WKÖ-Präsident Harald Mahrer im Gespräch mit Medien
© WKÖ/Nadine Studeny

Mahrer: Brauchen Kraftakt für mehr Kinderbetreuung in Österreich

3-Stufenplan bis 2030: Anhebung der Betreuungsquote, Wahlfreiheit und Ausweitung der Öffnungszeiten. Modellrechnung zeigt positiven BIP-Effekt. 

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Aktualisiert am 22.09.2023

Jeder Euro, der in die frühkindliche Bildung investiert wird, kommt achtfach in die Gesellschaft zurück. Das unterstrich WKÖ-Präsident Harald Mahrer im Zuge der Präsentation eines umfassenden Kinderbetreuungskonzepts. Es brauche einen Kraftakt, so Mahrer, "denn Österreich verfehlt die Ziele beim Betreuungsangebot für Kinder weiterhin deutlich." In drei Handlungsfeldern werden deshalb konkrete Forderungen erhoben und Kostenschätzungen vorgenommen, um bis 2030 massive Verbesserungen zu erreichen. Kernforderungen dabei sind die Anhebung der Betreuungsquote von unter 3-Jährigen auf 45 %, das Schaffen einer echten Wahlfreiheit für Eltern für die Betreuung der 3- bis 6-Jährigen und die Ausweitung der Öffnungszeiten um 2 Stunden pro Tag. Die Gesamtkosten des Ausbaus bis 2030 betragen nach WKÖ-Schätzungen 6,3 Mrd. Euro, davon 1,38 Mrd. für bauliche Investitionen, 4,1 Mrd. für Personalausgaben sowie 837 Mio. für den laufenden Betrieb. Gleichzeitig zeigt die Modellrechnung, dass sich nach Erreichen der Ziele 2030 das BIP um rund 7,013 Mrd. Euro pro Jahr erhöht.

Österreich noch abgeschlagen

Österreich liegt mit einer Betreuungsquote von 29,9 % hinter dem Barcelona-Ziel von 33 %, was zu einer überproportional hohen Teilzeitquote führt. Bei Frauen insgesamt liegt diese bereits bei mehr als 50 % und bei Frauen mit Kindern unter 6 Jahren sogar bei 71,6 %. Zudem leistet das heimische Steuer- und Abgabensystem seinen Beitrag dazu, dass Teilzeitarbeit begünstigt wird. Auch liegt Österreich mit Ausgaben von rund 0,7 % des BIP für frühkindliche Bildung 0,2 Prozentpunkte unter dem OECD-Schnitt. "Wir müssen endlich eine internationale Aufholjagd im Bereich der frühkindlichen Betreuung starten", so Mahrer. Denn: Laut AMS-Erhebung geben 65.200 Frauen in Österreich an, dass sie ihre Arbeitszeit ausweiten würden, wenn sie mehr Kinderbetreuung hätten. Und einer market-Umfrage zufolge sehen je 81 % der Unternehmen sowie der Bevölkerung mehr und hochwertigere Kinderbetreuungsplätze als wichtig oder sogar sehr wichtig an.

Umfassendes Detailkonzept für mehr Kinderbetreuung

Im Detail fordert Mahrer deshalb bei der frühkindlichen Bildung bundesweit einheitliche Standards in der Kinderbetreuung, die Entwicklung eines Qualitätskriterien-Katalogs sowie eine Evaluierung der bestehenden Angebote. Beim Ausbau des Betreuungsangebots brauche es mehr Betreuungsplätze sowie ausgeweitete Öffnungszeiten nach den VIF-Kriterien und eine bundesweite Bedarfserhebung im Sinne eines One-Stop-Shops, damit sich Eltern über die passende Betreuung informieren und sich gegebenenfalls auch gleich anmelden können. Hinsichtlich Personal- und Ausbildungsoffensive brauche es vor allem ausreichend Personal. Mahrer regt hier ein breiteres Ausbildungsangebot für Erwachsene an, etwa in Form von modularen Ausbildungen für Assistent:innen. Auch die klassische BAfEP-Ausbildung (Bildungsanstalten für Elementarpädagogik) müsse weiterentwickelt werden, um die Attraktivität der Ausbildung zu steigern. Vorstellbar sei eine modulare Grundausbildung und danach verschiedene Spezialisierungen. "Eine flächendeckende und hochwertige Kinderbetreuung ist daher der Schlüssel zu mehr Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Kinderbildung und Kinderbetreuung sind eine Zukunftsinvestition mit mehrfacher Rendite: Denn sie bringt Chancengerechtigkeit für Kinder, echte Wahlfreiheit und Partnerschaftlichkeit für Eltern und Wohlstand und Wertschöpfung für Österreich", so Mahrer abschließend.

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