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Krankenstand
© Gina Sanders | stock.adobe.com

Krankenstand: Die Fakten sprechen eine andere Sprache

Weder Präsentismus noch Missbrauch sind im Sinn der Beteiligten

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Aktualisiert am 17.07.2026

Die seitens der Arbeiterkammer Oberösterreich präsentierten Zahlen über Beschäftigte, die trotz Krankheit arbeiten gehen, müssen differenziert betrachtet werden.

Wer krank UND arbeitsunfähig ist, soll sich auskurieren und zu Hause bleiben. Doch jede ungerechtfertigte Inanspruchnahme eines Krankenstandes belastet die Unternehmen mit hohen Kosten. Im letzten Jahr mussten die österreichischen Unternehmen in 5,9 Millionen Krankenstandsfällen – daraus resultieren in Summe 54 Millionen Krankenstandstage - Entgeltfortzahlungskosten in Höhe von 4,8 Milliarden stemmen.

„Eine Erhebung der Wirtschaftskammer zeigt, dass heimische Betriebe im europaweiten Vergleich die höchsten und längsten Entgeltfortzahlungspflichten zu leisten haben, was den Faktor Arbeit faktisch verteuert und die internationale Wettbewerbsfähigkeit schwächt. Somit liegt es im Interesse aller Beteiligten, Lösungen zu finden, die sowohl eine soziale Absicherung aber auch eine Erhaltung von Arbeitsplätzen sicherstellen“, betont WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer. 

Im Zusammenhang mit dem seitens der Arbeiterkammer kritisierten, „Präsentismus“ ist festzuhalten, dass auch Unternehmen kein Interesse daran haben, dass kranke Mitarbeiter zur Arbeit kommen. Im Gegenteil: Gesunde, motivierte und leistungsfähige Mitarbeiter sind die wichtigste Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Deshalb investieren viele Betriebe seit Jahren massiv in betriebliche Gesundheitsförderung, Prävention, gute und sichere Arbeitsbedingungen.

Missbrauch belastet Kollegen und darf kein Tabuthema sein

Ebenso wenig zielführend ist es jedoch, jede Diskussion über Krankenstandsmissbrauch als unbegründeten Generalverdacht abzutun. Eine aktuelle Market-Befragung der Wirtschaftskammer zeigt ein bemerkenswertes Bild: Während 93 Prozent der Arbeitnehmer angeben, selbst niemals unberechtigt im Krankenstand zu sein, glauben gleichzeitig 38 Prozent, dass Kollegen sehr wohl Krankenstände missbräuchlich nutzen. Damit sehen Arbeitnehmer selbst das Problem kritischer als die Arbeitgeber, von denen lediglich jeder Fünfte Missbrauch im eigenen Betrieb vermutet. Dieser unmissverständliche Eindruck der Arbeitnehmer unterstreicht einmal mehr die dringende Notwendigkeit, dass das im Regierungsprogramm vorgesehene Kontrollorgan gegen Krankenstandsmissbrauch rasch, wirksam und praxisnah umgesetzt werden muss. 

Denn diese Ergebnisse zeigen: Missbrauch ist kein Vorurteil der Unternehmen, sondern wird auch von vielen Arbeitnehmern wahrgenommen. Deshalb braucht es eine sachliche Diskussion statt ideologischer Grabenkämpfe. Wer tatsächlich krank ist, hat nichts zu befürchten und braucht bestmögliche Unterstützung im Genesungsprozess. Wer jedoch das System bewusst ausnutzt, schadet nicht nur den Betrieben, sondern auch seinen Kolleginnen und Kollegen, die Ausfälle kompensieren müssen.

Gemeinsame Verantwortung 

„Arbeitgeber und Arbeitnehmer verfolgen letztlich dasselbe Ziel: möglichst viele gesunde Menschen in Beschäftigung. Dieses Ziel erreichen wir nur gemeinsam. Pauschale Schuldzuweisungen gegenüber den Unternehmen helfen dabei genauso wenig wie Generalverdächtigungen gegenüber Arbeitnehmern“, betont Doris Hummer abschließend.