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 Ing. Michael Mattes
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Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker, Bundesinnung

Die Europäische Stimme effizienter Gebäudetechnik

Michael Mattes im Interview mit "Der österreichische Installateur"

Lesedauer: 6 Minuten

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15.03.2026

Auf EU-Ebene vertritt der europäische Dachverband GCP Europe seit 1949 die europäischen Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechnik-Branchen. Der Dachverband, bei dem die Bundesinnung Mitglied ist und mitarbeitet, versorgt die nationalen Mitgliedsverbände u.a. mit Informationen über EU-Gesetzesvorhaben und politische Initiativen im Umfeld der Installations- und Gebäudetechnik.

GCP Europe betreibt nach den Vorgaben seiner nationalen Mitgliedsverbände die Interessenvertretung in Brüssel. Nach Jahren als Vorstandsmitglied und "treasurer" (Schatzmeister) bei GCP Europe hat Ing. Michael Mattes seit November 2025 die Funktion des Vize-Präsidenten im Dachverband inne. Mattes ist Installateur, ausgewiesener Normenexperte, Vorsitzender des Arbeitsausschuss Technik und Normen der Bundesinnung und gerichtlich beeideter Sachverständiger. Wir wollten mehr über das Engagement des europäischen Dachverbandes und seine Aufgaben erfahren.

GCP Europe befasst sich im Zuge ihrer Interessenvertretung einerseits mit den Klimatisierungs- und Energiestandards von Gebäuden und andererseits mit den Klima-, Energie- und Nachhaltigkeitszielen der EU – soweit korrekt?

Mattes: Betrachtet man die inhaltliche Ausrichtung der Aufgaben des europäischen Dachverbandes, dann ist das korrekt. GCP Europe steht aber vor allem für die Wahrung der Interessen der europäischen Betriebe in der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik und hat insbesondere zum Ziel, dass die europäische Gesetzgebung, Rechtsetzung oder EU-Initiativen dahingehend gestaltet werden, um umsetzbaren realistischen (klima-)politischen und technischen Vorgaben zu folgen.

Wofür steht die Abkürzung GCP?

Mattes: GCP steht für "Genie Climatique Internationale" und ist vereinfacht gesagt die europäische Interessenvertretung für das Installateurhandwerk in Brüssel.

Sind die Mitglieder Einzelpersonen, Firmen oder Staaten?

Mattes: Die Mitglieder von GCP Europe sind nationale Interessensverbände (wie die Bundesinnung) aus ganz Europa. Dem Verband gehört aber auch das Vereinigte Königreich an. Die nationalen Verbände arbeiten inhaltlich bei GCP Europe mit und bestimmen den Kurs der EU-Interessenvertretung.

Wie kam es dazu, dass Sie "Board Member" also Vorstandsmitglied wurden? Was machen die anderen Vorstandsmitglieder? Was umfasst Ihre Aufgaben?

Mattes: In meinem Fall war das sozusagen ein Quereinstieg. Die Bundesinnung ist eines Tages mit der Frage an mich herangetreten, ob ich dafür zu gewinnen wäre, die Interessen der österreichischen Installateurbetriebe auf europäischer Ebene zu vertreten. Hier bin ich nun. Die Aufgabe macht mir viel Freude und ich sehe immer wieder aufs Neue, wie wichtig es ist, dass wir uns in Brüssel für unsere Mitgliedsbetriebe einbringen.

Ich bin seit meiner Wahl zum Vizepräsidenten im November 2025 derzeit noch "acting Treasurer" (geschäftsführender Schatzmeister) und damit u.a. für die Budgetplanung verantwortlich. Abgesehen davon, arbeite ich auch in verschiedenen GCP-Arbeitsgruppen mit, wie z.B. in der "Policy Group" oder der "EnergyTaskForce". Unter den Vorstandsmitgliedern sind die diversen operativen Aufgabenverteilt, wie z.B. der Vorsitz, die Öffentlichkeitsarbeit, die Akquise und Ansprache von potenziellen neuen Mitgliedern usw.

Gibt es in den unterschiedlichen nationalen Mitgliedsverbänden mitunter auch unterschiedliche Interessen und somit auch Diskussionspotenzial innerhalb des europäischen Dachverbandes oder wird gemeinsam in eine Richtung gearbeitet? 

Mattes: Europa ist bekanntermaßen sehr unterschiedlich; nicht nur betreffend demographische Aspekte und kultureller Werte, sondern auch in Bezug auf technische Standards und Anforderungen. Genau so unterschiedlich sind auch die einzelnen Mitgliedsverbände aufgestellt – damit können auch die jeweiligen Erwartungen und Zielsetzungen der einzelnen Mitglieder auseinandergehen. Am Ende des Tages verfolgen aber alle Mitgliedsverbände dasselbe Ziel, nämlich für ihre Mitgliedsbetriebe etwas zu erreichen und ziehen daher gemeinsam an einem Strang. Die Interessen der Betriebe und die Probleme, mit denen sie kämpfen, sind europaweit ähnlich gelagert.

Es wird direkt an die EU reportet – wie regelmäßig trifft man sich als GCP und wie oft finden dann Anhörungen durch das EU-Parlament statt?

Mattes: Wir haben monatliche Vorstandssitzungen und darüber hinaus viermal jährlich Meetings mit den Vorständen der Mitgliedsverbände. Arbeitsgruppen finden je nach Aufgabengebiet und inhaltlicher Relevanz das ganze Jahr hindurch statt.

Es wird nicht an die EU reportet, sondern es werden durch gezielte Kontakte, die von den diversen Arbeitsgruppen von GCP Europe erarbeiteten Positionspapiere und Stellungnahmen, direkt den EU-Policymakern in der Kommission oder im Parlament übermittelt.

Da geht es auch um Lobbying – was sind die wichtigsten Anliegen der GCP (sowohl longterm als auch aktuell)?

Mattes: Es geht ausschließlich darum, die Vertretung bzw. das Sprachrohr der europäischen Betriebe der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechnik bei den EU-Institutionen oder anderen Organisationen in Brüssel zu sein. Dabei geht es ganz einfach um Interessenvertretung, wie sie die Bundesinnung für die österreichischen Betriebe in Österreich erfüllt. Wenn man bedenkt, dass weit mehr als die Hälfte der in Österreich anzuwendenden und geltenden Gesetze in Brüssel gemacht werden, dann ist es nur folgerichtig, dass sich die Bundesinnung für die österreichischen Installationsunternehmen in EU- Gesetzwerdungsprozesse einbringt. Das geht am besten über einen europäischen Verband, in dem wir auch Unterstützung durch andere nationale Interessenverbände haben. Gemeinsam werden wir im Lärm Brüssels besser gehört, als einzeln.

Was soll für die österreichischen Installateure bei all den Bemühungen herauskommen?

Mattes: Frustrierend bei der sehr interessanten Mitarbeit bei GCP Europe kann manchmal sein, dass die Früchte unserer Bemühungen auf nationaler Ebene – also von unseren Kolleginnen und Kollegen in Österreich – leider kaum gesehen werden. Dazu wollen wir als Innung 2026 ein neues Informationsformat für unsere Betriebe schaffen. Erfreulich ist, dass GCP Europe als anerkannter Stakeholder in Brüssel gilt. Der große Vorteil der Mitgliedschaft der Bundesinnung bei GCP Europe besteht aber zweifellos darin Informationen über politische Vorhaben der EU aus erster Hand zu erhalten und bereits von Anfang beginnen zu können, auf die EU- Politik oder EU-Beamte einzuwirken.

Was sind Ihre persönlichen Beweggründe für die Bemühungen?

Mattes: Mich persönlich treibt die Chance an, die Zukunft unserer SHL-Branche in Österreich in eine positive Richtung lenken zu können und die Stimme der österreichischen Installateurinnen und Installateure in Brüssel zu sein.

Was sind die wichtigsten Ziele/Interessen der Bundesinnung als Mitglied bei GCP Europe?

Mattes: Die wichtigsten Ziele der Bundesinnung sind die Interessenvertretung unserer heimischen Firmen in Brüssel, die Vernetzung und der Austausch mit anderen nationalen Mitgliedsverbänden, die Möglichkeit der direkten Einflussnahme auf europäischer Ebene sowie das nicht zu vernachlässigende "early warning" zu allfälligen, sich auf die Branche potenziell negativ auswirkenden Entwicklungen.

Abschließende Worte?

Mattes: Besten Dank an Dich, Martin, und den "Gelben" für die Möglichkeit, die bei den österreichischen Installateuren kaum bekannte Interessensvertretung auf europäischer Ebene sowie unsere Arbeit vorzustellen und somit der Kollegenschaft näher zu bringen. Auch, wenn es viele von uns nicht wahrhaben wollen, wird der Großteil der uns betreffenden Gesetze und Verordnungen nicht mehr in Österreich gemacht. Es ist daher umso wichtiger, gleich an der Wurzel (des oftmaligen Übels) anzusetzen, um das Maximum für unsere Kolleginnen und Kollegen herauszuholen. Ich freue mich darüber, diese Tätigkeit bei GCP Europe ausüben zu können und sehe damit einer fruchtbaren Zukunft für uns Installateure entgegen. Zuletzt möchte ich an dieser Stelle meinen persönlichen Dank unserem Bundesinnungsmeister Anton Berger aussprechen, der mir sein Vertrauen schenkt und mir diese mehr als interessante Tätigkeit auf europäischer Ebene ermöglicht.

Vielen Dank für das Gespräch und weiter- hin viel Erfolg!


Hinweis: Das Interview führte Martin Pechal und ist am 16.3.2026 im Fachjournal Gelber Installateur erschienen.

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