Windkraft – die größten Irrtümer der Energiewende
Im 2. Teil von „Energie erklärt – die größten Irrtümer der Energiewende“ geht es um Windkraft.
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Bei der Windkraft gibt es zahlreiche Vorurteile und zurechtgebogene Fakten. Im Folgenden geht es schwerpunktmäßig um die Frage, welchen Beitrag die Windkraft im Energiesystem leisten kann. Nachstehend ein Faktencheck.
Irrtum 6: Erneuerbare Energien liefern keinen verlässlichen Strom: Wind und Sonne sind abhängig von Wetter und Tageszeit. Daraus folgt aber nicht, dass erneuerbare Energien keine stabile Stromversorgung ermöglichen können. Entscheidend ist das Zusammenspiel verschiedener Technologien. PV liefert vor allem tagsüber und im Sommer Strom, Windkraft ergänzt sie häufig nachts und in den windreicheren Monaten. Wasserkraft, Speicher, leistungsfähige Netze und flexible Verbraucher gleichen weitere Schwankungen aus. Auch Gaskraftwerke werden bei Strommangellagen und zur Netzstabilisierung gebraucht. Die Herausforderung liegt also nicht darin, dass jede Energiequelle jederzeit Strom liefern muss, sondern in der Kombination der verschiedenen Bausteine.
Irrtum 7: Windkraft funktioniert in OÖ nicht: Moderne Windenergieanlagen können auch in Binnenregionen wirtschaftlich Strom erzeugen. Entscheidend sind geeignete Standorte, moderne Anlagentechnik, ausreichende Windverhältnisse und die notwendige Netzinfrastruktur. Die technische Entwicklung hat hier viel verändert. Moderne Anlagen sind höher und leistungsfähiger als frühere Generationen und können dadurch an Standorten mit geringeren Windgeschwindigkeiten genutzt werden. Die Volllaststunden zeigen den Unterschied. Während PV-Anlagen in Österreich grob 900 bis 1200 Volllaststunden erreichen, sind es bei Windkraft 2000 bis 2500. Windkraft ersetzt daher nicht andere erneuerbare Energiequellen, sondern ergänzt sie.
Irrtum 8: Windkraftanlagen sind die Hauptursache für Vogelschlag: Vögel können mit Rotorblättern kollidieren. Deshalb müssen Windkraftstandorte sorgfältig geprüft werden, insbesondere hinsichtlich Brutgebieten, Zugrouten und sensibler Lebensräume. Für Deutschland schätzt der Naturschutzbund Deutschland NABU rund 100.000 tote Vögel pro Jahr. Bei rund 28.700 Windkraftanlagen an Land entspricht das rechnerisch etwa vier Vögeln pro Anlage und Jahr. Zum Vergleich: Bis zu 115 Mio. Vögel sterben jährlich durch Kollisionen mit Glasscheiben und Glasfassaden, bis zu 70 Mio. im Straßen- und Bahnverkehr und bis zu 60 Mio. durch frei laufende Hauskatzen.
Vogelverluste durch menschliche Einflüsse in Deutschland
- ca. 100.000 Vögel/Jahr durch Windkraft in Deutschland
- bis zu 60 Mio. Vögel/Jahr durch Hauskatzen
- bis zu 70 Mio. Vögel/Jahr durch Straßen- und Bahnverkehr
- bis zu 115 Mio. Vögel/Jahr durch Glasfassaden und Glasscheiben
Für Österreich liegen keine vergleichbaren Erhebungen vor. Die Größenordnung der unterschiedlichen Gefahrenquellen dürfte jedoch ähnlich gelagert sein. Die Auswirkungen der Windkraft sind daher im Verhältnis zu anderen menschenverursachten Gefahren einzuordnen. Umweltprüfungen, geeignete Standorte und Schutzmaßnahmen je nach Situation können das Risiko weiter reduzieren.
Irrtum 9: Windenergie verursacht eine enorme Bodenversiegelung: Bei Windkraft muss zwischen der Gesamtfläche eines Windparks und der tatsächlich dauerhaft versiegelten Fläche unterschieden werden. Dauerhaft beansprucht werden vor allem Flächen für Fundamente, Zufahrten und technische Infrastruktur. Dies sind vergleichsweise kleine Flächen. Große Bereiche rund um die Anlagen können weiterhin land- oder forstwirtschaftlich genutzt werden.
Irrtum 10: Es gibt keinen Platz für weitere Windkraftanlagen: Ob Windkraft ausgebaut werden kann, hängt nicht allein von der verfügbaren Fläche ab. Relevant sind Raumplanung, Umweltanforderungen, Netzanbindung, technische Möglichkeiten und gesellschaftliche Akzeptanz. Geeignete Standorte müssen daher anhand dieser Kriterien geprüft werden.
Fazit: Die Stromversorgung der Zukunft wird nicht von einer einzigen Technologie getragen. Photovoltaik, Windkraft, Wasserkraft, Speicher, Netze und flexible Verbraucher müssen zusammenspielen. Für Unternehmen bedeutet das: Nicht die Frage nach der „besten“ Einzeltechnologie ist entscheidend, sondern ein Energiesystem, das zuverlässig, wirtschaftlich und langfristig tragfähig ist.