraine und der Systemwettbewerb der Weltmächte mit der Gefahr einer Entkopplung zwischen Ost und West spielen eine große Rolle.

Investitionstätigkeit sowie Neuinvestitionen sinken weiter

Nur 61 % der Unternehmen geben steigendes bzw. gleichbleibendes Investitionsvolumen an (-10 % im Vergleich zum 2. HJ 2022). Kapazitätsauslastung stellt sich als wichtigster Grund für Neuinvestitionen heraus. Investiert wird vor allem in den Bereichen ökologische Nachhaltigkeit und Innovation.

Exporterwartungen gehen drastisch zurück

Nur 34 % der exportierenden Betriebe rechnen mit steigenden (ca. 5 %) bzw. gleichbleibenden (ca. 30 %) Exportumsätzen (-47 % im Vergleich zum 2. HJ 2022). 66 % der Unternehmen gehen von sinkenden Exportumsätzen aus.

Die Sparten- und politischen Vertreter bei der 18. Kärntner Investitions- und Konjunkturkonferenz
© WKK/Peter Just

Wohlstandsniveau in Gefahr

„Es ist eine Fülle an Herausforderungen, die auf die Wirtschaft zukommen“, fasste WK-Präsident Mandl die Ergebnisse der KIKK zusammen. Das beginne bei den geopolitischen Themen, deren Auswirkungen vor allem im Energiebereich nicht absehbar seien. Aber auch die Inflation, der anhaltende Arbeitskräftemangel, die Kostensteigerungen auch bei Löhnen und Gehältern „im zweistelligen Bereich“ oder zusätzliche Hürden aus Brüssel wie das Lieferkettengesetz würden dabei eine Rolle spielen. Zentral ist für den Unternehmer Mandl die spürbare Infragestellung von Werten wie Arbeit und Leistung. Seine klare Warnung: „Wir haben uns den heutigen Wohlstand als Gesellschaft in den vergangenen 70 Jahren mit harter Arbeit aufgebaut. Wenn wir das – ebenfalls als gesellschaftliches Thema – heute aufs Spiel setzen, werden wir dieses Niveau langfristig nicht erhalten können."

„Infrastrukturelle Attraktivität“ für den Wirtschaftsraum

Auf ein offenes Ohr treffen die Sorgen der Wirtschaft bei LH Peter Kaiser. Etwa der Mitarbeitermangel, wo Kaiser die Auswirkungen des Gratis-Kindergartens auf die Beschäftigungssituation von Müttern und steuerliche Erleichterungen für ältere Arbeitnehmer anführte, jedoch: „Damit alleine werden wir nicht das Auslangen finden, wir brauchen Akquise und qualifizierten Zuzug.“ Für die Energiewende müsse man den Netzausbau forcieren, im Hinblick auf den künftigen Wirtschaftsraum Süd den Mikroverkehr stärken und Entwicklungsflächen bereitstellen: „Wir müssen alles tun, um dem neuen Wirtschaftsraum die notwendige infrastrukturelle Attraktivität zu geben!"

Standort braucht mehr Tempo

Auch Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig hält die Koralmbahn für eine Jahrtausendchance, ist sich aber der Hausaufgaben bewusst: „Der Zug fährt in beide Richtungen. Wir müssen die öffentlichen Verkehre so gestalten, dass möglichst viele Menschen konkreten Nutzen daraus ziehen können.“ Auch der Energiewende und dem damit verbundenen Netzausbau misst Schuschnig höchste Bedeutung zu, was auch rasche Behördenverfahren voraussetze: „Die Netzabstützung für einen großen Kärntner Industriebetrieb hat zehn Jahre gedauert. Das werden wir uns nicht mehr leisten können, wir müssen schneller und effizienter werden!“

„Fuß auf der Bremse“

Eine Frage der Geschwindigkeit ist die Zukunft des Wirtschaftsstandortes auch für den Leiter der Wirtschaftspolitik und KIKK-Organisator Herwig Draxler: „Kärntens Unternehmerinnen und Unternehmer haben spürbar den Fuß auf der Bremse. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob es eine Vollbremsung wird oder ob die Wirtschaft wieder Tempo aufnimmt.“

Rückfragen:

Wirtschaftskammer Kärnten
Wirtschaftspolitik
Ing. Mag. Herwig Draxler
T 05 90 90 4 – 220
herwig.draxler@wkk.or.at

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