Die größten Irrtümer der Energiewende – ein Faktencheck
Energiepreise, Versorgungssicherheit und neue Technologien beschäftigen mittlerweile praktisch jeden Betrieb.
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Gleichzeitig kursieren rund um die Energieversorgung viele Meinungen und Aussagen, die nur teilweise stimmen. Nachstehend ein Faktencheck:
Irrtum 1: Eine Photovoltaikanlage löst jedes Energieproblem: Photovoltaik bietet Unternehmen große Chancen. Eigenerzeugter Strom kann den Netzbezug reduzieren und die Energiekosten langfristig stabilisieren. Eine PV-Anlage allein macht einen Betrieb jedoch noch nicht unabhängig. Die Sonne liefert Strom nicht immer dann, wenn er benötigt wird. Entscheidend ist daher das Zusammenspiel von Erzeugung, Verbrauch, Speichern und intelligenter Steuerung. Die zentrale Frage lautet nicht nur, wie viel Strom ich erzeugen kann, sondern auch wie kann ich ihn möglichst effizient nutzen.
Irrtum 2: Speicher machen Unternehmen energieautark: Batteriespeicher können überschüssigen Solarstrom aufnehmen, den Eigenverbrauch erhöhen und Lastspitzen reduzieren. Eine vollständige Energieautarkie ist jedoch technisch höchst anspruchsvoll und wirtschaftlich fast immer unrentabel. Speicher sind daher kein Ersatz für ein gesamtheitliches Energiesystem, sondern ein wichtiger Baustein darin. Effizienz, Eigenerzeugung und intelligentes Energiemanagement bleiben ebenso entscheidend.
Irrtum 3: Wasserstoff ersetzt einfach Erdgas: Wasserstoff wird häufig als direkter Ersatz für Erdgas bezeichnet. Das greift zu kurz. Wasserstoff kann eine wichtige Rolle spielen, allerdings nicht für jede Anwendung. Besonders interessant ist er dort, wo eine direkte Elektrifizierung technisch schwierig oder wirtschaftlich nicht sinnvoll ist, etwa bei bestimmten industriellen Hochtemperaturprozessen oder chemischen Anwendungen.
Auch als Energiespeicher kann Wasserstoff eingesetzt werden. Überschüssiger erneuerbarer Strom kann zur Wasserstoffproduktion genutzt und später wieder für die Stromerzeugung oder industrielle Prozesse eingesetzt werden. Durch die Umwandlung entstehen jedoch Energieverluste. Für kurzfristiges Speichern sind Batterien meist effizienter. Wasserstoff eignet sich für große Energiemengen und längere Speicherzeiten. Entscheidend ist daher der passende Einsatzbereich.
Irrtum 4: Energieeffizienz bedeutet weniger Leistung: Effizienz wird häufig mit Verzicht verbunden. In modernen Unternehmen bedeutet sie jedoch vor allem weniger Verluste, bessere Prozesse und geringere Kosten bei gleicher oder höherer Leistung. Gerade bei Druckluft, Motoren, Wärmeprozessen und Anlagensteuerung liegen oft erhebliche Potenziale.
Irrtum 5: Elektromobilität überfordert die Netze: Der Umstieg auf Elektromobilität verändert den Strombedarf. Unkoordiniertes Laden kann zu Lastspitzen führen. Mit intelligentem Laden, zeitlicher Steuerung und Lastmanagement lassen sich diese Herausforderungen jedoch reduzieren.
Infobox Energieerzeugung
Ein Jahr hat 8760 Stunden. Volllaststunden zeigen, wie viel Strom eine Anlage im Jahresverlauf tatsächlich erzeugt. Eine Anlage mit 1000 Volllaststunden produziert so viel Energie, wie sie bei voller Leistung in 1000 Stunden erzeugen würde, auch wenn sie tatsächlich viel länger, aber mit wechselnder Leistung, in Betrieb ist.
Für Österreich kann man als grobe Orientierungswerte mit folgenden jährlichen Volllaststunden rechnen:
- Photovoltaik ca. 900–1200 Stunden/Jahr
- Windkraft ca. 2000–2500 Stunden/Jahr
- Wasserkraft ca. 4000–5500 Stunden/Jahr
- Biomasse/Biogas ca. 6000–7000 Stunden/Jahr
- Erdgas variert stark 1000–4000 Stunden/Jahr
- Kernkraft ca. 7000–8000 Stunden/Jahr
1 Megawatt installierte Leistung erzeugt daher je nach Technologie unterschiedlich viel Strom:
- PV: 1000 MWh/Jahr
- Wind: 2500 MWh/Jahr
- Wasserkraft: 4000–5000 MWh/Jahr
- Biogas: 6000–7000 MWh/Jahr
Sukkus: Der Technologiemix muss ausgewogen sein.