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Chart of the Week: Europas Wettbewerbsfähigkeit – Innovation als Schlüssel zu Produktivität und Wohlstand   

Aktuelle Daten und Fakten visualisiert

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28.04.2026

28.4.2026: Europas Wettbewerbsfähigkeit – Innovation als Schlüssel zu Produktivität und Wohlstand

Europas Wettbewerbsfähigkeit steht zunehmend unter Druck. Gemeint ist dabei nicht die kurzfristige Marktperformance, sondern die Fähigkeit der europäischen Volkswirtschaften, ihren Bürgerinnen und Bürgern dauerhaft hohen Wohlstand zu sichern.

Im Zentrum der aktuellen wirtschaftspolitischen Debatte steht daher die Produktivitätsentwicklung als wichtigste langfristige Determinante des Pro‑Kopf‑Einkommens – absolut wie auch im Vergleich zu anderen Weltregionen.

Dass die Daten für Europa ein eher ernüchterndes Bild zeichnen, belegt eine aktuelle Analyse von Lukas Vogel (2025) in den Wirtschaftspolitischen Blättern (WPBl): Seit den frühen 2000er‑Jahren hat sich das Produktivitätswachstum in Europa spürbar abgeschwächt.

Gleichzeitig hat sich die Produktivitätslücke gegenüber den USA quasi verdoppelt. Eng damit verknüpft ist eine strukturelle Innovationslücke. Diese Innovationsschwäche übersetzt sich direkt in eine schwächere Produktivitätsdynamik – und damit in eine anhaltende Herausforderung für die internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas.

Die Lücke zwischen der EU und den USA ist größer geworden

Zwei Liniendiagramme sind nebeneinander dargestellt.<br />
Links: Titel „Niveau der Arbeitsproduktivität, USA = 100, konstante Kaufkraftstandards (2020)“. Eine gelbe Linie markiert konstant den Wert 100 für die USA. Eine blaue Linie zeigt die Entwicklung der EU von etwa 90 im Jahr 1995 auf 80 im Jahr 2024.<br />
Rechts: Titel „Ausgaben für Forschung & Entwicklung in % des BIP“. Zwei Linien zeigen EU (blau) und USA (gelb). Die USA steigen von rund 2,4 % (1995) auf 3,4 % (2023). Die EU steigt von rund 1,6 % auf 2,1 % (2023). Jahreszahlen von 1995 bis 2022 sind auf der x-Achse dargestellt.
© WKÖ Quelle: AMECO, EUCAM, OECD, eigene Berechnungen und Darstellung von Vogel (2025) | Anmerkung: Arbeitsproduktivität gemessen als BIP in konstanten Preisen (2020) pro Arbeitsstunde.

Fazit

Ohne eine Stärkung von Innovation und technologischem Fortschritt wird es Europa nicht gelingen, den Rückstand gegenüber den USA zu verringern und langfristiges Wohlstandswachstum zu sichern. Um dieses Ziel zu erreichen, bietet der Competitiveness Compass der Europäischen Kommission eine umfassende Agenda, darunter etwa die Vereinfachung von Regulierungen, eine Vertiefung des EU-Binnenmarkts oder den Ausbau von Finanzierungen. 

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21.4.2026: Trügerische Erholung – Öffentlicher Konsum als Hauptwachstumstreiber

Nach zwei Jahren Rezession endet das Jahr 2025 mit einer positiven BIP-Wachstumsrate von +0,6 %. Im vierten Quartal 2025 wies das BIP einen um 2,45 % höheren Wert aus als im ersten Quartal 2019 (Vor-Pandemie-Niveau). Was auf den ersten Blick erfreulich wirkt, ist bei genauerer Betrachtung nicht nachhaltig.

Denn die Aufschlüsselung des BIP nach der Verwendungsrechnung zeigt, dass die gesamtwirtschaftliche Entwicklung maßgeblich durch den öffentlichen Konsum gestützt wurde. Ohne dessen Beitrag läge das BIP um 0,3 % unter dem Niveau des ersten Quartals 2019. Die übrigen Nachfragekomponenten privater Konsum, Investitionen und Nettoexporte liegen in Summe unter dem Vorkrisenniveau.

Ohne öffentlichen Konsum läge das BIP in Q4 2025 um 0,3 % unter dem Niveau von Q1 2019 
Entwicklung des österreichischen BIP, real, saison- und kalenderbereinigt
Index, 2019 Q1 = 100

Das Bild zeigt ein Liniendiagramm mit zwei Zeitreihen von 2019-Q1 bis 2025-Q1. Die blaue Linie ist mit „BIP“ beschriftet, die graue Linie mit „BIP abzüglich öffentlichem Konsum“. Eine gestrichelte horizontale Linie markiert den Indexwert 100
© WKÖ Anmerkung: In den Berechnungen werden öffentliche Investitionen nicht separat ausgewiesen, sondern sind in den Bruttoanlageinvestitionen enthalten. Der Anteil der öffentlichen Bruttoanlageinvestitionen an den gesamten Bruttoanlageinvestitionen beträgt rund 13 %.
Quelle: Eurostat

Fazit

Ohne den Wachstumsbeitrag des öffentlichen Sektors würde die österreichische Wirtschaft weiterhin stagnieren. Ein solcher Zustand ist langfristig ökonomisch nicht tragfähig. Daher ist es von zentraler Bedeutung, die privaten Wachstumstreiber gezielt zu stärken. Die Investitionsneigung ließe sich durch angebotsseitige Entlastungsmaßnahmen erhöhen.

Insbesondere eine Senkung der Lohnnebenkosten hat aus Sicht der Wirtschaft höchste Priorität. Mit Blick auf die Exportwirtschaft gilt es zuvorderst auf EU-Ebene einen kohärenten Instrumentenmix aus Handels-, Industrie- und wirtschaftssicherheitspolitischen Maßnahmen zu verfolgen. Daneben gilt es, auch nationale Spielräume zu nutzen, um Österreich als Exportland zu stärken. 

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14.4.2026: Chinas industrielle Vormachtstellung als industriepolitische Herausforderung

Chinas heutige industrielle Stärke ist das Ergebnis einer über Jahrzehnte hinweg konsistenten, staatlich koordinierten und adaptiv weiterentwickelten technologiepolitischen Langfriststrategie. Damit ist es dem Land gelungen, seinen Anteil an der weltweiten Industriewertschöpfung in den vergangenen 20 Jahren mehr als zu verdoppeln.

2024 lag dieser bei 31,8 % und damit bei fast einem Drittel, während der Anteil der EU im selben Zeitraum von 21,5 % auf 15,5 % sank. Der industrielle Erfolg bringt jedoch auch strukturelle Überkapazitäten mit sich, die inzwischen sowohl die chinesische Binnenwirtschaft als auch die internationalen Handelsbeziehungen belasten.

China erwirtschaftet beinahe ein Drittel der globalen Industriewertschöpfung
Anteil an der realen weltweiten Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe (NACE C)
Angaben in %, 2004 bis 2024

Zwei Statistikkurven in einem Diagramm, die sich an einer Stelle überschneiden. Eine Linie ist blau, die andere ist hellgrau. Neben der hellgrauen steht China, neben der blauen steht europäische Union. Die graue Linie überholt die blaue Linie im Verlauf
© WKÖ Quelle: Weltbank, Anmerkung: Deflationiert mit dem länderspezifischen impliziten gesamtwirtschaftlichen BIP-Deflator in Preise von 2015.

Fazit

Mit dem Anfang März vorgestellten „Industrial Accelerator Act“ (IAA) bemüht sich die EU um eine Antwort auf die dauerhafte Veränderung globaler Wettbewerbsbedingungen, die vom umfassenden Einsatz industriepolitischer Instrumente in großen Wirtschaftsräumen ausgeht. Mithilfe von Leitmärkten für strategische Sektoren, einer Anpassung der Auflagen für ausländische Direktinvestitionen sowie beschleunigten Genehmigungsverfahren für industrielle Projekte soll es gelingen, die europäische Industrie wettbewerbsfähiger, resilienter und emissionsärmer zu machen.

Für heimische Unternehmen sind gerade Planungs- und Investitionssicherheit im gegenwärtigen Umfeld von großer Bedeutung. Das klare Bekenntnis der EU-Kommission zum europäischen Industriestandort ist daher ein wichtiges Signal.

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7.4.2026: Stärkere KI-Nutzung kann Europas Wachstum beleben

Dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) wird erhebliches Potenzial zur Steigerung der Arbeitsproduktivität zugeschrieben. In Europa wird dieses bislang jedoch deutlich weniger genutzt als in den USA. Während in den Vereinigten Staaten bereits 43,0 % der Beschäftigten KI im Arbeitsumfeld verwenden, beträgt der Anteil in der EU im Durchschnitt lediglich 31,3 %.

Dabei wäre durch eine intensivere Nutzung der Technologie mit erheblichen Effizienzgewinnen zu rechnen. Eine aktuelle Studie von Bick et al. 2026 zeigt: Eine Person, die 40 Stunden pro Woche arbeitet und KI verwendet, müsste ohne Nutzung der Technologie 2,3 zusätzliche Arbeitsstunden aufwenden, um dieselbe Arbeitsmenge zu bewältigen. 

Europa liegt bei der KI-Nutzung deutlich hinter den USA

Anteil der Beschäftigten, die generative KI am Arbeitsplatz verwenden
in %

Diagramm zur KI-Nutzung in verschiedenen Ländern weltweit
© WKÖ Quelle: Bick et al. (2026), eigene Berechnungen. Befragungszeitraum: Jänner und Februar 2026 (N = 20.916). Generative KI umfasst Verfahren des maschinellen Lernens, die neue Inhalte, wie Texte, Bilder, Videos oder Musik erzeugen. EU-Durchschnitt: ungewichteter Mittelwert von DE, FR, IT, NL und SE.

Fazit

Vor dem Hintergrund des Rückgangs der Erwerbsbevölkerung und begrenzter fiskalischer Spielräume ist eine stärkere Ausschöpfung des Potenzials der KI von zentraler Bedeutung für die Verbesserung der europäischen Wachstumsperspektive. Diffusionsfördernde Maßnahmen sowie die Verankerung von KI‑ und Datennutzungsschwerpunkten in bestehenden Förderinstrumenten können die Anwendung von KI unterstützen.

Ergänzend kann der in der Industriestrategie Österreich 2035 vorgesehene Fokus auf Schlüsseltechnologien dazu beitragen, KI stärker in industrielle Wertschöpfungsprozesse zu integrieren und so die Produktivität zu erhöhen. 

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