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WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer
© Hannes Buchinger

Bonus-Malus-System für ältere Arbeitnehmer geht an betrieblicher Realität vorbei

WKOÖ lehnt Ideen von AK und ÖGB klar ab.

Lesedauer: 1 Minute

Aktualisiert am 04.11.2026

Es ist eine Forderung, die immer wieder aufflammt und doch an Realität und Faktenlage vorbeigeht: Arbeiterkammer und ÖGB bringen erneut ein Bonus-Malus-System für ältere Arbeiternehmerinnen und Arbeitnehmer ins Spiel. Warum eine solche Forderung abzulehnen ist, zeigt ein Faktencheck zur Lage am Arbeitsmarkt: 

Die Beschäftigung Älterer steigt trotz Rezession, aber der frühe Pensionsantritt hemmt. 

Rund um die Beschäftigung Älterer werden emotionale Diskussionen geführt und viele Mythen verbreitet. Einerseits ist der Frust von Arbeitsuchenden verständlich. Andererseits sollte Politik nicht von Emotionen und Mythen, sondern von Fakten geleitet werden: Zunächst war die nationale Arbeitslosenrate Ende September 2026 7,1%, die der Gruppe 50+ betrug 7,3%. Vor vier Jahren zu Beginn der Rezession war der Abstand größer (5,7 bzw. 6,3%).  

Die Beschäftigung der Altersgruppe 55-64 Jahre steigt zwar, aber immer noch sind erst 60,9% der Gruppe erwerbstätig, im EU-Schnitt waren es im Vorjahr 66,4%. Der Grund dafür ist nicht die mangelnde Bereitschaft der Betriebe, sondern das nach wie vor sehr niedrige Pensionsantrittsalter in Österreich. Das faktische Pensionsantrittsalter beträgt 61,8 Jahre – genauso wie vor 50 Jahren. Es liegt deutlich unter den gesetzlichen 65 Jahren aufgrund vieler gesetzlicher Frühpensionen (Schwerarbeitspension ab 60 Jahre, Langzeitversichertenpension ab 62, Korridorpension, ab 63, Pension für Frauen aktuell mit 61,5, Invaliditätspension schon weit früher). 

Beschäftigung über 60 Jahre gering, weil die meisten in Pension sind! 

Bis zu diesen Grenzen ist die Beschäftigung hoch, darüber niedrig. So stehen 60% der 60 bis 64-Jährigen dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung, meist einfach, weil sie in Pension sind. Von denen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, sind 90% in Beschäftigung. Es gehen nur 11% aus Arbeitslosigkeit in Pension.

Das gilt auch für die Frauen, bei denen aufgrund des steigenden Pensionsalters die Beschäftigung weitaus stärker wächst als die Arbeitslosigkeit. Letztere steigt, weil bis 2024 praktisch alle Frauen mit 60 Jahren schon in Pension waren.