Wirtschaftsparlament bringt gemeinsame Reformagenda auf den Weg
Fraktionen bekennen sich zu starker, schlagkräftiger Interessenvertretung – Kammerumlagen werden weiter gesenkt
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Unter der Leitung von WKOÖ-Vizepräsident Clemens Malina-Altzinger hat eine Taskforce in den vergangenen Monaten Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung der Wirtschaftskammerorganisation erarbeitet. Das Ergebnis der Taskforce, in der alle oberösterreichischen Wählergruppen mitgearbeitet haben, wurde in der heutigen Sitzung des Wirtschaftsparlaments von Wirtschaftsbund, sozialdemokratischer Wirtschaftsverband, UNOS, Liste Industrie, WIR und Grüne Wirtschaft als Reformkonzept beschlossen. Dieses legt gemeinsame Handlungsempfehlungen fest, die darauf abzielen, den Wert der Wirtschaftskammer für ihre Mitglieder sichtbar zu machen, ihre Produktivität zu steigern, die Finanzierung gerecht zu gestalten und die Transparenz sowie die Wahlbeteiligung zu erhöhen.
Kammerumlage 2 sinkt bis 2029 um 20 Prozent
Leitlinien sind einerseits Ausbau und Optimierung der Leistungen und andererseits eine Senkung der Kammerumlagen für die Mitglieder. Zentrale Maßnahme ist eine Service-, Beratungs- und Ausbildungsoffensive mit Schwerpunkt auf kleine und mittlere Unternehmen, Handwerk und regionale Wirtschaft. Geplant ist zudem eine neue Form der Leistungsbilanz, um Kosten und Nutzen für die Mitglieder künftig transparent darzustellen. Unter anderem mit dem Ausbau von KI-Services soll die Produktivität weiter gesteigert werden, um Entlastungsschritte für die Unternehmen zu setzen: Bis 2029 wird die Kammerumlage 2, mit der Arbeitgeberbetriebe die Wirtschaftskammer finanzieren, weiter gesenkt.
Schulterschluss für den oberösterreichischen Weg"Die Wirtschaftskammer Oberösterreich ist seit Jahren Vorreiter unter den Landeskammern und übernimmt mit dem österreichweit niedrigsten Beitragssatz die Rolle des Kostenführers. Seit 2015 wurden die Mitgliedsbeiträge bereits zweimal gesenkt. Die WKOÖ setzt diesen Kurs mit dem Ziel fort, auch künftig den Ländervergleich bei der Kammerumlage 2 anzuführen. Bis 2029 soll sie von derzeit 0,19 auf 0,16 Prozent sinken. Mit der bereits 2025 erfolgten Senkung bedeutet das minus 20 Prozent. Damit leistet Oberösterreich seinen Beitrag zum Erreichen des bundesweiten Entlastungsziels von 100 Mio. Euro."

Doris Hummer
Präsidentin WKOÖ und Obfrau Wirtschaftsbund OÖ
"Die Industrieliste bekennt sich zu einer starken, modernen und schlagkräftigen Interessenvertretung der Wirtschaft. Es braucht dazu eine Wirtschaftskammer mit effizienten Strukturen und klaren Verantwortlichkeiten. Eine Organisation, die schlank aufgestellt ist und Ihre Ressourcen konsequent auf die Aufgaben im Interesse der Wirtschaft konzentriert. Gleichzeitig braucht es gezielte Entlastungen bei den Kammerbeiträgen für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe. Die Ergebnisse der Task-Force zeigen einen ersten Schritt in die richtige Richtung, wobei OÖ bereits in der Vergangenheit in einigen Themen Vorreiter gewesen ist.“

Erich Frommwald
Liste OÖ Industrie
„Sechs Fraktionen tragen heute einen gemeinsamen Reformantrag für unsere oberösterreichische Wirtschaftskammer. Die gemeinsame Arbeit in der Taskforce war offen, sachlich und konstruktiv. Somit ist ein guter erster Schritt gesetzt. Damit die Reform auf allen Ebenen bei den Betrieben spürbar wird, muss es zu einer raschen Umsetzung und vielen weiteren Reformschritten kommen. Die Wahlbeteiligung bei der nächsten WK-Wahl 2030 wird die Stunde der Wahrheit.“

Manfred Zaunbauer
SWV
„Das Ergebnis der intensiven Arbeit der Taskforce ,Wirtschaftskammerreform‘ ist ein respektabler Reformkatalog. Dieser muss nun konsequent umgesetzt werden, um das Vertrauen der Mitgliedsbetriebe zurückzugewinnen. Dennoch, trotz angemessener Würdigung des gemeinsam Erreichten, der Widerstand für echte Strukturreformen und weitreichende Beitragssenkungen ist unverändert hoch. Für eine moderne Interessenvertretung des 21. Jahrhunderts ist das unverzichtbar – dafür werden wir uns weiterhin mit voller Kraft einsetzen.“

Bernhard Seeber
Grüne Wirtschaft
„Es ist positiv, dass die Reformgruppe erste Schritte in Richtung Entlastung und effizienterer Strukturen gesetzt hat. Aus Sicht von UNOS bleibt das Ergebnis jedoch klar hinter dem Notwendigen zurück. Was vorliegt, sind erste Ansätze – aber keine echten Reformen. Wir erwarten uns einen konsequenteren Abbau von Doppelgleisigkeiten, spürbarere Einsparungen und insgesamt einen deutlich ambitionierteren Zugang im Sinne der Unternehmerinnen und Unternehmer.“

Michael Guger
UNOS
„Die beschlossenen Reformschritte sind ein klares Signal für mehr Unternehmernähe in der Wirtschaftskammer. Familiengeführte Klein- und Mittelbetriebe sowie Traditionsunternehmen benötigen spürbare Entlastung, weniger Bürokratie und eine schlankere Kammer mit modernen Strukturen. Besonders wichtig sind dabei mehr Transparenz, gelebte Pluralität und eine offene Interessenvertretung. Zusätzliche Serviceangebote – etwa Unterstützung bei behördlichen Herausforderungen oder KI-gestützte Informationsservices auch außerhalb der Öffnungszeiten – sollen Betriebe künftig noch besser entlasten.“

Thomas Mayr-Stockinger
WIR