Vorsorgereport 1/2026
Quartalsbericht der Pensions- und Vorsorgekassen | 26.01.2026
Lesedauer: 9 Minuten
Editorial
Sehr geehrte Damen und Herren,
die heimischen Pensions- und Vorsorgekassen konnten das Geschäftsjahr 2025 mit einem sehr guten Ergebnis abschließen. Wer sich noch an all die Turbulenzen an den internationalen Märkten erinnert (ein Beispiel: "Liberation Day"), weiß, dass dies keinesfalls selbstverständlich ist. Die hohe Qualität der Arbeit der Pensions- und Vorsorgekassen ermöglicht Stabilität und langfristiges Wachstum bei der Abfertigung NEU und bei den betrieblichen Zusatzpensionen. Details zu den Entwicklungen auf den internationalen Finanzmärkten mit Rückschau und Ausblick lesen Sie in diesem Vorsorgereport.
Unser Ziel ist seit Jahren der flächendeckende Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge und dabei insbesondere eine Pensionskassen-Zusatzpension für alle Menschen in Österreich. Die aktuelle Bundesregierung ist hier mit der Forcierung der Einführung des Generalpensionskassenvertrages auf einem guten Weg. Gleichzeitig sind aber noch einige Punkte im aktuellen Ministerratsbeschluss zu verbessern, um nicht eine Gefährdung des bestehenden Systems zu bewirken. Der Fachverband wird sich daher intensiv für Adaptierungen einsetzen und Sie dazu auf dem Laufenden halten.
Mit freundlichen Grüßen
Mag. Andreas Zakostelsky
Obmann
Dr. Stefan Pichler, LL.M. CPM
Geschäftsführer
Pensions- und Vorsorgekassen ziehen Bilanz: Sehr erfolgreiches Jahr 2025
Die österreichischen Pensions- und Vorsorgekassen konnten das Jahr 2025 sehr erfolgreich abschließen. Trotz eines herausfordernden Umfelds aufgrund hoher Volatilität auf den Kapitalmärkten konnten sie für ihre Anwartschafts- und Leistungsberechtigten eine solide Entwicklung erzielen. Damit unterstreichen die Pensions- und Vorsorgekassen ihre Rolle als stabiler Bestandteil der Altersvorsorge in Österreich.
Pensionskassen: Im Schnitt 419 Euro Zusatzpension monatlich
Die heimischen Pensionskassen können im Jahr 2025 auf ein Plus von 4,88 Prozent verweisen. Das ist ein sehr gutes Ergebnis für die 1,13 Mio. Kundinnen und Kunden der Pensionskassen. Für diese verwalten die heimischen Pensionskassen aktuell ein Vermögen von 30,64 Mrd. Euro. Im Schnitt haben die rund 160.000 Leistungsberechtigten im Vorjahr eine monatliche Zusatzpension von 419 Euro bekommen (14-mal pro Jahr). Auch die Langfristperformance der acht österreichischen Pensionskassen ist mit 5,02 Prozent klar besser als die von zahlreichen anderen Anlageformen.
Europa-Vergleich: Österreichs Pensionskassen überzeugen mit niedrigen Kosten
Die heimischen Pensionskassen überzeugen zudem mit einer sehr guten Kosten-Struktur: Bei dem aktuellen "Costs and Past Performance Report 2025" der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersvorsorge (EIOPA) schnitten die heimischen Pensionskassen am besten ab: Sie weisen bei der repräsentativen Erhebung die geringsten Kosten auf.
Abfertigung NEU 2025 ebenfalls mit sehr gutem Ergebnis
Auch die heimischen Vorsorgekassen (Abfertigung NEU) haben im abgelaufenen Geschäftsjahr ein sehr erfolgreiches Ergebnis erzielt. Dieses liegt im Jahr 2025 bei durchschnittlich 3,64 Prozent. Im Vordergrund der Anlagestrategie steht dabei stets die langfristige Stabilität. Aktuell verwalten die sieben österreichischen Vorsorgekassen ein Vermögen von 23,7 Milliarden Euro für rund 4 Millionen Anwartschaftsberechtigte.
"Die betriebliche Altersvorsorge ist für viele Menschen bereits heute eine verlässliche Ergänzung zur staatlichen Pension. Umso wichtiger sind selbst in Zeiten erhöhter Unsicherheit gute und stabile Ergebnisse", betont Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbands der Pensions- und Vorsorgekassen in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). "Unser Ziel ist es, die betriebliche Altersvorsorge endlich für alle Menschen in Österreich verfügbar zu machen. Ebenso sehen wir es als wichtiges Ziel, unsere Performance weiter zu steigern. Dazu braucht es allerdings Änderungen, die nur durch politische Schritte zu erreichen sind."
Europäische Impulse für den Ausbau der Zusatzpensionen
So gibt es aktuell auf europäischer Ebene gute Impulse für die Stärkung der Zusatzpensionen. Das von der Europäischen Kommission vorgeschlagene "Supplementary Pension Package" wird begrüßt. Insbesondere der Ansatz, über Modelle wie "Auto-Enrolement" möglichst vielen Menschen einen einfachen Zugang zu zusätzlicher Altersvorsorge zu ermöglichen, wird als sinnvoller Schritt gesehen.
Bundesregierung setzt mit Ministerrats-Beschluss zum Thema "Beschäftigung und soziale Absicherung im Alter" erste Schritte
Auch bei der heimischen Politik ist zum Thema betriebliche Altersvorsorge endlich etwas in Bewegung gekommen. Unter dem Aufhänger "Beschäftigung und soziale Absicherung im Alter" wurden im Ministerrat im Dezember 2025 auch Beschlüsse betreffend die Betriebliche Altersvorsorge gefasst. Positiv dabei ist, dass die Umsetzung des im Regierungsprogramm angeführten Generalpensionskassenvertrags vorgesehen ist und damit sachliche Forderungen zur Weiterentwicklung der 2. Säule aufgenommen wurden. Bei manchen weiters angeführten Punkten sieht der Fachverband allerdings noch massiven Diskussionsbedarf – insbesondere bei der Abfertigung NEU: So wird bei den Vorsorgekassen die gesetzliche Vorgabe von Kosten als falscher Hebel zur Verbesserung der Performance gesehen und daher abgelehnt. Auch die Überlegung einer regelmäßigen, vorzeitigen Entnahme aus den Vorsorgekassen wäre ein kontraproduktiver Ansatz, weil dies ganz im Gegenteil Performance für die Anwartschaftsberechtigten kosten würde. Wenn es um Performancesteigerung geht, kann man dies u.a. durch den Wegfall der Bruttokapitalgarantie und die Verlängerung der Liegedauer erreichen.
"Unser Ziel ist der Vollausbau des Systems mit zahlreichen Verbesserungen, um künftig eine noch höhere Performance für alle Berechtigten zu erzielen. Klar ist aber auch: Maßnahmen wie zum Beispiel eine Entnahmemöglichkeit bei Pensionsantritt bei Pensionskassen würden diese Bestrebungen ad absurdum führen. Deshalb braucht es hier noch Nachverhandlungen – wir sind aber optimistisch, dass es insgesamt ein wichtiger Reformschritt Richtung Ausbau der 2. Säule wird", so Zakostelsky abschließend.
Wirtschaftliche Analyse - Entwicklung an den Kapitalmärkten
Kommentar von Mag. Sascha König, Vorstand der Sozialversicherungspensionskasse AG
Ein schwieriges Marktjahr mit zunehmenden Risiken und wachsender Unsicherheit
Das Jahr 2025 war an den Kapitalmärkten kein einfaches Jahr. Statt klarer Trends bestimmten schwankende Erwartungen das Marktgeschehen. Anlegerinnen und Anleger reagierten sensibel auf neue Nachrichten zur Inflation, zu Zinsen, zur Staatsverschuldung und zur Politik. Dadurch kam es immer wieder zu schnellen Kursbewegungen nach oben und unten.
Aktienmärkte – solide Entwicklung mit klaren Gewinnerinnen und Gewinnern
Die Aktienmärkte entwickelten sich im Jahresverlauf überwiegend positiv. Besonders die US-Märkte konnten ihre Stärke ausspielen. Eine robuste Wirtschaft, stabile Unternehmensgewinne und Investitionen in Zukunftsthemen wie Technologie, Digitalisierung und Effizienzsteigerung sorgten für Rückenwind.
Auch in Europa gab es unterstützende Impulse. Staatliche Investitionsprogramme stärkten einzelne Branchen und viele Unternehmen bewiesen Anpassungsfähigkeit in einem anspruchsvollen Umfeld. Zwar blieb das Wachstum moderater als in den USA, dennoch konnten sich die Märkte insgesamt behaupten.
Das vierte Quartal 2025 – Gesunde Korrektur statt Trendbruch
Zum Jahresende nahm die Volatilität spürbar zu. Diese Entwicklung war jedoch weniger Ausdruck einer Krise als vielmehr das Ergebnis einer bewussteren Risikoeinschätzung. Anlegerinnen und Anleger begannen, ihre Erwartungen für das kommende Jahr realistischer zu justieren.
Die Kursrückgänge im vierten Quartal trafen vor allem zuvor stark gestiegene und hoch bewertete Aktien. Gleichzeitig zeigte sich, dass die Märkte insgesamt stabil blieben. Breite Einbrüche oder systemische Verwerfungen blieben aus. Viele Anlegerinnen und Anleger nutzten die Phase, um ihre Portfolios ausgewogener aufzustellen.
Anleihen – Rückkehr der Stabilität
An den Anleihemärkten zeichnete sich 2025 eine spürbare Beruhigung ab. Mit der Aussicht auf sinkende Zinsen gewannen Anleihen wieder an Attraktivität. Sie erfüllten zunehmend ihre Rolle als stabilisierender Baustein in gemischten Portfolios.
Besonders solide Schuldner profitierten von dem veränderten Umfeld. Für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger boten sich wieder kalkulierbare Erträge, was zur Stabilisierung der Gesamtportfolios beitrug.
Was 2025 gezeigt hat
Rückblickend hat 2025 deutlich gemacht, dass die Kapitalmärkte widerstandsfähig sind. Trotz politischer Unsicherheiten, hoher Schulden und globaler Herausforderungen konnten sich viele Anlageklassen positiv entwickeln. Schwankungen gehörten zwar dazu, doch sie waren Teil eines normalen Anpassungsprozesses.
Das Jahr markierte den Übergang von einer Phase künstlich gestützter Märkte hin zu einem Umfeld, in dem Fundamentaldaten wieder stärker zählen. Für langfristige Anlegerinnen und Anleger ist dies eine grundsätzlich positive Entwicklung.
Ausblick auf 2026 – Chancen in einem ausgewogenen Umfeld
Der Blick auf 2026 stimmt vorsichtig optimistisch. Sinkende Zinsen könnten Investitionen und Märkte weiter unterstützen. Gleichzeitig sind viele Risiken inzwischen bekannt und in den Erwartungen berücksichtigt.
Statt Performanceverbesserung droht Gefährdung für das gesamte System
Stellungnahme der Pensions- und Vorsorgekassen zum Ministerrats-Beschluss vom 17.12.2025 zum Thema "Beschäftigung und soziale Absicherung im Alter"
Unter dem Aufhänger "Beschäftigung und soziale Absicherung im Alter" sind im Ministerrat vom 17.12.2025 auch Beschlüsse betreffend die Betriebliche Altersvorsorge enthalten. Positiv dabei ist, dass der im Regierungsprogramm angeführte Generalpensionskassenvertrag vorgesehen ist. Damit ist eine zentrale Forderung der Branche der Betrieblichen Altersvorsorge enthalten.
Weitere Punkte weichen allerdings vom konzeptionell gut durchdachten und auch ins Regierungsprogramm aufgenommenen Sozialpartnerpapier in zentralen Punkten ab. So wird zum Beispiel bei Pensionskassen eine generelle "Herausnahmemöglichkeit bei Pensionsantritt" angesprochen. Das würde aus einem erfolgreichen, kollektiven Rentensystem ergänzend zur staatlichen Pension ein beliebiges Ansparprodukt machen. "Das kann nicht im Sinne der Bevölkerung sein, dass man die Pensionskassen-Zusatzpension mit so einer nicht durchdachten Maßnahme ruiniert", ist Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbandes der Pensions- und Vorsorgekassen (WKÖ), betroffen. "Es muss stattdessen um Maßnahmen zur Performance-Steigerung und um den Ausbau für alle gehen".
Auch bei den Vorsorgekassen (Abfertigung NEU) gibt es Forderungen, die dem System massiv schaden: So wird politisch angedacht, dass die Abfertigung NEU künftig jederzeit entnommen bzw. übertragen werden kann. "Solche Fantasien gehören für mich fachlich ins Reich der Träume – das ist definitiv nicht zu Ende gedacht worden und würde die Abfertigung NEU mittelfristig ruinieren. Wo bleibt da noch der Vorsorgegedanke, wenn jederzeit herausgenommen bzw. übertragen werden kann?", fragt sich Andreas Zakostelsky.
Die Regierung wäre gut beraten, stattdessen das über viele Monate entwickelte und von Experten ausgearbeitete Sozialpartnerpapier, an dessen Spitze der Generalpensionskassenvertrag steht, inklusive zahlreicher Maßnahmen zum Ausbau der Betrieblichen Altersvorsorge und zur Steigerung der Performance im Interesse der Millionen Berechtigten in Österreich rasch in Angriff zu nehmen.
Neujahrsempfang des Fachverbandes der Pensions- und Vorsorgekassen
Der Fachverband hat heuer zum Neujahrsempfang in das k47 eingeladen. Der Geschäftsführer Dr. Stefan Pichler führte in eloquenter Weise durch den Abend und die Gäste wurden in der Keynote von em. Univ. Prof. DDr. Paul M. Zulehner eingeladen, ihn bei grundlegenden Gedanken zum Thema "Europa beseelen - Friede in Gerechtigkeit und Freiheit", zu begleiten. Er beendete seine Gedanken mit der Aussage, dass die Pensions- und Vorsorgekassen eine "Hebamme des Friedens" sind, da sie einen Teil zur Dämpfung von Altersarmut und damit des gesellschaftlichen Friedens leisten. Die Visionsrede des Obmannes, Mag. Andreas Zakostelsky, ist krankheitsbedingt ausgefallen.
Zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer und Vertreterinnen und Vertreter aus der Branche haben die Themen bei interessanten Gesprächen in geselliger Atmosphäre weiter diskutiert. Beinahe alle Vertreterinnen und Vertreter der Branche, sowie der Ombudsmann der Pensionskassen als auch Repräsentantinnen und Repräsentanten von BMF, FMA und ÖKB haben sich ausgetauscht.
Erfreulich war die Teilnahme der Nationalratsabgeordneten Andreas Ottenschläger (ÖVP) und Mag. Christoph Pramhofer (NEOS) sowie Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich Andreas Herz, MSc und Ehrenpräsident Dr. Christoph Leitl.
Über den Fachverband der Pensions- und Vorsorgekassen
Der Fachverband der Pensions- und Vorsorgekassen ist die gesetzliche Vertretung aller Pensionskassen und Betrieblichen Vorsorgekassen. Insgesamt vertritt der Verband über 5 Millionen Anwartschafts- und Leistungsberechtigte und veranlagt durch die Pensions- und Vorsorgekassen über 50 Milliarden Euro - sie sind die größten privaten Pensionszahler in Österreich.
Rückfragehinweis
Fachverband der Pensions- und Vorsorgekassen
Telefon +43 (0)5 90 900 4095
E-Mail: vorsorgeverband@wko.at
Web: www.vorsorgeverband.at
Rechtlicher Hinweis
Alle Angaben wurden sorgfältig erhoben und recherchiert, trotzdem sind Fehler nicht ausgeschlossen. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit sowie für das Eintreten von Prognosen wird keine Gewähr übernommen und jede Haftung ist ausgeschlossen. Der Inhalt dieser Unterlage zielt nicht auf die Bedürfnisse einzelner Pensionskassen oder Pensionskassen-Berechtigter ab, sondern ist genereller Natur und basiert auf dem neuesten Wissensstand, der mit der Erstellung betrauten Personen zu Redaktionsschluss. Die Informationen sind sowohl für die persönliche Verwendung bestimmt als auch zur redaktionellen Verwendung freigegeben. Die erforderlichen Angaben zur Offenlegungspflicht gemäß § 25 Mediengesetz sind in der Offenlegung des Fachverbands Pensions- und Vorsorgekassen zu finden.
Stand: 26.01.2026