Allein, und erfolgreich: Sechs von zehn Betrieben sind EPU
Ein-Personen-Unternehmen prägen die Vorarlberger Wirtschaft stärker denn je: Mit einem Anteil von 59,4 Prozent erreichen sie 2025 einen neuen Höchststand.
Lesedauer: 3 Minuten
Mit Stichtag 31. Dezember 2025 waren in Vorarlberg insgesamt 15.280 Ein-Personen-Unternehmen (EPU) registriert. Damit werden bereits rund sechs von zehn Betrieben im Land von einer einzelnen Unternehmerin oder einem einzelnen Unternehmer geführt. Gegenüber dem Jahr 2024 entspricht das einem Zuwachs von 694 EPU. Damit erreicht der EPU-Anteil einen neuen Höchststand.
Weshalb der Anteil an Unternehmen, die ohne Mitarbeiter:innen arbeiten und nur aus der Person des Unternehmers/der Unternehmerin bestehen, so hoch ist, erläutert Heidi Winsauer, EPU-Sprecherin der Wirtschaftskammer Vorarlberg: „Die Entwicklung zeigt klar den Trend unserer Zeit: Individualität, Selbstverwirklichung und das Ausleben eigener Talente haben eine hohe Bedeutung. Die Unternehmerinnen und Unternehmer erkennen Marktnischen und -chancen und gründen darauf ihr eigenes Business.“ EPU seien Ausdruck unternehmerischer Leidenschaft, aber auch eines immer höheren Spezialisierungsgrades – insbesondere im Dienstleistungssektor.
Rund 56 Prozent der heimischen EPU werden von Frauen geführt. Das Durchschnittsalter der EPU-Unternehmer:innen liegt bei 48,6 Jahren. EPU finden sich nahezu in allen Branchen. In einzelnen Branchen dominieren EPU jedoch deutlich – etwa in der Personenberatung und Personenbetreuung (98,8 Prozent), im Direktvertrieb (96,3 Prozent), im Kunsthandwerk (89,3 Prozent), in der Fachgruppe der persönlichen Dienstleister (88 Prozent) und in der Berufsfotografie (86,1 Prozent).
Obwohl auch EPU vom aktuell herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld betroffen sind, zeigt sich gerade in krisenhaften Zeiten ein entscheidender Vorteil von Kleinunternehmen: „Sie können schneller reagieren und kreative Ideen und Anpassungen des Geschäftsmodells oft einfacher umsetzen als größere Organisationen“, berichtet Winsauer, die eine Lanze für das Unternehmertum und die unternehmerische Leistung von EPU bricht: „Obwohl es schwierig ist, sind wir aktiv am Markt und behaupten uns. Weil Ein-Personen-Unternehmer:innen Macher:innen sind.“ Dementsprechend verzeichnen drei Viertel der EPU stabile beziehungsweise wachsende nominelle Umsätze im Vergleich von 2024 zu 2025.
Aus der Praxis zeigen sich die Chancen und Herausforderungen der Ein-Personen-Unternehmen ebenfalls deutlich. „Als Ein-Personen-Unternehmer im Weinhandel spüre ich die Entwicklung sehr deutlich: Die Nachfrage ist da, aber man muss flexibel bleiben und viele Aufgaben gleichzeitig stemmen – vom Einkauf über Beratung bis hin zu Marketing und Vertrieb. Gerade die persönliche Kundenbeziehung ist für mich ein großer Vorteil gegenüber größeren Betrieben. Gleichzeitig steigen aber auch die Anforderungen, etwa durch Bürokratie oder schwankende Einkaufspreise. Insgesamt zeigt die steigende Zahl an EPU, dass viele den Schritt in die Selbstständigkeit wagen – es braucht aber Durchhaltevermögen und Leidenschaft, um langfristig erfolgreich zu sein“, betont Mario Bortolotti, Inhaber von MB Wines & Spirits in Dornbirn.
Ähnlich sieht das auch Vivian Krientschnig aus Nüziders, Gas-, Wasser- und Heizungsinstallateur: „Als Ein-Personen-Unternehmer in der Heiztechnik trägt man viel Verantwortung – von der Planung bis zum Service läuft alles über eine Person. Gleichzeitig schätzen die Kunden den direkten Ansprechpartner und schnelle, persönliche Lösungen. Gerade durch neue Technologien und strengere Vorgaben muss man flexibel bleiben und sich ständig weiterentwickeln – das verlangt Einsatz und echte Leidenschaft fürs Handwerk.“