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Digitale Tools am Bau scheitern selten an der Technik

Viel häufiger an der Unternehmenskultur hakt es, wenn neue digitale Tools in Bauunternehmen eingebettet werden, zeigt eine aktuelle Studie der ZAB.

Lesedauer: 3 Minuten

Aktualisiert am 23.09.2026

Als Best-Practice-Beispiel diente die Einführung einer Bauprojektmanagement-Software. Für die Studie führte 42consulting sechs Experteninterviews, von der IT-Entwicklung über das mittlere Management bis zur Geschäftsführung sowie Co-Creation-Workshops mit Soziologen durch. „Wir wollten wissen, warum digitale Tools am Bau oft schon an der Einführung scheitern, obwohl die Technik längst ausgereift ist“, sagt ZAB-Geschäftsführer Harald Kopececk. Die Antwort liege selten in der Software selbst, sondern in der Frage, wie ein Unternehmen mit Veränderung umgehe, so Kopececk. Als Geschäftsführer der BAUAkademie OÖ setzt er dabei besonders auf die Ausbildung. Digitale Kompetenz gehört heute so selbstverständlich in die Lehrwerkstatt wie in die Chefetage. Kleine und mittlere Betriebe brauchen dafür dringend praxisnahe Antworten.

Systembrüche & Schnittstellen – Kultur schlägt Technik

Der Hintergrund: Die Bauproduktivität hinkt im Vergleich zur übrigen Industrie seit Jahren hinterher, auch weil viele Projekte an Systembrüchen zwischen den beteiligten Betrieben scheitern. Digitale Tools werden dabei oft auf bestehende Abläufe aufgesetzt, statt die Prozesse dahinter neu zu denken. 

Kleine und mittlere Bauunternehmen treffen ihre Digitalisierungsentscheidungen meist mit wenigen Verantwortlichen, während die Umsetzung im Alltag alle betrifft, vom Polier auf der Baustelle bis zur Bauleitung im Büro. Genau an dieser Schnittstelle entscheidet sich laut Studie, ob eine digitale Lösung angenommen wird.

Für die Umsetzung nennt die Studie handfeste Hebel. Eine Prozessanalyse vor jeder Software-Einführung, den Wechsel von der Bring- zur Holschuld bei der Dateneingabe sowie feste Ansprechpersonen in den einzelnen Bereichen, über die das mittlere Management digitales Wissen im Betrieb verteilt. Entscheidender als diese strukturellen Fragen sind psychologische Faktoren. „Die Interviews haben gezeigt, dass Widerstand gegen neue Software nur selten reiner Technikskepsis entspringt“, erklärt Studien-Mitautorin Karina Breitwieser, 42consulting. Wer an der Entwicklung eines Tools mitwirken darf, verzeiht Fehler leichter und identifiziert sich stärker mit dem Ergebnis, so Breitwieser. Produktivitätsverluste in der Einführungsphase sind kein Anzeichen des Scheiterns, sondern Vorleistung, die Führungskräfte kommunizieren und einplanen müssen.

„Für unsere Betriebe ist das eine sehr praxisnahe Studie. Digitalisierung am Bau ist vor allem Führungsaufgabe und nicht bloß ein IT-Projekt“, sagt Baubundesinnungsmeister-Stv. Norbert Hartl. Das kennt er aus dem eigenen Betrieb. Ein Programm, das von oben verordnet wird, verstaubt in der Bauhütte genauso schnell wie ein ungelesenes Rundschreiben. Wer die Mitarbeiter von Anfang an einbindet, holt sie auch bei der Umsetzung ab.

Die vorliegende Untersuchung bildet die erste Phase einer laufenden Forschungskooperation der ZAB. Sie hat den Schwerpunkt bewusst auf die sozialen Aspekte der Digitalisierung gelegt, eine Vertiefung der Bereiche Struktur und Technologie ist für kommende Projektphasen vorgesehen.

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