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Von im internationalen Vergleich hohen Löhnen kommt aufgrund der hohen Abgaben zu wenig bei den Mitarbeitern an.
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Oberösterreichs Industrie leidet nach wie vor unter Kostendruck

„Oberösterreichs Industrie blickt zwar wieder etwas optimistischer in die Zukunft, leidet aber unter den enormen Kosten“, sagt Spartenobmann Erich Frommwald.

Lesedauer: 5 Minuten

Aktualisiert am 21.10.2026

„Die oberösterreichische Industrie ist das Herzstück des Wohlstands in unserem Land. Rund 121.000 Menschen finden in unseren Industriebetrieben einen attraktiven Arbeitsplatz. Ein Drittel aller Industrielehrlinge Österreichs werden bei uns in Oberösterreich ausgebildet. Mit rund 52 Milliarden Euro setzt Oberösterreichs Industrie 25 Prozent der nationalen Industrieproduktion ab. Rund zwei Drittel des Umsatzes erzielt sie im Ausland“, zeigt Frommwald die Bedeutung der oö. Industrie für Österreich auf. „Die internationale Wettbewerbsfähigkeit ist damit nicht nur ein zentrales Erfolgskriterium für Industrie und Wirtschaft in unserem Bundesland, sondern letztlich ein zentraler Wohlstandsfaktor für unsere gesamte Gesellschaft“, ist Frommwald überzeugt.

Umfrage zeigt ernüchternde Diagnose

Die Sparte Industrie der WKOÖ führt jedes Jahr eine große Meinungsumfrage unter ihren Mitgliedsbetrieben durch. Diese zeichnet ein evidentes Bild, wie es Oberösterreichs Industrie geht, was sie bewegt und was sie benötigt bzw. fordert, um erfolgreich zu sein. Nun liegt die jüngste Studie vor. „Die Diagnose ist ernüchternd. Oberösterreichs Industrie befindet sich weiterhin in einer sehr schwierigen Phase. Globale politische und technologische Entwicklungen stellen das Rückgrat der oberösterreichischen Wirtschaft auf die Probe“, warnt der Spartenobmann.

Grundstimmung hat sich etwas verbessert

Rund zwei Fünftel der Unternehmer in den oberösterreichischen Industriebetrieben blicken eher mit Zuversicht auf die kommenden zwölf Monate (43 Prozent), rund ein weiteres Drittel mit Skepsis (33 Prozent) und rund ein weiteres Viertel mit Sorge (23 Prozent). Blicken die Unternehmer und Unternehmerinnen auf die kommenden zwei bis fünf Jahre, so werden sie deutlich skeptischer. „Knapp ein Viertel ist sich sicher, dass sich der Wirtschaftsstandort Oberösterreich in den letzten drei bis vier Jahren in die richtige Richtung entwickelt hat, zwei Drittel sind allerdings gegenteiliger Meinung“, streicht Paul Eiselsberg, Senior Research Director von IMAS International und Verfas-ser der Studie, ein wichtiges Studienergebnis hervor.

Kostendruck und Rohstoffpreise belasten

Die hohen Kosten, der Kostendruck und die Rohstoffpreise (48 Prozent) werden spontan am häufigsten als Thema und Herausforderung für den Industriestandort Oberösterreich bis 2030 genannt. Danach folgt der Arbeitsmarkt (29 Prozent). Jeweils rund neun von zehn Unternehmern der oö. Industriebetriebe geben an: der Anteil der Älteren in der Gesellschaft und die Rohstoffpreise werden in den nächsten vier bis sechs Jahren zunehmen (je 89 Prozent). Die Rohstoffpreise, die Energiekosten und die Bürokratie (je 83 Prozent) sowie der Bedarf an Fachkräften (77 Prozent) und die Steuerquote (68 Prozent) werden das Geschäftsmodell der oö. Industriebetriebe in den kommenden vier bis sechs Jahren verändern.

Energiepreise bleiben zentrale Belastung 

Die Strompreise haben sich in den vergangenen Monaten wieder deutlich erhöht und liegen klar über dem Vorjahresniveau. Besonders herausfordernd ist dabei weiterhin die Trennung der Strompreiszonen zwischen Österreich und Deutschland, die für heimische Unternehmen erhebliche Mehrkosten verursacht und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts schwächt. Allein dadurch entsteht für die österreichische Industrie ein spürbarer Kostennachteil im internationalen Wettbe-werb. Auch bei Erdgas zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Preise haben sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt und erhöhen den Druck auf energieintensive Betriebe zusätzlich. Gleichzeitig bleibt die Versorgungssicherheit ein zentrales Thema. Zwar verfügen Österreich und Europa weiterhin über ausreichend gefüllte Speicher, die Entwicklung der vergangenen Monate unterstreicht jedoch die hohe Sensibilität der Energiemärkte und die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingun-gen für Unternehmen. „Um den Industriestandort langfristig abzusichern, braucht es daher wett-bewerbsfähige Energiepreise, einen ausgewogenen Ausbau erneuerbarer Energien sowie zusätzliche Instrumente zur Stabilisierung der Energiekosten. Dazu zählen insbesondere langfristige Stromlieferverträge (Power Purchase Agreements), die Unternehmen mehr Planungs- und Preissi-cherheit ermöglichen. Entscheidend ist, Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Energiewende gleichermaßen voranzutreiben, damit die heimische Industrie auch künftig erfolgreich produzieren und investieren kann”, sagt Frommwald.

Forschungsprämie ist wesentlicher Standortfaktor

Die Forschungsprämie ist eines der wichtigsten Instrumente zur Stärkung von Forschung und experimenteller Entwicklung in Österreich. Mit 14 Prozent der begünstigten Forschungsaufwendungen schafft sie einen kalkulierbaren Anreiz für Investitionen in neue Technologien, Verfahren und Produkte, auch für Unternehmen ohne steuerpflichtigen Gewinn. „Gerade für den forschungsintensiven Industriestandort Oberösterreich ist diese verlässliche, branchen- und technologieoffene Förderung ein wesentlicher Faktor im internationalen Standortwettbewerb. Die jüngsten Änderungen der Forschungsprämienverordnung haben gezeigt, wie rasch unklare Vorgaben Investitionsentscheidun-gen verunsichern können. Die im April 2026 erfolgte Rücknahme der Regelung zur ,marktnahen Forschung‘ war daher ein wichtiger Schritt. Für die Zukunft braucht es vor allem stabile Rahmen-bedingungen sowie einen abgestimmten, transparenten und zügigen Vollzug durch Finanzverwal-tung und FFG. Eine Einschränkung der Forschungsprämie auf einzelne Branchen oder Technologien oder zusätzliche administrative Hürden würden den Forschungsstandort schwächen, anstatt ihn weiterzuentwickeln“, ist Frommwald überzeugt.

Entbürokratisierung durch Reduktion der Berichtspflichten

„Nordrhein-Westfalen plant einen weitreichenden Bürokratieabbau durch eine grundsätzliche Aussetzung aller landesrechtlichen Berichts- und Dokumentationspflichten für die Wirtschaft“, nennt der Spartenobmann ein Vorbild für Österreich. Der Gesetzentwurf der dortigen Landesregie-rung sieht folgendes vor:

  • Ab 1.1.2027: Pauschale Aussetzung der betroffenen Berichtspflichten.
  • Ab 1.1.2028: Endgültige Aufhebung dieser Pflichten.
  • Beweislastumkehr: Ministerien müssen begründen, welche Pflichten aus zwingenden Grün-den weiterhin erforderlich sind.
  • Ausnahmeregelung: Notwendige Pflichten, etwa zur Umsetzung von EU-Recht oder zum Schutz öffentlicher Interessen, bleiben durch ausdrückliche Aufnahme in eine Verordnung bestehen.

„Auch Österreich könnte ein vergleichbares Berichtspflichten-Moratorium mit Beweislastumkehr einführen. Anstatt jede einzelne Verpflichtung mühsam abzuschaffen, könnte ein Bundesgesetz grundsätzlich alle nationalen, bundesrechtlich angeordneten Berichts- und Dokumentationspflichten der Wirtschaft zur Überprüfung stellen. Jedes Ministerium müsste innerhalb einer festgelegten Frist nachweisen, welche Verpflichtungen aus rechtlichen oder überwiegenden öffentlichen Interessen weiterhin notwendig sind. Für landesrechtliche Pflichten wären entsprechende Regelungen der Bundesländer erforderlich. EU-rechtlich zwingende sowie verfassungsrechtlich gebotene Verpflich-tungen müssten unangetastet bleiben. Ein solcher Ansatz würde weniger Verwaltungsaufwand und geringere Bürokratiekosten für die Wirtschaft bedeuten sowie die Freisetzung personeller Ressourcen für produktive Tätigkeiten, bei den Unternehmen und in der öffentlichen Verwaltung. Mehrfache und überschneidende Meldepflichten könnten damit beseitigt werden und es gäbe zudem mehr Transparenz über die tatsächliche Notwendigkeit von Berichtspflichten. Nicht mehr Wirtschaft und Industrie müssen begründen, warum eine Berichtspflicht abgeschafft werden soll. Vielmehr muss der Staat begründen, warum sie weiterhin erforderlich ist“, erklärt Frommwald.