Das war der Steirische Bautag 2026
Der Steirische Bautag 2026 auf Schloss Seggau bot ein dichtes Programm für die rund 180 angemeldeten Gäste: Neben der Präsentation aktueller Umfragedaten ging auch die Fachgruppentagung samt hochkarätiger Podiumsdiskussion über die Bühne.
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Die aktuellen Rahmenbedingungen für die Bauwirtschaft sind wenig erfreulich – und die kommenden Monate dürften auch nichts daran ändern. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Instituts für Wirtschafts- und Standortentwicklung (IWS) im Auftrag der Landesinnung Bau hervor, in der die Stimmungen und Trends in der steirischen Baubranche abgefragt wurden, und zwar innerhalb der Unternehmen, aber auch in der Bevölkerung. Vor allem der Blick auf die aktuelle Auftragslage und die Auftragslage in 6 Monaten bieten Anlass zur Sorge. Nach Schulnoten bewertet, schätzen 39 % der befragten Unternehmen die Auftragslage in 6 Monaten mit „genügend“ bis „nicht genügend“ ein. Lediglich 6 % beurteilen sie mit „sehr gut“. Zum Vergleich: Für die aktuelle Auftragslage (Mai 2026) vergeben noch 15 % ein „Sehr gut“.
Wohin die Trends im Haus- und Wohnungsbau gehen, darüber herrscht aktuell Unklarheit: 36 % der befragten Betriebe geben an, das zurzeit nicht beurteilen zu können, auch weil es seitens der Auftraggeber große Unsicherheit gibt. In der Bevölkerung liegen die Präferenzen hinsichtlich der bevorzugten Wohnform ganz klar beim Einfamilienhaus (48,5 %), ebenso stark nachgefragt sind Eigentumswohnungen. Als größte Herausforderung im Haus- und Wohnungsbau gelten seitens der Betriebe nach wie vor das generell hohe Kostenniveau, sowohl bei der Herstellung (74 %) als auch bei den Grundstückskosten (61 %). Auch die Dauer bei den behördlichen Genehmigungsverfahren stellt aus Sicht der Branche ein Problem dar (60 %), ebenso wie die Zinsen und Finanzierungskosten (53 %). In der Bevölkerung nennen 72,6 % die Finanzierung des Eigenheims als größte Hürde, gefolgt von der Höhe der Mietpreise (57,5 %).
Ein großer Bremsklotz ist auch der Aufwand der Unternehmen im Rahmen von behördlichen Genehmigungsverfahren. Vor allem Bebauungsplanverfahren und Verfahren rund um den Flächenwidmungsplan stellen die Geduld der Unternehmen regelmäßig auf die Probe. Immerhin: Bezüglich der Erreichbarkeit und der Höflichkeit der Beamtinnen und Beamten zeigen sich weit mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen zufrieden bis sehr zufrieden.
"Es braucht Anreize" Bei der anschließenden Podiumsdiskussion wurde die brisante Lage am Bau noch einmal erörtert, und zwar mit Landesrätin Simone Schmiedtbauer, Raiffeisen-Generaldirektor Martin Schaller, Vorstandsdirektor Wolfram Sacherer sowie Landesinnungsmeister Michael Stvarnik. Seitens der Baubranche wünscht sich Michael Stvarnik eine strikte Zweckbindung der Wohnbaufördermittel, eine spürbare Anhebung der Fördersätze bei Neubau, umfassender Sanierung und Assanierung sowie eine Attraktivierung der Assanierung seitens des Landes. „Die Lage ist sehr angespannt und sie hat sich nach dem Beginn des Iran-Kriegs noch einmal drastisch verschlechtert. Viele Betriebe leben buchstäblich von der Hand in den Mund. Wir brauchen dringend Planungssicherheit.“
Simone Schmiedtbauer betonte, dass sie „um jeden Euro Budget für die Bauwirtschaft“ kämpfe und mit vollem Einsatz dahinterstehe. Allerdings seien auch die Förderungen irgendwann einmal ausgeschöpft und das Land könne nicht unbegrenzt einspringen. Aber: „Es ist allen klar, dass Anreize gesetzt werden müssen.“ Martin Schaller betonte, dass das aktuelle Zinsniveau im historischen Vergleich durchaus üblich und auch bewältigbar war: Wichtig seien jedoch Verlässlichkeit und die Berechenbarkeit. Was nach wie vor Probleme bereitet, ist die „Schatten-KIM“: Denn trotz Abschaffung der KIM-Verordnung unterliegen die Banken nach wie vor strengen Vorgaben seitens der Aufsichtsbehörden. Wolfram Sacherer sieht angesichts der vielen Altgebäude viel Potenzial in der Dekarbonisierung, wofür es allerdings eine Sonderförderung brauchen würde. Insgesamt wünscht er sich „eine starke Politik, sichere Finanzierungen und Stabilität“.
Bauwirtschaft zwischen globalen Risiken und digitalen Chancen Einen profunden Einblick in aktuelle und zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen und ihre regionalen Folgen gab es von Economica-Geschäftsführer Christoph M. Schneider. Vor dem Hintergrund einer steigenden Anzahl bewaffneter Konflikte, steigender Militärausgaben und einer zunehmenden Autokratisierung rücken wirtschaftliche Risiken wieder massiv in den globalen Fokus. Die Bauwirtschaft schwächelt weltweit, insbesondere Chinas Einbruch verschärft den internationalen Wettbewerb um Großprojekte. Österreich hinkt als Nachzügler hinterher: Einem akuten Nachfragemangel steht eine sinkende Erwerbsbevölkerung und eine stagnierende Produktivität bei stark steigenden Lohnstückkosten gegenüber. Zudem drosselt die Bürokratie die Investitionen.
Aber es gibt auch positive Aspekte: Trotz Krisen zeigt sich die Weltwirtschaft erstaunlich widerstandsfähig. Über 86 % der globalen Wertschöpfung verzeichnen ein Wachstum, und das weltweite Durchschnittswachstum liegt bei über 3 %. Zudem ist enormes Vermögen vorhanden: Die Österreicher sparen in Krisenzeiten paradoxerweise mehr. „Würde die Sparquote nur auf das Niveau der letzten Aufschwungphase sinken, stünden sofort 13 Milliarden Euro an privater Extranachfrage bereit – ganz ohne staatliche Konjunkturprogramme.“ Auch bei der Digitalisierung und bei KI sieht Schneider großes Potenzial für mehr Umsatz und Beschäftigung. Österreich sei zwar führend bei der Implementierung von KI im Unternehmensalltag, allerdings würde die Baubranche bei der KI-Nutzung aktuell hinter dem klassischen Produktionssektor hinterherhinken.
Ausgezeichnete Leistungsträger Traditionellerweise wurden im Rahmen des Steirischen Bautags auch zahlreiche Persönlichkeiten und Mitgliedsbetriebe geehrt. Landesinnungsmeister Michael Stvarnik und Landesrätin Simone Schmiedtbauer haben im Fürstenzimmer von Schloss Seggau 14 Jungbaumeister:innen ausgezeichnet, darüber hinaus gab es Ehrenurkunden für 31 anwesende Firmenjubilare. Dabei konnte auch ein besonderes Jubiläum gefeiert werden: Das Familienunternehmen Lutterschmied Bau GmbH & Co KG aus Fehring ist seit 100 Jahren erfolgreich für die steirischen Bauwirtschaft im Einsatz!
5 Personen wurden für ihre Verdienste um die steirische Bauwirtschaft geehrt. Die Ehrennadel in Gold ging an BM DI Alexander Bogner, die Ehrennadel in Silber an BM Ing. Daniela Francesca Bellina und mit der Ehrennadel in Bronze wurden Ing. Manfred Bachmayer, BM Ing. Adolf Landgraf sowie BM Ing. Manfred Reiser ausgezeichnet. Eine Ehrung gab es auch für den Lehrlingsnachwuchs: Der Hochbau-Lehrling Christoph Leitner wurde beim Publikumsvoting der Kleinen Zeitung im Rahmen der StyrianSkills 2025 zum „Lehrling des Jahres“ gewählt. Darüber freut sich auch der ausbildende Betrieb, die Pierer Baumaschinen – Schalungen GmbH in Fladnitz an der Teichalm. Christoph Leitner wird beim heurigen Bundeslehrlingswettbewerb der Hochbauer im Oktober in Graz an den Start gehen.