Außenhandel 2025: Anhaltender Druck auf Industrie & Standort
Informationen der Bundessparte Industrie
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Steigende Importe und rückläufige Exporte prägten den österreichischen Außenhandel im Jahr 2025.
Österreichs Außenhandel stand 2025 erneut unter Druck. Nach dem vorübergehenden Überschuss im Jahr 2024 rutschte die Handelsbilanz im Berichtsjahr wieder ins Minus. In allen Monaten des Jahres wurde ein Defizit verzeichnet, mit dem höchsten Fehlbetrag im Dezember 2025.
Belastend wirkten insbesondere die schwache europäische Konjunktur, hohe Energie‑ und Standortkosten, der Verlust an internationaler Kosten‑ und Wettbewerbsfähigkeit sowie Investitionszurückhaltung, regulatorische und bürokratische Hürden und zunehmende geopolitische Unsicherheiten.
Während die Warenimporte um 4,1 % auf 196,7 Mrd. Euro zulegten, gingen die Warenexporte um 0,5 % auf 190,1 Mrd. Euro zurück. Insgesamt resultierte daraus ein Handelsbilanzdefizit von 6,6 Mrd. Euro. Der Exportrückgang um rund eine Milliarde Euro gewinnt an – negativer – Aussagekraft, wenn man mitberücksichtigt, dass sich bereits zwischen 2023 und 2024 ein markanter Exportrückgang (–10 Mrd. Euro) ergeben hatte.
Die Handelsverflechtungen Österreichs mit der EU sind weiterhin stark ausgeprägt. Rund zwei Drittel des österreichischen Außenhandels wurden auch 2025 mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union abgewickelt. Laut vorläufigen Ergebnissen stiegen die Ausfuhren in die EU im Vergleich zu 2024 um rund 0,8 Mrd. Euro auf 128,9 Mrd. Euro, während die Einfuhren aus der EU um 3,2 Mrd. Euro auf 128,7 Mrd. Euro anstiegen.
Deutschland blieb auch 2025 der wichtigste Handelspartner Österreichs. Auf Deutschland entfielen 29 % der Exporte und 32 % der Importe. Innerhalb der EU zählen zudem Italien, Polen, Tschechien, Ungarn und Frankreich zu den Top-Destinationen der Ausfuhren Österreichs. Abgesehen von den wesentlichen Außenhandelsdestinationen der Intra-EU sind die Vereinigten Staaten, die Schweiz, das Vereinigte Königreich oder China relevante Länder, in die heimische Waren ausgeführt werden. Die Vereinigten Staaten zählten auch 2025 zu den wichtigsten Handelspartnern Österreichs. Trotz eines Rückgangs der Exporte um über 20 % wies Österreich mit den USA den höchsten Handelsbilanzüberschuss aller Partnerländer (+5,2 Mrd. Euro) auf.
Seit 2010 verändert sich die Dynamik der österreichischen Warenexporte – besonders deutlich seit 2021. Ein Blick auf die Top 15 Exportländer Österreichs zeigt: Die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten nahmen ab 2021 kontinuierlich zu, fielen 2025 jedoch wieder in etwa auf das Niveau von 2022 zurück. Getragen wurde diese Entwicklung vor allem von „Pharmazeutischen Erzeugnissen“ (KN 30), „Kernreaktoren, Kessel, Maschinen, Apparate und mechan. Geräte“ (KN 84, v.a. zw. 2024 und 2025) sowie „Zugmaschinen, Kraftfahrzeuge, Traktoren, Motorräder, Fahrräder“ (KN 87). Polen bleibt hingegen auf einem klaren Wachstumskurs, ebenso wie die Exporte in die Niederlande, nach Rumänien und Ungarn.
Das größte bilaterale Handelsbilanzdefizit entfiel auf den Handel mit China (‑12,5 Mrd. Euro). China war 2025 der zweitwichtigste Importpartner Österreichs, gefolgt von Italien, der Schweiz, Tschechien und den Vereinigten Staaten.
Auch nach Produktgruppen bleibt die Exportentwicklung insgesamt verhalten. Allen voran sind es auch im aktuellen Berichtsjahr die „Kernreaktoren, Kessel, Maschinen, Apparate und mechanischen Geräte“ (KN 84), die mit einem Ausfuhrwert von 32,1 Mrd. Euro und einem Anteil von 17 % das nominelle Ranking der wichtigsten Produktgruppen der heimischen Exportlandschaft anführen. Es folgen mit jeweils rund 9 % Exportanteil die „Elektrischen Maschinen, Apparate und elektrotechnischen Waren“ (KN 85), die „Zugmaschinen, Kraftfahrzeuge, Traktoren, Motorräder und Fahrräder“ (KN 87) sowie die „Pharmazeutischen Erzeugnisse“ (KN 30). Während sich im Vorjahresvergleich bei einem Großteil der TOP‑Warengruppen keine nominellen Zuwächse bei der Ausfuhr zeigten, sondern teils deutliche Rückgänge zu verzeichnen waren, konnten einzelne Warengruppen Exportsteigerungen erzielen. Insgesamt blieb die Exportentwicklung damit trotz einzelner positiver Impulse verhalten.
Die wirtschaftliche Entwicklung ist weiterhin von einer verhaltenen Dynamik geprägt. Für heimische Industrieunternehmen zeigen sich bislang keine klaren Anzeichen für eine breit getragene Erholung, Nachfrage und Investitionstätigkeit bleiben insgesamt zurückhaltend. Auch der Außenhandel konnte zuletzt keine nachhaltigen Impulse setzen. Gleichzeitig wirken erhöhte Unsicherheiten im internationalen Umfeld sowie wieder zunehmende Kostenbelastungen dämpfend auf die wirtschaftliche Aktivität. Vor diesem Hintergrund bleibt die weitere Entwicklung maßgeblich davon abhängig, ob sich das Umfeld für Investitionen und wirtschaftliche Planung in den kommenden Monaten stabilisiert.
Autorin:
Mag. Sandra Lengauer
E-Mail: sandra.lengauer@wko.at