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Pflegelehre
© A. Serra

„Ich wünsche mir, dass sich mehr junge Menschen für den Pflegeberuf begeistern“

Seit Herbst 2023 werden in Vorarlberg die Berufe „Pflegeassistenz“ und „Pflegefachassistenz“ als Lehre angeboten. Kommenden Juli finden die ersten Lehrabschlussprüfungen statt. Die Lehrlinge Sarah Ammann (Stiftung Liebenau, St. Gallenkirch) und Livio Plattner (Senioren-Betreuung Feldkirch) erzählen von ihren Erfahrungen, was sie motiviert und wie ihre Zukunftspläne aussehen.

Lesedauer: 4 Minuten

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Aktualisiert am 21.05.2026

Wie habt ihr eure Ausbildung zur Pflegefachkraft bisher erlebt?
Sarah: „Ich habe meine Ausbildung bisher sehr positiv erlebt. Ich wurde von Anfang an gut ins Team integriert und sowohl von meiner Praxisanleitung als auch vom gesamten Betrieb unterstützt. Besonders wichtig war für mich, dass ich mich nie nur wie ein klassischer Lehrling gefühlt habe, sondern schnell das Gefühl bekam, wirklich dazuzugehören. Geprägt hat mich vor allem die Arbeit mit älteren Menschen. Ich finde es schön, ihnen ein würdevolles Altern zu ermöglichen und sie auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleiten zu dürfen. Besonders berührend sind für mich kleine Momente im Alltag – wenn Bewohnerinnen und Bewohner Wünsche äußern und ich ihnen diese erfüllen kann. Die Dankbarkeit und die strahlenden Augen der Menschen bedeuten mir sehr viel.“
Livio: „Während meiner Ausbildung habe ich sowohl positive als auch herausfordernde Erfahrungen gemacht. Gerade diese Mischung hat mich persönlich und fachlich weitergebracht. Ich bin sehr froh, diesen Berufsweg gewählt zu haben und konnte in den vergangenen Jahren viel lernen.“

Was hat euch ursprünglich dazu motiviert, eine Pflegelehre zu beginnen?
Livio: „Meine ersten Informationen über den Pflegeberuf habe ich durch einen Zeitungsartikel erhalten. Danach habe ich mit meiner Mutter gesprochen, die selbst im Pflegebereich arbeitet. Durch ihre Erfahrungen bekam ich spannende Einblicke in den Beruf und konnte mir besser vorstellen, diesen Weg einzuschlagen.“
Sarah: „Ich wusste schon früh, dass ich einen sozialen Beruf ausüben möchte. Als Kind wollte ich sogar Hausärztin werden. Besonders geprägt hat mich meine Ahna, die früh pflegebedürftig geworden ist. Dadurch habe ich schon in jungen Jahren erlebt, wie wichtig Unterstützung, Nähe und Menschlichkeit sind. Für mich war schnell klar, dass ich Menschen helfen und sie im Alltag begleiten möchte.“

Welche Fähigkeiten aus der Ausbildung wird euch in eurem Berufsalltag besonders helfen?
Sarah:
„Neben dem fachlichen Wissen sind für mich vor allem Empathie, Geduld und Ruhe wichtig. Ich habe gelernt, auf die individuellen Bedürfnisse, Ängste und Wünsche der Menschen einzugehen. Gerade in der Pflege spielen Kommunikation und kleine Gesten eine große Rolle. Sie geben den Menschen Sicherheit und das Gefühl, verstanden zu werden.“
Livio: „Ich halte gute Teamarbeit für besonders wichtig – unabhängig vom Arbeitsumfeld. Eine gute Zusammenarbeit verbessert nicht nur die Qualität der Arbeit, sondern sorgt auch dafür, dass sich alle Beteiligten wohler fühlen.“

Worauf freut ihr euch am meisten nach erfolgreichem Abschluss der Lehre?
Sarah:
„Nach dem Abschluss freue ich mich zuerst auf eine kleine Auszeit, um den Prüfungsstress hinter mir zu lassen und neue Energie zu tanken. Danach werde ich mein erlerntes Wissen im Berufsalltag anwenden und eigenständig Verantwortung übernehmen.“
Livio: „Ich freue mich besonders darauf, meine Ausbildung erfolgreich abzuschließen und dann als vollwertiges Mitglied im Team wahrgenommen zu werden.“

Gab es während eurer Ausbildung einen besonderen Moment mit Patient:innen oder im Team, der euch in Erinnerung geblieben ist?
Sarah:
„Ein besonders prägender Moment war der erste Todesfall eines Bewohners, den ich miterlebt habe. Natürlich war das traurig, gleichzeitig habe ich aber gespürt, dass der Mensch nun nicht mehr leiden muss. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig Würde und ein respektvoller Umgang bis zum Lebensende sind. Ein weiterer Moment ist mir aus meinem Praktikum im Krankenhaus in Erinnerung geblieben. Ich war damals sehr unsicher. Eine Patientin sagte zu mir, ich solle mir Zeit lassen und alles werde gut. Diese Worte haben mir unglaublich geholfen und mir gezeigt, wie wichtig wertschätzende Begegnungen im Pflegealltag sind.“

Und bei dir Livio?
Livio: „In den drei Jahren der Ausbildung gab es viele schöne Erlebnisse – sowohl mit Bewohnerinnen und Bewohnern als auch mit Kolleginnen und Kollegen. Besonders emotional sind für mich die Abschiede von Bewohnern, wenn ich nach einem Heimwechsel nicht mehr Teil ihres Alltags bin. Ein Highlight war außerdem ein gemeinsames Projekt der Pflegelehrlinge im Haus Nofels. Gemeinsam mit der Firma Hilti + Jehle haben wir einen Barfußweg gestaltet. Dieses Erlebnis werde ich nie vergessen. Gerade für Menschen mit Demenz ist es wichtig, verschiedene Materialien und Untergründe bewusst spüren zu können.“

Welche Ziele oder Wünsche habt ihr für eure berufliche Zukunft in der Pflege?
Livio:
„Ich möchte mich auf jeden Fall weiterbilden. Im Moment überlege ich, später noch die Ausbildung zur Pflegefachassistenz anzuhängen.  Ansonsten bin ich offen für neue Möglichkeiten und gespannt, wohin mich mein Berufsweg noch führen wird.“

Sarah, wie sehen deine Träume aus?
Sarah:
„Ich wünsche mir, dass der Pflegeberuf in Zukunft attraktiver gestaltet wird und sich wieder mehr junge Menschen dafür begeistern. Wichtig finde ich auch eine gute Praxisanleitung und Unterstützung für Auszubildende, denn die Pflege bringt viele emotionale Herausforderungen mit sich. Persönlich möchte ich mich fachlich weiterentwickeln, neue Erfahrungen sammeln und später in einem Team arbeiten, in dem ein respektvoller Umgang selbstverständlich ist.“

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei
eurer Lehrabschlussprüfung im Juli!

Interview: Daniela Vonbun-Häusle

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Livio Plattner
© F. Sams Pflegelehrling Livio Plattner
Sarah Ammann
© Stiftung Liebenau Pflegelehrling Sarah Ammann