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Chart of the Week: Handelspolitik zunehmend restriktiver

Aktuelle Daten und Fakten visualisiert

Lesedauer: 6 Minuten

11.08.2026

11.8.2026: Handelspolitik zunehmend restriktiver

Der Trade Policy Activity (TPA) Index erfasst globale handelspolitische Dynamiken ab 2010 und zeigt einen deutlichen sowie anhaltenden Anstieg handelspolitischer Maßnahmen seit dem Jahr 2019, der durch die Eskalation des ersten sino-amerikanischen Handelskonflikts ausgelöst wurde. Auch die COVID-19 Pandemie im Jahr 2020 sowie der Ukraine-Krieg ab 2022 führten zu einem weiteren Zuwachs.

Während in Krisenzeiten sowohl fördernde als auch restriktive Maßnahmen gleichzeitig zunahmen, standen 2018/19 und insbesondere 2025 im Zusammenhang mit dem „Liberation Day“ Handelsbeschränkungen im Vordergrund. Zu Beginn des Jahres 2026 erreichte der TPA-Index sogar einen neuen Höchststand. Handelsfördernde Politiken nahmen dabei nur moderat zu, sodass sich die Schere zwischen handelsbeschränkenden und handelserleichternden Aktivitäten weiter öffnet. 

Handelspolitische Aktivitäten erreichen neuen Höchststand: Restriktive Maßnahmen dominiere

Trade Policy Activity Index, aufgeteilt nach Maßnahmen
März 2010–Mai 2026

Diagramm zeigt die Entwicklung des TPA-Index sowie fördernder, einschränkender und sonstiger Maßnahmen von 2010 bis 2026. Vier Linien werden dargestellt: Der TPA-Index ist gelb gestrichelt. Fördernde Maßnahmen sind dunkelblau, einschränkende Maßnahmen hellblau und sonstige Maßnahmen grau dargestellt. Bis etwa 2014 schwanken die Werte überwiegend um die Nulllinie. Danach steigen insbesondere die sonstigen Maßnahmen
© WKÖ Quelle: Centorrino, Diakantoni, Keck, Ruta, Sztajerowska, und Wei (2025) | „Sonstige Maßnahmen“ umfassen Maßnahmen, die den Handel potenziell verzerren könnten und überwiegend aus Subventionen bestehen.

Fazit

Als kleine, offene Volkswirtschaft ist Österreich von zunehmenden Handelsrestriktionen besonders betroffen. Die daraus resultierende anhaltende Exportschwäche trägt wesentlich zur schwachen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bei. Ein bloß passives Reagieren auf globale Veränderungen ist daher keine tragfähige Strategie.

Vielmehr ist es erforderlich, das eigene außenwirtschaftliche Umfeld aktiv politisch zu gestalten. Wie sich internationale Chancen auch in einem schwierigen geopolitischen Umfeld nutzen lassen, zeigen unsere Interessenpolitische Schwerpunkte 2026+. Unterstützt werden heimische Unternehmen bei ihrer Internationalisierung von der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA. Die Plattform WKÖ Global Insights bietet darüber hinaus geopolitische und geoökonomische Orientierung mit konkreter Relevanz für Unternehmen.  

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4.8.2026: Mehr Ersatzinvestitionen, weniger Kapitalstockaufbau

Seit Beginn der 2000er-Jahre ist der Anteil der Nettoanlageinvestitionen am BIP deutlich zurückgegangen, von rund 7 % im Jahr 2001 auf etwa 3 % im Jahr 2025. Nettoanlageinvestitionen entsprechen den Bruttoanlageinvestitionen abzüglich der Abschreibungen, also jenem Teil der Investitionen, der lediglich den Verschleiß des bestehenden Kapitalstocks ausgleicht. 

Seit 2001 ist die Nettoanlageinvestitionsquote um rund 4 Prozentpunkte gesunken

Nettoanlageinvestitionsquote
Angaben in Prozent des nominalen BIP

Das Liniendiagramm zeigt die Entwicklung von Prozentwerten im Zeitraum 2001 bis 2025. Die y-Achse reicht von 0 % bis 8 %, die x-Achse zeigt die Jahre 2001 bis 2025. Der Wert liegt 2001 bei rund 7 %. 2025 beträgt der Wert 2,7 %
© WKÖ Quelle: AMECO.

Fazit

Vor diesem Hintergrund gilt es, die Investitionsbedingungen am Standort Österreich nachhaltig zu verbessern. Aus Sicht der Unternehmen zählen insbesondere hohe Kostenbelastungen und bürokratische Hürden zu den größten Investitionshemmnissen. Zu den vordringlichsten Maßnahmen zur Stärkung des Standorts gehören daher die Senkung der Lohnnebenkosten, die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und die Reduktion von Meldepflichten.

Darüber hinaus wäre eine Fortführung des erhöhten Investitionsfreibetrags ein wichtiger Schritt. Ergänzend sollten weitere Verbesserungen der steuerlichen Rahmenbedingungen folgen, etwa durch attraktivere und investitionsfreundlichere Abschreibungsmöglichkeiten.

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21.7.2026: Investitionen kommen noch nicht in Schwung

Nach einer längeren Phase der konjunkturellen Schwäche zeichnet sich laut aktuellem WKÖ-Wirtschaftsbarometer mit über 4.300 befragten Unternehmen eine allmähliche Erholung ab. Trotz besserer Erwartungen bei Auftragslage und Umsatz ist bei den Investitionen noch keine Trendwende erkennbar.

Mehr als ein Drittel der Betriebe plant, das Investitionsvolumen in den nächsten 12 Monaten zu reduzieren; nur rund 23 % der Betriebe wollen es ausweiten. Der Erwartungssaldo bleibt damit negativ. Bei den Investitionsplänen zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede nach Unternehmensgröße: Während kleine und mittlere Unternehmen weiterhin eine ausgeprägte Investitionszurückhaltung aufweisen, zeigt sich bei Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten ein leicht expansiver Investitionsausblick. 

Investitionszurückhaltung vor allem bei kleineren Unternehmen

Entwicklung des Investitionsvolumens in den nächsten 12 Monaten, nach Unternehmensgrößenklassen | Saldo aus positiven und negativen Antworten

Balken-Grafik: Entwicklung des Investitionsvolumens in den nächsten 12 Monaten, nach Unternehmensgrößenklassen
© WKÖ Quelle: WKÖ-Wirtschaftsbarometer, Umfrageergebnisse gewichtet mit der Anzahl der Beschäftigten.

Fazit

Die Ergebnisse des WKÖ-Wirtschaftsbarometers zeigen, dass sich die Geschäftserwartungen zwar aufgehellt haben, die Investitionsabsichten der Unternehmen aber weiterhin verhalten bleiben. Besonders bei kleinen und mittleren Betrieben überwiegt weiterhin Zurückhaltung.

Für eine nachhaltige Stärkung der Investitionsbereitschaft braucht es mehr Planungssicherheit sowie verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. Wichtige Hebel zur Belebung der Investitionstätigkeit wären eine Weiterentwicklung des Investitionsfreibetrags sowie praxistauglichere Abschreibungsregelungen

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14.7.2026: Industrie setzt auf mehr Effizienz

Geopolitische Spannungen, die zunehmende Fragmentierung der Weltwirtschaft und der vermehrte Wettbewerbsdruck wirken sich auf die Entscheidungen von Unternehmen aus. Wie die Ergebnisse des jüngsten WKÖ-Industrieradars (2026) zeigen, beabsichtigen 97 % der befragten Industrieunternehmen in Österreich, ihre strategischen Maßnahmen in den kommenden zwei Jahren an die veränderten globalen Rahmenbedingungen anzupassen.

Im Vordergrund stehen dabei mit Abstand Maßnahmen zur Steigerung von Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit: 82 % der befragten Unternehmen planen die Einführung von Kosten- und Effizienzprogrammen, während 61 % die Automatisierung und Digitalisierung ihrer Produktion vorantreiben wollen.

Deutlich seltener setzen die Unternehmen auf eine Diversifikation und Verbreiterung ihres Portfolios (34 %) sowie auf die Aufwertung ihrer Produkte (32 %). Besorgniserregend ist, dass bereits ein Viertel der Unternehmen über eine Verlagerung von Beschaffung, Produktion oder Vertrieb in den kommenden 24 Monaten nachdenken.

Industrieradar: 82 % der Industrieunternehmen planen Kosten- und Effizienzprogramme

Strategische Maßnahmen in den nächsten 24 Monaten | Angaben in Prozent 

Horizontales Balkendiagramm mit zehn strategischen Maßnahmen. Die Skala reicht von 0 bis 100. Eine Einheit ist nicht angegeben.<br />
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Die Werte in absteigender Reihenfolge:<br />
Kosten- und Effizienzprogramme: 82<br />
Automatisierung und Digitalisierung der Produktion: 61<br />
Diversifikation und Verbreiterung des Portfolios: 34<br />
Aufwertung des Produktportfolios, höhere Qualität und Technologieführerschaft: 32<br />
Verlagerung von Beschaffung, Produktion oder Vertrieb: 25<br />
Erschließung neuer Exportmärkte: 21<br />
Kooperationen, Joint Ventures oder Lizenzmodelle: 9<br />
Beschleunigte Dekarbonisierungsinvestitionen: 9<br />
Rückzug aus bestehenden Märkten: 6<br />
Keine wesentlichen strategischen Änderungen geplant: 3
© WKÖ Quelle: Industrieradar 2026 | Frage: „Mit welchen Maßnahmen reagiert Ihr Unternehmen strategisch in den nächsten 24 Monaten?“, max. 3 Nennungen, n = 270

Fazit

Der WKÖ-Industrieradar macht sichtbar: Österreichs Industriestandort steht unter strukturellem Druck – durch hohe Kosten im Inland und zunehmende Konkurrenz aus China. Besonders die im internationalen Vergleich hohen Arbeits- und Personalkosten beeinträchtigen die Standortattraktivität Österreichs und Investitions- sowie Produktionsentscheidungen.

Unternehmen reagieren darauf mit Effizienz- und Produktivitätssteigerungen. Darüber hinaus ist die Politik gefordert, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen sicherzustellen: Eine rasche Umsetzung der in der Industriestrategie 2035 der Bundesregierung angelegten Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Reduktion der Kostenbelastung ist daher geboten. Darüber hinaus braucht Europa ein strategisches industrie- und handelspolitisches Instrumentarium.

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7.7.2026: Abhängigkeiten Österreichs bei Schlüsseltechnologien

Geopolitische Macht wird zunehmend über wirtschaftliche Instrumente ausgeübt. Handelsabhängigkeiten können dabei zu strategischen Verwundbarkeiten werden – insbesondere für kleine, offene Volkswirtschaften wie Österreich. Eine aktuelle Analyse von Peter Klimek (2026) in den Wirtschaftspolitischen Blättern (WPBl) untersucht, wie stark Österreich in den zentralen Technologiebereichen der Industriestrategie Österreich 2035 von kritischen Importen abhängig ist.

Die Ergebnisse zeigen, dass die größten Risiken in den Bereichen Chips & Elektronik, Energie & Umwelt und Luftfahrt bestehen. In diesen Sektoren treffen hohe Importabhängigkeiten auf eine starke Konzentration der Lieferketten in geopolitisch sensiblen Regionen.

Besonders hohe Abhängigkeitsrisiken bestehen bei Chips, Energie und Luftfahrt 

PCA-Score der strategischen Verwundbarkeit
Importgewichteter Mittelwert über alle Produkte der jeweiligen Kategorie

Das Balkendiagramm vergleicht sieben Technologiebereiche anhand von Werten zwischen 0 und 0,40. Die y-Achse reicht von 0 bis 0,4. Die dargestellten Werte sind: Chips & Elektronik, Energie & Umwelt, Luftfahrt, Advanced Materials, Advanced Production & Robotik, Mobilität, Life Sciences & Biotechnologie. Die höchsten Werte entfallen auf Chips & Elektronik sowie Energie & Umwelt mit jeweils 0,38. Den niedrigsten Wert weist Life Sciences & Biotechnologie mit 0,27 auf
© WKÖ Quelle: BACI, Klimek (2026).
Anmerkung: Der PCA-Score kombiniert die drei Maße Herfindahl-Hirschmann-Index, Exposure und systemisches Handelsrisiko zur strategischen Verwundbarkeit pro Technologiebereich mittels Hauptkomponentenanalyse.

Fazit

Um die Resilienz des Standorts Österreich zu stärken, ist eine strukturelle und nachhaltige Wirtschaftssicherheitspolitik erforderlich, die sowohl eine nationale als auch europäische Dimension enthält. Lieferkettendiversifikation sowie der eigene industrielle Auf- und Ausbau stehen hier an erster vorderster Stelle.

Auch die Teilnahme Österreichs an Initiativen wie dem EU-Chips-Act im Bereich der Halbleiter kommt eine wesentliche Rolle zu. Weiters braucht es Investitionen in Innovation sowie eine enge Zusammenarbeit auf EU-Ebene und mit verlässlichen Partnern (Made in Europe and Partner Countries).

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