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Franz Edlbauer, Obmann der WKO Wels-Stadt
© Stella Grill

Bildungskompass weist für Wirtschaftsstandort Wels alarmierende Zahlen auf

Die aktuellen Zahlen zum Deutschförderbedarf an Volksschulen sind ein deutliches Warnsignal für Wels.

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 30.10.2026

„Wenn mehr als jedes vierte Volksschulkind in unserer Stadt zusätzliche Deutschförderung benötigt, müssen bei allen Verantwortlichen die Alarmglocken schrillen. Es geht dabei nicht nur um Bildungspolitik, sondern auch um die Zukunft unserer Kinder, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe und die langfristige Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Wels“, stellt Franz Edlbauer, Obmann der WKO Wels-Stadt, klar. 

Der veröffentlichte Bildungskompass legt offen, dass in Mathematik jede einzelne Welser Schule eine Platzierung im oberen Drittel verfehlt. 71,4 Prozent landen im unteren Bereich. Im Lesen belegen 57,1 Prozent der Welser Volksschulen das untere Drittel. „Die Stadtpolitik muss gemeinsam mit den zuständigen Stellen wirksame Maßnahmen setzen, damit jedes Kind beim Eintritt in die Volksschule über ausreichende Deutschkenntnisse verfügt, um dem Unterricht folgen zu können. Sprachförderung darf nicht erst dann zum Thema werden, wenn die Kinder bereits in der Klasse sitzen und wertvolle Lernzeit verloren geht“, ist Edlbauer überzeugt.

Die WKO Wels fordert daher eine verbindliche Sprachstandsfeststellung bereits im Kindergartenalter, eine frühzeitige und intensive Deutschförderung sowie eine konsequente Überprüfung der Lernfortschritte. „Wo Förderbedarf besteht, müssen rechtzeitig zusätzliche Angebote geschaffen und die Eltern stärker in die Verantwortung genommen werden. Unser Ziel ist klar: Kein Kind soll in die reguläre erste Volksschulklasse eintreten, ohne über die notwendigen Deutschkenntnisse für die Teilnahme am Unterricht zu verfügen. Wo diese Voraussetzungen noch nicht erfüllt sind, braucht es verbindliche, rechtlich abgesicherte Fördermaßnahmen und eine entsprechende Vorbereitung vor den Schuleintritt. Die zuständigen Stellen müssen dafür die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen“, so Edlbauer.

Lehrer verdienen Unterstützung statt Schuldzuweisungen

Ausdrücklich stellt sich die WKO Wels hinter die Lehrer an den Welser Schulen. „Sie sind es, die täglich unter anspruchsvollen Bedingungen hervorragende Arbeit leisten, Kinder fördern, Lernstoff vermitteln und versuchen, den unterschiedlichen Bedürfnissen ihrer Schüler gerecht zu werden. Unsere Lehrerinnen und Lehrer sind nicht für die politischen Versäumnisse im Bereich der frühzeitigen Sprachförderung verantwortlich. Sie leisten Tag für Tag wertvolle Arbeit und verdienen unsere Anerkennung. Es ist nicht fair, von ihnen zu verlangen, gleichzeitig fehlende Sprachkenntnisse auszugleichen, den gesamten Lehrplan zu erfüllen und allen Kindern die bestmöglichen Bildungschancen zu bieten, ohne ihnen die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen“, betont Edlbauer.

Alle Hebel betätigen, auch bei Sozialleistungen und Mitwirkungspflichten
Die Stadtpolitik darf sich angesichts dieser Entwicklung nicht mit Zuständigkeitsdebatten zufriedengeben. Sie muss alle ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausschöpfen. Dazu gehören aus Sicht der WKO Wels:

  • Frühe Sprachförderung: Verbindliche Sprachstandsfeststellungen im Kindergarten und gezielte Förderung, lange bevor sich Defizite in der Volksschule verfestigen.
  • Verbindliche Mitwirkung der Eltern: Eltern müssen in die Pflicht genommen werden, Sprachförderangebote für ihre Kinder wahrzunehmen und deren Bildungsweg aktiv zu unterstützen.
  • Konsequente Maßnahmen bei fehlender Mitwirkung: Die Stadt muss prüfen, welche rechtlich zulässigen Konsequenzen bei wiederholter Verweigerung verpflichtender Fördermaßnahmen möglich sind. Dazu gehört auch, gemeinsam mit den zuständigen Landes- und Bundesstellen zu prüfen, ob und unter welchen gesetzlichen Voraussetzungen Sozialleistungen an verbindliche Mitwirkungspflichten geknüpft werden können.
  • Mehr Unterstützung für die Schulen: Zusätzliche Sprachförderangebote, bedarfsgerechte Betreuung und gezielte Maßnahmen an besonders belasteten Schulstandorten.

„Es geht nicht um pauschale Bestrafung oder darum, Kinder für die Versäumnisse Erwachsener verantwortlich zu machen. Es geht darum, verbindliche Regeln zu schaffen, die Mitwirkung der Eltern einzufordern und sicherzustellen, dass jedes Kind die notwendigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schullaufbahn erhält. Auch andere Städte in Oberösterreich stehen vor erheblichen Herausforderungen bei der Deutschförderung. Die veröffentlichten Zahlen für das Schuljahr 2024/25 weisen jedoch für Wels einen höheren Anteil an Volksschulkindern mit Deutschförderbedarf aus als für Linz und Steyr. Dieser Vergleich ist ein klarer Anlass, die bestehenden Maßnahmen in Wels kritisch zu überprüfen und von anderen Städten zu lernen. Die Stadtpolitik muss untersuchen, welche Ansätze andernorts funktionieren, welche Maßnahmen sich übertragen lassen und wo Wels zusätzliche Anstrengungen unternehmen muss. Unternehmen brauchen qualifizierte Arbeitskräfte, junge Menschen brauchen faire Chancen auf eine gute Ausbildung und die Stadt braucht eine Generation, die den Anforderungen einer modernen Arbeitswelt gewachsen ist. Wenn Kinder schon am Beginn ihrer Ausbildung sprachlich zurückfallen, drohen langfristige Nachteile, für ihre persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten ebenso wie für den Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche Zukunft unserer Stadt“, sagt Edlbauer.