Jetzt Lohnnebenkosten senken und heimische Jobs sichern
Hohe Lohnnebenkosten belasten Betriebe und Beschäftigung gleichermaßen und bremsen damit Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und neue Jobs.
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Österreich hat im internationalen Vergleich sehr hohe Lohnnebenkosten. Das ist sowohl für die Wirtschaft als auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Nachteil. Denn die Arbeitgeberanteile zum Bruttolohn, die zu den ohnehin schon hohen Lohnkosten noch hinzukommen, schmälern die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und machen es gleichzeitig in vielen Fällen unmöglich, mehr Personal einzustellen.
Berechnungen von EcoAustria zeigen: Jeder Prozentpunkt, um den die Lohnnebenkosten gesenkt werden, bringt 10.000 bis 12.000 Jobs. Denn feststeht: Hohe Lohnnebenkosten = weniger Wettbewerbsfähigkeit. Und weniger Wettbewerbsfähigkeit = weniger Jobs.
Von 1 Euro, den die Firma zahlt, landen nur 53 Cent beim Arbeitnehmer. 47 Cent werden als Steuern und Abgaben abgeführt.
*Basis der Berechnung sind OECD-Daten zur Belastung des Faktors Arbeit
So hoch ist die Belastung des Faktors Arbeit in Österreich, wenn man Lohnsteuer und Abgaben des Arbeitnehmers mit den Abgaben des Arbeitgebers zusammenrechnet. Denn zum Bruttolohn des Arbeitnehmers kommen noch knapp 29,6% an Lohnnebenkosten für den Arbeitgeber hinzu (nach österreichischer Berechnung in Prozent des Bruttolohns, nach EU-Berechnung in Prozent der Arbeitskosten sind es 27,2%).
Zahlreiche negative Effekte
- Die hohen Kosten belasten die Betriebe enorm. Bei allen Umfragen unter WK-Mitgliedsbetrieben liegt die Senkung der Lohnnebenkosten daher klar auf Platz 1 der geforderten Maßnahmen.
- Hohe Lohnnebenkosten reduzieren Kaufkraft. Das ist mit ein Grund, warum trotz hoher Lohnabschlüsse in den vergangenen Jahren viele Arbeitnehmer die gestiegene Kaufkraft kaum spüren. Denn erhöht sich der Bruttolohn von 3.000 auf 3.100 Euro, steigt der Nettolohn nur um 57 Euro, die Kosten für den Arbeitgeber aber um 129 Euro pro Monat.
- Eine so hohe Abgabenbelastung kostet Jobs und gibt es ansonsten nur auf Güter, die der Staat reduzieren will, wie Alkohol, Tabak oder Mineralöl. Beschäftigung ist aber nicht zu reduzieren, sondern ganz im Gegenteil zu fördern.
- Das gefährdet auch unseren Wohlstand, denn Arbeit ist das Fundament unseres Wohlstands und dieses bröckelt durch den Rückgang der Erwerbspersonen, durch den Trend zu kürzerer Arbeitszeit und die stagnierende Produktivität ohnehin. Gleichzeitig steigt die Last auf dem Fundament – mehr Pensionen, mehr Pflegefälle, mehr Gesundheitsausgaben.
Für Unternehmen hat eine Senkung der Lohnnebenkosten klare Priorität
Der Vergleich zeigt: Es gilt sämtliche Spielräume zu nutzen, um die Lohnnebenkosten zu senken – so wie auch im Regierungsprogramm und in der Industriestrategie der Bundesregierung vorgesehen.
Schon eine Reduktion um 0,1 Prozentpunkte bringt eine Entlastung um 190 Millionen Euro.
Ziel muss sein, mittelfristig auf deutsches Niveau zu kommen.
Dies kann schrittweise erfolgen. Doch jede Etappe dorthin muss eine spürbare Senkung sein.
MYTHOS: Nur Unternehmen profitieren
FAKT ist: Unternehmen, Beschäftigte und der Standort als Ganzes profitieren.
Eine Senkung der Lohnnebenkosten um 7,5 Mrd. Euro oder 3,7 Prozentpunkte (das entspricht dem FLAF-Beitrag) würde die Beschäftigung um 40.000 erhöhen, den privaten Konsum und Investitionen steigern sowie die Wirtschaftsleistung um 5 Mrd. Euro verbessern. Aber auch schon eine Reduktion um 1 Prozentpunkt bringt 10.000 bis 12.000 Jobs. (Quelle: Eco Austria)
MYTHOS: Sozialleistungen verschlechtern sich
Schließlich handelt es sich bei den Lohnnebenkosten u.a. um Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, zur Krankenversicherung, Unfallversicherung etc.
FAKT ist: Ziel ist keinesfalls eine Verringerung von Leistungen, sondern ein effizienterer Einsatz der Mittel durch Verbesserungen im System. Im internationalen Vergleich sind unsere Sozialsysteme sehr gut ausgestattet: In Deutschland zahlen Dienstgeber und Dienstnehmer je 1,3% Arbeitslosenversicherungsbeitrag, in Österreich je 2,95%. Wir geben etwa 8.401 Euro pro Kopf für Gesundheit aus, der dritthöchste Wert der EU, im OECD-Schnitt sind es nur 5.967 Euro. Die Beiträge für ÖGK und AUVA fließen ins Gesundheitssystem. Der ÖGK-Beitrag ist seit vielen Jahren unverändert und soll es bleiben.
Leistungen wurden aber nicht eingeschränkt.
MYTHOS: Senken der Kammerumlage wäre am effektivsten
Außerdem könnte sie aus Rücklagen der Wirtschaftskammer finanziert werden!
FAKT ist: Die Kammerumlage wird laufend gesenkt, zuletzt 2019 und 2024. Auch was im Rahmen der derzeitigen Reform an finanziellen Spielräumen geschaffen werden kann, wird an die Mitgliedsbetriebe weitergegeben. Details dazu hier.
- Seit 1999 wurde die Kammerumlage von 0,53 auf im Schnitt 0,35 % gesenkt. Sie macht damit nur etwas mehr als ein Hundertstel aller Lohnnebenkosten aus.
- Die WK-Rücklagen sind zu einem guten Teil gebunden, etwa in Form von Immobilien, und haben u.a. die Funktion, die Handlungsfähigkeit der WKÖ auch in Krisenzeiten zu gewährleisten.
Finanzierung der Lohnnebenkosten-Senkung
Gegner einer Reduktion von Lohnnebenkosten führen meist an, dass die Maßnahme in Zeiten von Budgetknappheit nicht machbar sei, sie käme den Staat viel zu teuer. Richtig ist aber, dass es auch derzeit Spielräume gibt. Diese gilt es zu nutzen. Zudem sind Einsparungspotenziale im System zu finden, um eine Lohnnebenkostenreduktion zu ermöglichen, die bei den Unternehmen auch ankommt.
- Der großteils durch Dienstgeberbeiträge finanzierte Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) verzeichnet seit 2023 Überschüsse, für 2026 wird er nach der aktuellen Prognose (mangels Geburten) einen Überschuss von 326 Mio. Euro aufweisen.
- Ein Teil kann zudem durch Bekämpfung von Sozialmissbrauch gegenfinanziert werden, etwa durch mehr Kontrollen beim Arbeitslosengeld und bei Krankenständen.
- Bei den Pensionen muss die Angleichung von tatsächlichem und gesetzlichem Pensionsantrittsalter vorangetrieben werden, Anreize für längeres Arbeiten müssen ausgebaut werden.
- Außerdem bestehen ausgabenseitige Einsparungspotenziale in den Bereichen Gesundheit sowie Verwaltung, Förderungen, Föderalismus.
- Lohnnebenkosten finanzieren oft Leistungen, die nichts mit dem Dienstverhältnis zu tun haben. Die Förderung von Familien ist etwa eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Der Wohnbauförderungsbeitrag von Dienstnehmer und Dienstgeber fließt nur zu einem Drittel in die Wohnbauförderung.
- Dazu kommt: Eine Senkung der Lohnnebenkosten hätte positive Effekte auf Beschäftigung, privaten Konsum, Investitionen, Steueraufkommen sowie die Wirtschaftsleistung insgesamt. Die Maßnahme würde sich somit laut EcoAustria zu über 50 % selbstfinanzieren.
Fazit: Vorteile einer Lohnnebenkostensenkung auf einen Blick
- Die Unternehmen werden spürbar entlastet.
- Die Beschäftigung in Österreich steigt.
- Die Kaufkraft der Bürgerinnen und Bürger erhöht sich.
- Der Standort Österreich gewinnt an Wettbewerbsfähigkeit.