„Unsere Intention muss es sein, die Nische zu finden“
Der Geschäftsführer der Messe Dornbirn, Nilly Nail, spricht im Interview über die geplante Neuausrichtung und die besondere Lage im Vierländer-Eck. Zudem geht es um die Auswirkungen des bevorstehenden Umbaus des Messepark und die Rolle von KI und Digitalisierung in der Messelandschaft.
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Sie sind nun seit Oktober 2025 Geschäftsführer der Messe Dornbirn. Was ist denn Ihr erstes Fazit?
Zunächst muss man sagen, dass Dornbirn aus meiner Sicht alle wesentlichen Voraussetzungen mitbringt für eine erfolgreiche Veranstaltungsdestination. Wir haben eine gute Grundinfrastruktur, auf deren Basis wir das Messeportfolio weiterentwickeln können. Zudem haben wir mit unserem Einzugsgebiet mit der unmittelbaren Anbindung an die Autobahn sowie dem touristischen Angebot in der Bodenseeregion in Summe hervorragende Voraussetzungen, die eine mögliche Weiterentwicklung und eine Reihe an Chancen bieten, die wir nutzen wollen. Fakt ist, dass wir in der Vergangenheit mit dem Messeportfolio recht Publikumslastig waren. Hier gilt es unsere beiden Universalmessen, Frühjahrs- und Herbstmesse, neu aufzugleisen. Und unabhängig davon ist es unser Ziel, eine Fachmesse-Strategie einzuschlagen, um wichtige Impulse für die Wirtschaft in Vorarlberg sicherstellen zu können.
Wie ist der Fahrplan hierfür?
Erfreulicherweise ist bereits im Dezember im Aufsichtsrat das Zukunftskonzept von mir angenommen worden. Und jetzt gilt es dieses auch umzusetzen. Wir gliedern das Unternehmen in vier Themenbereiche beziehungsweise Profit-Centers. Das erste sind unsere Eigenformate, also alles rund um das Messeportfolio. Das zweite Thema ist das Profit-Center rund um das Vermietgeschäft. Sprich, wir vermieten unsere Location an Konzertveranstalter bis hin zu Corporate-Events oder Gastmessen. Der dritte neue Bereich ist das Thema Services. Das umfasst, unter Einbindung von unseren Partnern, Standbauleistungen, Ton- und Lichttechnik etc. Unsere Kunden bekommen künftig alles aus einer Hand. Sozusagen ein One-stop-shop. Und der vierte Bereich ist ein Teil unserer Aufgabe, die uns die öffentliche Hand übertragen hat, und das ist das Profit-Center Sport. Sie wissen, wie viele Sportarten bei uns am Gelände angesiedelt sind. Und unsere Aufgabe liegt als Facility-Provider und Facility-Manager in dem Bereich einfach darin, das im Tagesbetrieb mit zu servicieren.
Stichwort Zukunftskonzept. Was heißt das konkret für bestehende Formate? Was ist unter der Fachmesse-Strategie zu verstehen?
Konkret heißt das, dass wir die im Frühjahr stattfindende SCHAU! zu einer modularen Themenmesse entwickelt wollen, quasi als Publikumsmesse mit Fachcharakter. Und die Herbstmesse als eine Messe mit Volksfestcharakter, viel Musik und Unterhaltung und einem Vergnügungspark neu aufstellen werden. Unabhängig von diesen Publikumsmessen werden wir verstärkt in Richtung Fachmessen marschieren. Fakt ist, dass solche Entwicklungszyklen im Messebereich lange dauern. Ich spreche in diesem Zusammenhang gerne von einem Marathon und keinem Sprint, denn die Neuausrichtung von Traditionsveranstaltungen ist immer sehr zeitintensiv. Man muss erklären, wohin die Reise geht und auch die Wirtschaft abholen. Denn wenn wir für die Vorarlberger Betriebe eine attraktive Präsentationsplattform sein wollen, müssen wir auch die Themen entsprechend danach ausrichten.
Was ja jetzt auch schon passiert ist mit der neuen Automobilmesse zum Beispiel...
Ja genau, das ist ein gutes Beispiel. Die war in der Vergangenheit eingebettet in der SCHAU!. Wir haben das Thema dort herausgezogen, weil die Aussteller und die Vorarlberger Autohändler uns berichtet haben, dass sie dort nicht glücklich sind. Das war ein ziemlicher Schnellschuss, der uns gelungen ist, auch dank der tatkräftigen Unterstützung der Wirtschaftskammer, in persona Rudi Lins. Erfreulicherweise haben wir in Summe über 35 Marken, die sich auf der Premiere der automobil präsentieren. Gepaart mit der Sonderschau zum Thema 140 Jahre Automobil, ist uns in der kurzen Zeit schon ein schöner Achtungserfolg gelungen.
Ist eine solche Fachmesse eine Art Gegenpol zu der zunehmenden Digitalisierung? Eine Art Treffpunkt, der alle Informationen vereint?
Meines Erachtens gibt es zu jedem Trend eine Gegenbewegung oder einen Gegentrend. Und in Zeiten der Digitalisierung ist vor allem die persönliche Begegnung, die Dinge erlebbar zu machen, das Um und Auf. Die Austromobil beispielsweise bot an einem Ort einen Überblick über alle Neuerscheinungen. Das ist schon eine entscheidende Qualität in Zeiten wie diesen, wo man sich alles aus dem Internet rausholen kann.
Sie haben sich in der Vergangenheit viel mit KI und digitalen Marktplätzen beschäftigt. Inwieweit ist das jetzt auch ein Teil der Zukunftsausrichtung der Messe?
Um Messen zeitgemäß abzuwickeln, müssen wir auch auf diese Technologien zurückgreifen. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist ein neues Messeformat oder Messe-Doppel, das wir dieses Jahr umsetzen: die TECH.CON und die movatec. Da benutzen wir entsprechend auch diese neuen Technologien in Richtung Matchmaking. Hierfür gibt es ein Lead-Generierungstool, über dieses werden die Kontakte, die man während der Ausstellungstage generiert, über ein Tool mitgetrackt. Im Nachgang haben unsere Ausstellungspartner dann alle Kontakte schön aufbereitet zum Abrufen.
Lassen Sie uns nochmal auf die spezielle Lage der Messe Dornbirn zurückkommen. Stichwort Vierländereck. Welche Chancen bringt diese?
Sie wissen, wie industriell in Summe die Bodensee-Region aufgestellt ist. Und dem wollen wir auch Rechnung tragen mit neuen Fachmesse-Formaten. Und das ist auch der regionale Fokus, den wir uns vornehmen, auf der einen Seite Westösterreich, Südbayern, Ostschweiz und Liechtenstein. Ich denke, dass vor allem im Fachmesse-Bereich das Marktpotenzial da ist. Unsere Intention muss es sein, die Nische zu finden.
Das Messegeschäft ist europaweit unter Druck. Ist gerade dieses Nischengeschäft für einen kleinen Messestandort wie Dornbirn die Lösung für einen Fortbestand?
So ist es ja. Wir sprechen von einem umkämpften Messemarkt, denn wir sind im unmittelbaren Wettbewerb zu den Kollegen in St. Gallen und Friedrichshafen. Zudem besteht die Nähe zu den Weltmärkten wie in München, aber auch Stuttgart, wo eine Reihe an internationalen Fachmessen stattfindet. Unsere Qualität liegt darin, die regionalen oder überregionalen Märkte zu bedienen. Und da müssen wir die Nische finden, um uns langfristig zu etablieren.
Nun sind nicht nur Sie mit Erneuerungen beschäftigt, sondern auch in Ihrer direkten Nachbarschaft wird gebaut. Wie gehen Sie mit dem großen Umbau des Messeparks um?
Wir stehen in sehr gutem Einvernehmen mit dem Messepark. In unserer unmittelbaren Nachbarschaft ist da jetzt sicherlich ein Leuchtturmprojekt für Vorarlberg im Entstehen. Und wie es in einer funktionierenden Nachbarschaft erforderlich ist, hilft man, wo zu helfen ist. Wir haben die Halle 14 bereitgestellt und vermietet an den Messepark bis Ende 2028. Das beeinträchtigt uns natürlich im Veranstaltungsbetrieb, ist aber für den Umbau, Manipulationsflächen, Lagerflächen für den Messepark erforderlich. Und da ist das Gebot der Stunde die Planung, vor allem rund um das Thema Verkehr. Da sind wir in enger Abstimmung mit dem Messepark, das ordentlich durchzuplanen, um so wenig als möglich Reibungspunkte zu haben.
Eine gute Planung für die Zukunft haben Sie mit ihrem Zukunftskonzept erarbeitet. Wohin soll dieses die Messe Dornbirn im Idealfall bringen?
Die Idealvorstellung ist die, dass es uns gelingt das Portfolio zu drehen. Dass wir auf der einen Seite zeitgemäße, neu ausgerichtete Publikumsmessen mit Fachcharakter realisieren, und auf der anderen Seite gelingt, Dornbirn als Fachmesse-Standort mit überregionaler Bedeutung in der Bodensee-Region zu etablieren. In den nächsten Jahren ist die Hauptaufgabe, unseren Heimmarkt sauber zu bedienen und mittelfristig neue Kooperationen aufzugleisen, um in Folge neue Messe-Formate zu entwickeln.
Vielen Dank für das Gespräch.