Strahlkraft Londons ungebrochen
Auch Jahre nach dem Brexit spielt die englische Hauptstadt ganz vorne in der Liga der Finanzmetropolen.
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Vor gut 10 Jahren haben die Briten für den Austritt der EU gestimmt, 2020 schließlich die Union verlassen. Wie sich die Hauptstadt London als Finanzplatz seither entwickelt und welche Trends das Finanz-Ökosystem prägen, hat das Präsidium der Sparte Bank und Versicherungen vor Ort erkundet. Dabei wurde deutlich: Das berühmte Finanzviertel hat nichts von seiner Strahlkraft eingebüßt. Im Gegenteil: London ist nach New York das weltweit bedeutendste Finanzzentrum.
Aufstieg der FinTechs
Das zeigten die Gespräche mit Vertretern des Informationsdienstleisters Bloomberg, der größten deutschen Regionalbank Landesbank Baden-Württemberg und des Interessenverbandes TheCityUK. Tenor: Wohl habe der Brexit dem Land geschadet und auch der Finanzsektor wurde durch die Verlagerung einzelner Aktivititäten in die EU gestreift. Doch als Standort für Finanz- und Versicherungsdienstleistungen bleibt London unverzichtbar. Das bestätigte auch Susanne Chishti, gebürtige Österreicherin, Investorin und Gründerin eines weltweiten Netzwerks für FinTech-Unternehmen. Der 2014 begonnene Aufstieg der sogenannten Fin- und InsurTechs, die den etablierten Instituten mit digitalen Angeboten und Lösungen entgegentreten, schreitet voran. Drei dieser alternativen Anbieter haben im Vereinigten Königreich mittlerweile eine Banklizenz erhalten. Sie reüssieren unter anderem durch ihre Kostenstruktur. Aus Sicht der heimischen Banken fehlt im Wettbewerb mit diesen neuen Anbietern jedoch die Chancengleichheit. „Wir werden von Aufsicht und Regulierung, beispielsweise bei Geldwäscheprävention oder bei der Transparenz von Gebühren, strenger behandelt“, erklärt Michaela Keplinger-Mitterlehner, Spartenobfrau und Generaldirektor-Stellvertreterin der Raiffeisenlandesbank OÖ.
Verantwortung beim Kunden
Positiv sei, dass FinTechs auch etablierte Banken zu mehr Innovation und Digitalisierung zwingen. Im Umgang mit den neuen Konkurrenten gibt es vor allem zwei Stoßrichtungen: in Teilbereichen Partnerschaften mit ihnen eingehen - etwa bei Kryptowährungen - oder auch, sich an den Unternehmen zu beteiligen. Für die Versicherungen stellte Kathrin Kühtreiber-Leitner, Spartenobfrau-Stellvertreterin und Vorstandsdirektorin der OÖ Versicherung, einen völlig anderen Betreuungsansatz fest: Die heimischen Versicherungen würden ihre Kunden mehr an der Hand nehmen, während die neuen Wettbewerber ihnen mehr Eigenverantwortung abverlangen.
Kein Exit vom Brexit
Und wie bewerten die Brancheninsider vor Ort das durch den neuen britischen Premier Andy Burnham eingeleitete politische Tauwetter mit der EU? Nüchtern. Weitreichende Änderungen werden nicht erwartet, aber eine Annäherung zum Beispiel über Visa, Arbeitserleichterungen und Studierendenaustausch wird für möglich gehalten. Jede Verbesserung wird hier von den heimischen Banken begrüßt. „Wir müssen Barrieren abbauen, müssen als EU wieder in Vereinbarungen kommen mit dem Vereinigten Königreich“, betont Martin Seiter, Spartenobfrau-Stellvertreter und und designierter Generaldirektor der Oberbank.