Sparte Industrie

Sattler: Fashion oder Technik? Textiltechnologie ist facettenreich

Branche mit vielfältigen und abwechslungsreichen Einsatzmöglichkeiten

Lesedauer: 3 Minuten

20.02.2023
Textilien sind unverzichtbarer Teil unseres täglichen Lebens. Wer liebt es nicht: ein frisches, flauschiges Handtuch nach einer heißen Dusche, die neue Leinenbettwäsche, die für ein angenehmes Schlafklima sorgt, Schutz vor der blendend heißen Sonne unter einer kühlen Markise oder lieber doch nahtlose und hochwertige Sportbekleidung für das regelmäßige Lauftraining? Textilien sind aber noch viel mehr!

Für Textiltechnologen und Textiltechnologinnen dreht sich alles um Technik und Material. Er oder sie erweckt Entwürfe oder neue Projekte zum Leben. Textiltechnologen und Textiltechnologinnen stellen computergesteuerte Web-, Stick-, Strick-, Spinn- und Wirkmaschinen ein und bedienen, überwachen und warten diese. Dazu ist es notwendig, Arbeitsschritte, -mittel und -methoden festzulegen, die erforderlichen Materialien für den Einsatz an der entsprechenden Maschine auszuwählen, zu beschaffen und auch zu überprüfen; es muss der Produktionsvorgang überwacht werden, Fehlerursachen an Maschinen gesucht und behoben und Prozesse optimiert werden - dies alles unter Berücksichtigung von einschlägigen Normen, Sicherheits-, Umwelt- und Qualitätsstandards.

Wichtig im Job sind auf jeden Fall technisches Verständnis, Verantwortungsbewusstsein, Interesse für Neues und die Liebe zum Detail.

Die österreichische Textilindustrie vereint Jahrhunderte alte Tradition und Erfahrung mit Vorreiterrolle bei neuen Entwicklungen

Die österreichischen Betriebe der Textilindustrie wurden teilweise im 19. Jahrhundert gegründet und in familiärer Generation weitergeführt, wogegen andere erst vor wenigen Jahren gegründet worden sind.
Es bestehen internationale Nachfrage nach österreichischen Produkten der Textilindustrie und weltweite Geschäftsbeziehungen. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden zu Fachkräften ausgebildet, um das Know-how und die Kultur der Branche weitergeben zu können – Fachkräfte sind gefragt!

Unabhängig von den Segmenten Heimtextilien, Technische Textilien, Medizinische Textilien und Bekleidung achten diese Unternehmen darauf, woher ihre Rohstoffe kommen, in welchem Ausmaß diese mit chemischen Lösungsmitteln behandelt werden, ob die Tiere, welche die Schurwolle liefern, auch artgerecht gehalten werden, und wie man Produktionsabfälle nützlich weiterverwenden kann.

Jede Baumwollpflanze, jedes Schaf, jeder Baum und jede Polyesterfaser stammen aus unserem Ökosystem und liefern der Textilindustrie Rohstoffe und uns Menschen Kleidung zum Anziehen, Textilprodukte für Baukonstruktionen, Innenausstattung für Automobil und Luftfahrt, Wundversorgung, wenn wir verletzt sind, LKW-Planen, um unsere Pakete trocken von A nach B zu bringen, Markisenstoffe, die uns vor der Sonne schützen, Seile für Bergsteiger, Sicherungssysteme und Bergrettung. Dies sind nur einige Beispiele einer Industriebranche mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und die aufgrund von Innovationen, wie Smart Textiles mit integrierter Sensorik, auch stetig mehr werden.

Die SATTLER GROUP

Die SATTLER GROUP mit Hauptsitz in Gössendorf bei Graz ist der Spezialist für Markisen, Planen und technische Textilien sowie für innovative Lösungen auf dem Gebiet der Umwelttechnik und der textilen Architektur.

Die Wertschöpfung reicht vom Weben, Ausrüsten oder Beschichten über das Konfektionieren bis zur Montage von Membranstrukturen. Jährlich werden rund 25 Millionen m² Gewebe für den Weltmarkt erzeugt. Firmeneigene Forschung und Entwicklung in allen Bereichen tragen zum weltweiten Erfolg des Unternehmens bei.

Gegründet im Jahr 1875, wird die Sattler AG in 5. Generation in der Familie geführt. Die ca. 700 Beschäftigten sind in vier Produktionsstätten in Europa und den USA tätig.

Unter ihnen auch Lehrlinge der Textiltechnologie: „Ich habe mit 17 Jahren meine Ausbildung als Textiltechnologin begonnen und werde die Lehre dieses Jahr abschließen. Mein Arbeitsalltag verläuft ganz unterschiedlich, je nachdem, in welcher Abteilung ich arbeite. Diese Abwechslung ist es auch, die mir besonders gefällt. Ich betreue Greifer- und Luftdüsen-Webmaschinen während des Webprozesses und bin dabei für die Gewebequalität verantwortlich. Erhöhte Aufmerksamkeit benötigen Musterwechsel auf den Webmaschinen. Mit dem Kran transportiere ich Geweberollen von den Webmaschinen in die Warenschau.“, erzählt Lena Hartinger, ausgezeichnet mit dem „Trainee of the Year 2020“-Award, die auch nach abgeschlossener Lehrausbildung weiter im Unternehmen bleiben möchte. „Zu meinen kurzfristigen Plänen zählt ein guter Lehrabschluss, langfristig möchte ich mehr Verantwortung übernehmen und als Schichtleiterin bis zu 20 Kolleg*innen führen.“, berichtet sie begeistert.

„Der Lehrberuf hat sich weiterentwickelt und bietet neben den textilen Ausbildungsschwerpunkten auch eine technische Ausbildung in Richtung Pneumatik und Drehen. Für mich ist es eine Freude, junge Menschen fachlich und persönlich zu begleiten und deren Entwicklung mitzuerleben. Ich freue mich, dass die meisten meiner ehemaligen Lehrlinge noch heute im Unternehmen tätig sind“, sagt Ausbilder Rene Froschauer, der vor 30 Jahren selbst die textile Ausbildung absolviert hat und seit 7 Jahren die Lehrlingsausbildung der Sattler SUN-TEX GmbH in Rudersdorf betreut.

Trainee of the Year – Förderung der Lehrlinge

Gut ausgebildete Fachkräfte sind für die Branche unerlässlich, weshalb die Berufsgruppe Textilindustrie die Nachwuchskräfte in Form von Stipendien fördert. Motivation und Wertschätzung der textilen Lehrlinge werden durch die jährliche Ehrung der Besten in Form des „Trainee of the Year“ zum Ausdruck gebracht.

Zahlen, Daten, Fakten zur Textilindustrie

In den zwei textilen, industriellen Lehrberufen Textiltechnologie und Textilchemie werden zurzeit 56 Lehrlinge ausgebildet. In der gesamten Branche gibt es aktuell 153 Lehrlinge in 15 Lehrberufen in Ausbildung.

Die 224 Textilunternehmen erwirtschaften mit rund 11.000 Beschäftigten einen Umsatz in Höhe von über 2,4 Mrd. Euro. Die Exportquote beträgt 85%!

Lehrling während der Ausbildung
© Sattler Lena Hartinger bei der Arbeit
Lehrling während der Ausbildung
© Sattler Lena Hartinger bei der Arbeit