Chart of the Week: Öffentlicher Sektor wächst, private Investitionen sinken
Aktuelle Daten und Fakten visualisiert
Lesedauer: 3 Minuten
13.1.2026: Öffentlicher Sektor wächst, private Investitionen sinken
Die österreichische Wirtschaft war in den vergangenen Jahren mit multiplen Krisen und tiefgreifenden strukturellen Veränderungen konfrontiert. Wachstums- und Beschäftigungsimpulse blieben dabei auf wenige Bereiche beschränkt. Insbesondere die exportorientierte Industrie verlor Marktanteile und Arbeitsplätze, während der öffentliche Sektor deutlich expandierte.
Seit 2019 ist der öffentliche Konsum, der maßgeblich die Personalkosten der öffentlich Beschäftigten widerspiegelt, um 14,2 % gestiegen. Im Gegensatz dazu sind die privaten Bruttoanlageinvestitionen - eine zentrale Voraussetzung für zukünftiges Produktivitäts- und Wirtschaftswachstum – im selben Zeitraum um 9,2 % zurückgegangen.
Auf Dauer nicht tragfähig: Entkopplung zwischen privater Investitionstätigkeit und Staatskonsum
Bruttoinlandsprodukt und Verwendungskategorien, real
Index 2019 Q1 = 100, preis-, saison- und kalenderbereinigt
Fazit
Die demografische Alterung und das anhaltende Bevölkerungswachstum führen zu einer Ausweitung der Leistungen und Ausgaben des öffentlichen Sektors. Zu einem Problem wird diese Entwicklung, wenn sich Staatskonsum und gesamtwirtschaftliche Leistung zunehmend voneinander entkoppeln. In einem solchen Umfeld gerät die nachhaltige Finanzierung staatlicher Leistungen immer stärker unter Druck.
Eine zentrale Priorität der Wirtschaftspolitik muss es daher sein, die Investitionstätigkeit der Unternehmen zu beleben. Positive Impulse werden von der Ausweitung des Investitionsfreibetrags erwartet. Zusätzliche Investitionsanreize und verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten sollten weiter forciert werden.
7.1.2026: Europas Exportmodell durch China-Schock 2.0 unter steigendem Druck
Die zunehmende Konkurrenz aus China setzt die exportorientierten Wachstumsmodelle vieler EU-Mitgliedstaaten – darunter auch jenes Österreichs – spürbar unter Druck. Der sogenannte China-Schock 2.0 ist das Ergebnis einer Kombination aus staatlich gelenkter Industriepolitik und dem seit den frühen 2020er-Jahren verstärkten chinesischen Fokus auf exportgetriebenes Wachstum.
Daraus ergibt sich ein zunehmendes strukturelles Ungleichgewicht im Handel zwischen China und fortgeschrittenen Volkswirtschaften. Die Folgen sind eine verschärfte Konkurrenz auf Exportmärkten, eine rückläufige chinesische Nachfrage nach europäischen Produkten sowie eine wachsende Importabhängigkeit Europas von Waren aus China.
Das strukturelle Ungleichgewicht im Handel mit China hat sich deutlich verschärft
Fazit
Der China-Schock 2.0 ist Ausdruck eines strukturellen Wandels der globalen Wirtschaftsbeziehungen. Sein dauerhafter Charakter birgt für Österreich und Europa die Gefahr einer schleichenden Deindustrialisierung infolge von Preisdruck, rückläufigen Investitionen und Unternehmensverlagerungen, sofern wirtschaftspolitisch nicht gegengesteuert wird.
Neben standortpolitischen Hausaufgaben – insbesondere der Senkung angebotsseitiger Kosten sowie der Förderung von Investitionen in Digitalisierung und Innovation – bedarf es auf europäischer Ebene eines integrierten Instrumentenmix aus Handels-, Industrie- und Wirtschaftssicherheitspolitik, um strukturellen Überkapazitäten wirksam zu begegnen.