Zum Inhalt springen
Energieforschung
© rh2010 | stock.adobe.com

Auswirkungen von Erneuerbaren auf Netzausbau und Netzkosten

Ein genauer Blick auf das Energiesystem zeigt ein differenzierteres Bild: Windkraft kann die Stromnetze entlasten, Versorgungssicherheit erhöhen und langfristig zu stabileren Strompreisen beitragen. 

Lesedauer: 3 Minuten

Einen Moment bitte. Ladevorgang läuft ...
0:00
Audio konnte nicht geladen werden. Erneut versuchen
0:00
0:00
Aktualisiert am 29.05.2026

Das bestehende Stromnetz wurde ursprünglich für wenige große Kraftwerke ausgelegt. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien verändert sich dieses System grundlegend. Strom wird zunehmend dezentral und wetterabhängig erzeugt. Dadurch steigen die Anforderungen an Netzsteuerung, Speicher und Flexibilität. Der notwendige Netzausbau betrifft daher nicht nur einzelne Technologien, sondern den strukturellen Umbau des gesamten Energiesystems.

Ein ausgewogener Ausbau von Windkraft und PV, ergänzt durch Speichertechnologien und einen modernen Netzausbau, trägt dazu bei, Strompreise langfristig zu stabilisieren, Energieimporte zu reduzieren und die Versorgungssicherheit in OÖ zu stärken.

Diese Entwicklungen betreffen nicht nur Windkraft, sondern den gesamten Umbau des Energiesystems, insbesondere durch die Dekarbonisierung der Industrie, E-Mobilität, Wärmepumpen sowie den steigenden Strombedarf insgesamt. 

Windkraft als Winter- und Systemergänzung

Gerade die Windenergie bringt einen zentralen Vorteil: Sie liefert besonders viel Strom in den Wintermonaten, also genau dann, wenn Strombedarf und industrielle Nachfrage am höchsten sind. Photovoltaik erzeugt ihre Spitzen vor allem im Sommer und rund um die Mittagsstunden. Windkraft produziert dagegen

  • stärker im Winter,  
  • auch in den Abend- und Nachtstunden sowie 
  • gleichmäßiger übers Jahr. 
e
© APG/WKOÖ Die Grafik zeigt: PV-Strom im Sommer, Windenergie vermehrt im Winter.

Wichtig ist auch der zeitliche und saisonale Ausgleichseffekt zwischen Wind- und Solarenergie. Während PV im Sommerhalbjahr rund 74 Prozent ihres Jahresertrags erzeugt, liefert Windkraft im Winterhalbjahr 58 Prozent ihrer Produktion. Diese Komplementarität stabilisiert das Energiesystem, entlastet die Netze in kritischen Phasen und reduziert die Notwendigkeit für teure Spitzenlastkraftwerke oder Stromimporte.

Effizienz im Netz: Volllaststunden und Auslastung

Ein wesentlicher Faktor für die Netzkosten ist die Auslastung der Netzanschlüsse. Windkraftanlagen erreichen in Österreich häufig mehr als 2000 Volllaststunden pro Jahr, PV typischerweise rund 1000 Stunden. Das bedeutet: Über dieselbe Netzkapazität kann bei Windkraft deutlich mehr Energie transportiert werden. Dadurch sinken die spezifischen Netzkosten je erzeugter Kilowattstunde.

Netzausbau betrifft das gesamte Energiesystem

Der notwendige Ausbau der Stromnetze wird oft ausschließlich mit erneuerbaren Energien verbunden. Tatsächlich entsteht ein großer Teil des zusätzlichen Strombedarfs durch die zunehmende Elektrifizierung vieler privater und wirtschaftlicher Prozesse. Auch ohne zusätzlichen Ausbau von Wind- und PV-Anlagen wären daher erhebliche Investitionen in die Netzinfrastruktur erforderlich.

Regionale Erzeugung stärkt das System

Zusätzlich stärkt regionale Windstromerzeugung die Versorgungssicherheit. Jede in OÖ erzeugte Kilowattstunde reduziert Stromimporte und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Das erhöht die Preisstabilität und entlastet überregionale Netze.

Fazit: Netzausbau als strategische Investition

Ein ausgewogener Ausbau von Windkraft und PV, ergänzt durch Speichertechnologien und einen modernen Netzausbau, ist daher nicht nur technisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch unabdingbar. Er trägt dazu bei, Strompreise langfristig zu stabilisieren, Energieimporte zu reduzieren und die Versorgungssicherheit in OÖ zu stärken. Der Netzausbau ist somit kein notwendiges Übel, sondern eine strategische Investition in eine resilientere und kosteneffizientere Energiezukunft.