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Sechs Personen posieren vor Backsteinwand bei Veranstaltung
© FAMA/Minitta Kandlbauer
Film- und Musikwirtschaft, Fachvertretung

Nachbericht: Bzzzz 2026 – Konferenz der österreichischen Musikwirtschaft

Innovationen, Networking und Zukunftstrends 

Lesedauer: 5 Minuten

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22.05.2026

Am 18. Mai 2026 versammelte die Bzzzz – Konferenz der österreichischen Musikwirtschaft im Filmquartier Wien zum vierten Mal zentrale Akteur:innen der Branche. Künstler:innen, Labels, Verlage, Veranstalter:innen sowie Vertreter:innen von Branchenorganisationen und interessierte Stakeholder aus Medien, der Politik und Verwaltung nutzten die Konferenz als Plattform für Austausch, Vernetzung und praxisnahen Diskurs.

Zentrale Fragestellung: Handlungsfähigkeit in einem plattformgetriebenen Markt

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die kleinteilig strukturierte österreichische Musikwirtschaft unter den Bedingungen globaler Plattformökonomien nachhaltig, unabhängig und wirtschaftlich bestehen kann. Diskutiert wurden u. a. Abhängigkeiten von großen Plattformen, Sichtbarkeitslogiken im Streaming und in sozialen Medien und die Auswirkungen globaler Markt- und Krisendynamiken auf die lokale Wertschöpfung.

Auftakt: Keynote und Panel zu Strukturen und Standortpolitik

Nach einer Vorstellung der Bzzzz durch die Veranstalter:innen begann der Vormittag mit einer Keynote von Paulina Parvanov mit dem Titel „Lost in Translation“, die einen übergeordneten Blick auf aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Musikwirtschaft eröffnete. Sie unterstrich den Bedarf nach strukturiertem Dialog zwischen Branche, Politik und Institutionen.

Darauf folgte ein Panel zur Standortpolitik und zu strukturellen Rahmenbedingungen, in dem zentrale Fragen diskutiert wurden: Wie funktioniert das System Musik in Österreich – und wo besteht konkreter Handlungsbedarf? Der musikpolitische Austausch zwischen den Panelist:innen Gernot Graninger (AKM), Stefan Hahn (BMWKMS), Stephanie Meisl (Creative Industries Rat im BMWET), Paulina Parvanov (AME), Hannes Tschürtz (FAMA) moderiert von  Vanessa Spanbauer griff die Musikstrategie des Bundes auf sowie deren praxisnahe Umsetzung und Fragen der Finanzierung von Maßnahmen für die Musikbranche.

In der Diskussion wurden auch die Rahmenbedingungen im Musikmarkt dargelegt. Thematisiert wurde insbesondere die Diskrepanz zwischen der Nutzung österreichischer Musik und ihrer Sichtbarkeit. In diesem Zusammenhang wurde ein zweckgebundener Beitrag der Streamingdienste zur Stärkung der Musikförderung diskutiert, um das evidente Handelsbilanzdefizit auszugleichen.

Herzstück der Konferenz: Wissensaustausch und Dialog

Das Programm bot praxisorientierte Präsentationen und vertiefende Inputs für den Berufsalltag. Im Fokus standen konkrete Kompetenzen, Tools und Arbeitsweisen entlang der Wertschöpfungsstufen der Musikwirtschaft. Die Sessions machten deutlich, dass zentrale Herausforderungen der Branche – von Sichtbarkeit über Monetarisierung bis hin zu Internationalisierung – zunehmend datengetrieben, vernetzungsbasiert und langfristig orientiert bearbeitet werden müssen.

Die Vortragenden teilten ihr Wissen zu:

  • Daten, Infrastruktur und Internationalisierung Sessions wie „Data to Distribution“ zeigten, wie datenbasierte Entscheidungsprozesse, Analytics und technische Infrastruktur den Zugang zu internationalen Märkten erleichtern und Geschäftsmodelle skalierbar machen.
  • Metadaten und digitale Wertschöpfung Die Session „How-To: Credits/Metadaten“ verdeutlichte die zentrale Rolle strukturierter Daten für Sichtbarkeit, Auffindbarkeit und Vergütung im digitalen Musikmarkt.
  • Audience Development & Fanbindung Formate wie „Artists & Audiences“ und Beiträge zu Plattformen wie Fanklub zeigten praxisnah, wie Künstler:innen Communitys aufbauen und direkte Beziehungen zu ihrem Publikum entwickeln können – als Grundlage nachhaltiger Einnahmen und Reichweite.
  • Promotion, Discovery und Marktzugang In Sessions wie „Breaking Through“ wurden Strategien vorgestellt, wie Musik gezielt bei Kurator:innen, Medien und Branchenakteuren platziert werden kann – kombiniert mit Ansätzen für den Aufbau von Live‑Publikum und Musikszenen.
  • Booking und Live-Geschäft Der „Crashkurs Booking“ vermittelte konkrete Einblicke in Einstiegsstrategien, Anforderungen von Booker:innen und nachhaltige Beziehungsarbeit im Live‑Sektor.
  • Nachhaltige Karriereentwicklung Das Format „Slow Music Business“ stellte langfristige Artist‑Development‑Ansätze in den Mittelpunkt – mit Fokus auf Vertrauen, Kollaboration und stabile Strukturen jenseits kurzfristiger Erfolge.

Roundtables zu Themenkomplexen „Österreich Bild“, „Struktur“ und „Backstage“

Den inhaltlichen Kern bildeten die Roundtables, die in drei thematischen Blöcken organisiert waren und bewusst als dialogische Arbeitsformate konzipiert wurden. Bzzzz-Besucher:innen hatten die Möglichkeit, konkrete Fragestellungen auf Augenhöhe zu diskutieren, mit dem Ziel, gemeinsame Perspektiven und Impulse zu entwickeln.

Österreich-Bild & Musikidentität
Diskussion über die Wahrnehmung österreichischer Musik und die Frage, wie ein zeitgemäßes „Österreich-Bild“ jenseits tradierter Begriffe entwickelt werden kann.

Musikexport & internationale Strategien
Auseinandersetzung mit veränderten globalen Rahmenbedingungen und der Rolle österreichischer Acts im internationalen Kontext.

Diversität und Förderstrukturen
Kritische Reflexion von Förderlogiken, Machtstrukturen und tatsächlicher Wirkung von Diversitätsstrategien.

Land & Leute / kulturelle Infrastruktur
Fokus auf den Rückgang von Auftritts- und Experimentierräumen sowie deren Bedeutung für künstlerische Entwicklung.

Wissenstransfer & Vernetzung
Bedarf an Qualifikation, Sichtbarkeit von Ausbildungsangeboten und besseren Austauschstrukturen innerhalb der Branche.

Musikstandort Österreich
Diskussion über prioritäre Maßnahmen zur Stärkung nachhaltiger Berufsmöglichkeiten.

Tonstudios im Wandel („quo vadis?“)
Veränderung des Berufsbilds im Spannungsfeld von Digitalisierung, KI und neuen Geschäftsmodellen.

Österreichische Musik in Medien („unsichtbarer Riese“)
Debatte über mangelnde Sichtbarkeit heimischer Musik und die Rolle von Medien und Plattformen.

Machtstrukturen und Verantwortung in der Branche
Auseinandersetzung mit strukturellen Ungleichheiten und notwendigen Verantwortungsmechanismen. 

Abschluss: Zusammenführung und künstlerischer Ausklang

Zum Ende des Tages wurden zentrale Erkenntnisse aus den Roundtables zusammengeführt und gebündelt. Den inhaltlichen Abschluss bildete ein Spotlight-Gespräch mit Anna Buchegger  und Hubert von Goisern, das persönliche Perspektiven auf künstlerisches Arbeiten und die Entwicklung der Branche eröffnete.

Fazit: Austausch, Beteiligung und konkrete Perspektiven

Publikum bei Podiumsdiskussion vor Bühne mit Präsentationsfolie und Veranstaltungsbannern
© FAMA/Minitta Kandlbauer

Die Bzzzz 2026 bestätigte ihren Anspruch als Arbeits- und Dialogplattform „aus der Branche für die Branche“. Im Fokus standen weniger abstrakte Debatten als vielmehr konkrete Fragestellungen und umsetzungsorientierte Ansätze – getragen von einer breiten Perspektivenvielfalt und dem gemeinsamen Ziel, die Rahmenbedingungen für Musik in Österreich nachhaltig zu verbessern. Fortsetzung folgt am 24. Mai 2027 (Save the Date).

Dank an die Sponsoren

Die Bzzzz 2026 wurde vom Fachverband der Film- und Musikwirtschaft (FAMA) organisiert und von AKM, IFPI, LSG Interpreten, SKE Fonds und VTMÖ unterstützt.

Getränke wurden vom Weingut Hummel und Organics zur Verfügung gestellt. 

Bildergalerien

Fotos von Minitta Kandlbauer (Fotocredit: © FAMA | Minitta Kandlbauer)

Fotos von Mischa Janisch (Fotocredit: © Alex Gotter)

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