Chef-Info
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1. Präs. Kopf: Industriestrompreis - wichtiges Signal mit noch einigen offenen Umsetzungsfragen
Mit der Ankündigung vom 14. Jänner 2026, das Standortabsicherungsgesetz (SAG) bis 2029 zu verlängern und einen Industriestrompreis nach deutschem Vorbild einzuführen, hat die Bundesregierung ein wichtiges Signal zur Stärkung des Wirtschafts- und Industriestandorts Österreich gesetzt. Hierfür sollen jährlich 250 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Ziel ist es, energieintensive Betriebe zu entlasten, deren internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und eine gewisse Planungssicherheit zu schaffen. Der vorgesehene Industriestrompreis soll im Wesentlichen für die Hälfte des Stromverbrauchs den Preis auf bis zu 5 Cent pro kWh senken können.
Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass diese „5 Cent pro Kilowattstunde“ keinen fixen Wert darstellen und wesentliche Fragen zur konkreten Ausgestaltung weiterhin offen sind:
Der Industriestrompreis wird über den EU-Beihilferahmen CISAF ermöglicht und ist mit 1. Jänner 2027 und einer begrenzten Laufzeit von 3 Jahren als „Brückenstrompreis“ vorgesehen. Er richtet sich ausschließlich an exportorientierte und energieintensive Branchen mit nachweisbarem Abwanderungsrisiko. Welche Sektoren förderfähig sind, wird auf EU-Ebene im Annex 1 der KUEBLL-Leitlinie definiert. Unternehmen außerhalb dieser Liste können nur unter sehr engen Voraussetzungen berücksichtig werden.
Bei der Höhe der Entlastung ist eine differenzierte Betrachtung notwendig: Die Beihilfe darf maximal 50 Prozent des Großhandelspreises betragen – und das auch nur für höchstens 50 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs eines förderfähigen Unternehmens. Zudem darf der geförderte Strompreis nicht unter 50 Euro pro Megawattstunde sinken. Die vielfach kommunizierten „5 Cent pro kWh“ sind daher lediglich ein theoretisches Best-Case-Szenario, nicht aber ein jedenfalls feststehender pauschaler Wert im Sinne eines Industriestromfixpreises.
Zusätzlich besteht aufgrund der beihilfenrechtlichen EU-Vorgaben die Verpflichtung, einen Teil der Fördermittel - mindestens 50% - in Dekarbonisierung- oder Energieeffizienzmaßnahmen zu reinvestieren. Diese sind für die Mitgliedsstaaten optional genannt. Wie die Reinvestitionsverpflichtung in Österreich konkret ausgestaltet sein wird, ist derzeit ebenso offen wie die Frage, ob und in welcher Form eine Kumulation oder Kombination mit der Strompreiskompensation (SAG) möglich sein wird. Auch zur konkreten Gestaltung des Antragsverfahrens liegen aktuell noch keine Informationen vor. Die Details sollen aber zeitnah zwischen BMF und BMWET ausgearbeitet werden; diese sind für eine konkrete Unternehmensplanung auch unabdingbar.
Zusammengefasst: „Ein international konkurrenzfähiger Strompreis ist eine wichtige Investition in die Zukunftsfähigkeit des Standorts – und in die industrielle Wertschöpfung in Österreich. Entscheidend ist nun die rasche, praktikable und unbürokratische Umsetzung der angekündigten Maßnahme. Die Betriebe brauchen dringend Planungssicherheit.“ erklärt Karlheinz Kopf, Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg.
Für Rückfragen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung. Kontakt: Wirtschaftskammer Vorarlberg, Wirtschaftspolitik, Helena Maria Berkmann, MSc (+43 5522 305-358; berkmann.helena@wkv.at).
2. Industriekonjunktur: Große Unsicherheit mit wenigen Lichtblicken!
Die aktuelle Konjunkturumfrage für das 4. Quartal 2025 zeigt eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorquartal: Verantwortlich dafür ist einzig eine merkliche Verbesserung in der Maschinen- und Metallindustrie. Von einer tragfähigen Erholung kann aber noch keine Rede sein. Industrie-Spartenobmann Markus Comploj fordert daher eine rasche Senkung der Lohnnebenkosten, die Umsetzung der Industriestrategie und des FTI-Paktes der Bundesregierung sowie auf Landesebene mehr Unterstützung für betriebs- und produktnahe Forschung.
Der Geschäftsklima-Index, das Mittel der derzeitigen und der erwarteten Geschäftslage in sechs Monaten, zeigt für das 4. Quartal 2025 eine Verbesserung auf +13 Prozent-Punkte. Der Index ist damit erstmals seit dem 2. Quartal 2022 wieder deutlich im Plusbereich!
Knapp die Hälfte (46 Prozent) der befragten Unternehmen spricht von einer aktuell guten Geschäftslage, für 34 Prozent ist sie durchschnittlich, 20 Prozent beurteilen sie als schlecht. Ähnlich verhält es sich mit dem Auftragsbestand. Über den Export gibt es kaum Wachstumsimpulse. Die Auslandsaufträge bleiben auf niedrigem Niveau (Saldo -1). Erwartet wird ein Anziehen der Verkaufspreise - 42 Prozent rechnen mit steigenden Verkaufspreisen. „Es scheint, als gelinge es, die deutlich gestiegenen Kosten zumindest teilweise wieder in den Produktionspreisen unterzubringen“, erklärt Industrie-Spartenobmann Markus Comploj. Beim Mitarbeiterstand der kommenden drei Monate spiegelt sich das nicht wider. Nur vier Prozent wollen diesen erhöhen, 18 Prozent gehen von einer Reduktion aus.
Die Geschäftslage in sechs Monaten wird überwiegend (85 Prozent) als gleichbleibend = herausfordernd beurteilt. Die Einschätzung der Ertragslage in sechs Monaten ist etwas positiver. Von 31 Prozent der Unternehmen wird eine Steigerung erwartet. Der Saldo verbessert sich von -40 auf +28 Prozentpunkte!
Wie groß die Unsicherheit in der Industrie ist, bestätigt die Sonderfrage, wann eine spürbare Verbesserung erwartet wird? Für 41 Prozent ist dies derzeit nicht abschätzbar (österreichweit für 45 Prozent).
Zu den Branchenergebnissen
„Der Industriebereich Vorarlbergs, der für ein gesamt positiveres Gesamtergebnis verantwortlich zeichnet, ist die Metalltechnische Industrie“, berichtet Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer. 85 Prozent der Unternehmen beurteilen die Geschäftslage als gut, 11 Prozent sprechen von einer schlechten Lage. Der Saldo verbessert sich von +9 auf +75! Die Ertragslage in sechs Monaten sehen 84 Prozent besser als heute an. In dieser Branche zeigt sich ein deutliches Anziehen der Verkaufspreise.
Die Betriebe der Lebensmittelindustrie sind laut Amann insgesamt am stabilsten: „Die aktuelle Geschäftslage beurteilen 95 Prozent gleichbleibend und fünf Prozent als schlecht. 38 Prozent erwarten steigende Verkaufspreise. Weitgehend unverändert sieht der Großteil der Lebensmittelindustrie ihre aktuellen Auslandsaufträge und den Beschäftigtenstand in drei Monaten sowie die Geschäftslage und die Ertragslage in sechs Monaten.
Nur leicht verbessert haben sich die Rückmeldungen aus der Textilindustrie. Der Saldo zur derzeitigen Geschäftslage steigt von -44 auf -28. 26 Prozent sprechen von guten Auslandsaufträgen (Saldo: +18). Michael Amann: „Ein Lichtblick ist der Mitarbeiterstand in drei Monaten. 62 Prozent der befragten Textil-Unternehmen rechnen mit steigenden Mitarbeiterständen.“
Die Elektro- und Elektronikindustrie ist nach wie vor am stärksten unter Druck: „51 Prozent beurteilen die aktuelle Geschäftslage als schlecht. In sechs Monaten wird sich das kaum verbessern“, sagt IV-Geschäftsführer Simon Kampl. Niedrigere Verkaufspreise in drei Monaten werden von 43 Prozent angegeben. Dramatisch ist der Ausblick auf den
Beschäftigtenstand. 81 Prozent rechnen mit sinkenden Ständen. Alle Befragten erwarten - ausgehend von einem schlechten Niveau - eine unveränderte Produktionstätigkeit in drei Monaten, Geschäftslage in sechs Monaten und Ertragslage in sechs Monaten.
Auch in der Verpackungsindustrie gibt es nach wie vor keine Entwarnung. „Diese Branche ist von anderen Industriebranchen abhängig und ein Indikator für die Industrie. 51 Prozent schätzen ihre derzeitige Geschäftslage und Ertragslage als schlecht ein“, so Kampl. Die aktuelle Geschäftslage wird von keinem Unternehmen als gut bewertet, 49 Prozent halten sie für konstant/gleichbleibend. Keine Zuversicht gibt es in dieser Branche in Hinblick auf die Geschäftslage und Ertragssituation in sechs Monaten.
Lohnnebenkosten senken und Industriestrategie rasch umsetzen
Die von der Bundesregierung präsentierte Industriestrategie setzt aus Sicht der Vorarlberger Industrie wichtige und überfällige Impulse zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts. „Ein international wettbewerbsfähiger Strompreis, die Senkung der Lohnnebenkosten, schnellere Genehmigungsverfahren, der konsequente Abbau von Bürokratie sowie eine gezielte Offensive für Schlüsseltechnologien sind zentrale Stellschrauben, um die stark geforderte Industrie zu entlasten und ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu verbessern“, betont Markus Comploj, Industrie-Spartenobmann der Wirtschaftskammer Vorarlberg. „Jetzt kommt es darauf an, dass die angekündigten Maßnahmen rasch und praxisnah umgesetzt werden – und zwar samt und sonders: ohne neue Steuern! Die geforderte „Gegenfinanzierung“ bei den Lohnnebenkosten muss aus dem öffentlichen Sektor selbst kommen, weil der Staatsanteil in den letzten Jahren völlig aus dem Ruder gelaufen ist“, fordert Comploj. Dazu gehören auch unbeliebte Maßnahmen, wie die Anhebung des Pensionsantrittsalters, denn „die fetten Jahre sind vorbei“!
Betriebsnahe Forschung und FTI-Pakt
Eine strukturelle Neuausrichtung der betriebsnahen Forschungsstrukturen auf Landesebene (Forschungseinheiten der FH Vorarlberg, WISTO, Digital Factory und V-Research) sei erforderlich, „um Synergien noch stärker zu nutzen, die Wirkung der eingesetzten Mittel der öffentlichen Hand zu erhöhen und den weiteren Auf- und Ausbau überbetrieblicher Forschungsstrukturen sukzessive voranzutreiben“, sagt Comploj. Das Bekenntnis des Landes, sich stärker auf eine betriebs- und produktnahe Forschung zu fokussieren, sei ein notwendiger Schritt. Dem FTI-Pakt (Forschung, Technologie und Innovation) 2027–2029 der Bundesregierung komme ebenso eine besondere Bedeutung zu. „Was es jetzt braucht, ist eine rasche politische Entscheidung zur Umsetzung und die klare finanzielle Absicherung des FTI-Paktes. Forschung, Technologie und Innovation sind keine budgetäre Randfrage – sie sind die Voraussetzung dafür, dass unser Standort in Zukunft wieder wettbewerbsfähiger wird“, betont Industrie Spartenobmann Markus Comploj.
Abschließendes Beispiel für zahlreiche Detailforderungen für den Standort:
Beseitigung des Nacht-60er für LKWs auf der A14 und S16
…und was kann die Bundesregierung sonst noch tun, um den Standort wieder wettbewerbsfähiger zu machen? Der Nacht-60er ist ein Relikt aus vergangen Zeiten, das rasch beseitigt werden sollte. So wäre eine LKW-Fahrt in der Nacht, mit Tempo 80, zwischen Bregenz und dem Arlberg anstelle von 1,5h in einer Stunde zu bewältigen, zwischen Bregenz und Wien wären es sogar über 2h weniger Fahrzeit!
An der quartalsmäßigen Umfrage der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV) und der Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg haben sich 34 Unternehmen mit 23.775 Beschäftigten beteiligt.
Zur Umfragemethode:
Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten gegeben: gut, durchschnittlich, schlecht. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) %-Anteile dieser Antwortkategorien, und dann wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den %-Anteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.