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Karin Feuerstein-Pichler
© Nina Bröll

Antwort auf eine dynamische, digitale und komplexe Arbeitswelt

Karin Feurstein-Pichler in ihrer Rolle als Studiengangsleiterin eines dualen Studiengangs der FHV im Interview mit „die Wirtschaft“. 

Lesedauer: 5 Minuten

Aktualisiert am 01.09.2026

Welche Vorteile bietet die Verbindung von wissenschaftlicher Ausbildung mit konkreter Berufspraxis?
Das duale Studium an der FHV zählt zu den Ausbildungsformen mit der engsten Verzahnung von Theorie und Praxis: Die Studieninhalte sind eng auf die Praxiszeiten im Unternehmen abgestimmt, und die betriebliche Tätigkeit ist integraler Bestandteil des Studiums. Genau in dieser Verzahnung entfalten sich die Future Skills, die die FHV in allen Studiengängen verankert: Fachliche Exzellenz wird unmittelbar in der Praxis erprobt und mit überfachlichen Kompetenzen verbunden.

Welche Vorteile hat das für die Studierenden?

Sie erhalten bereits während des Studiums ein festes Einkommen, sammeln von Beginn an einschlägige Berufserfahrung und haben dadurch sehr gute Zukunftsaussichten. Sie wenden das Gelernte unmittelbar an und entwickeln so nicht nur Fachwissen, sondern auch Kommunikations-, Reflexions- und Kollaborationsfähigkeit. Für die Unternehmen bedeutet das Modell gezielte Fachkräfteentwicklung: Sie bilden ihre künftigen Fach- und Führungskräfte direkt im eigenen Betrieb aus, profitieren von einem effizienten Recruiting ohne zusätzliche Rekrutierungskosten und Einarbeitungszeiten und binden „High Potentials“ mit hoher Lernmotivation und Belastbarkeit frühzeitig. Hinzu kommen ein starker Wissenstransfer mit einer der forschungsstärksten Fachhochschulen Österreichs, positive Effekte auf das Employer Branding und der Zugang zu einem starken Partnernetzwerk. Da das duale Format schrittweise auf weitere Studiengänge ausgeweitet wird, eröffnen sich diese Vorteile künftig für immer mehr Branchen und Berufsfelder.

Wie wichtig ist es, dass Studierende über die Grenzen ihres hinausdenken und Kompetenzen verbinden?
Sehr wichtig – und genau deshalb denken wir an der FHV Kompetenz bewusst breiter als reines Fachwissen. Das Future-Skills-Modell der FHV umfasst neben der fachlichen Exzellenz (Professional Mastery) drei weitere Felder: eine akademische Haltung mit kritischem Denken, Kreativität sowie Digital- und Informationskompetenz (Academic Attitude), ein Bewusstsein für globale, kulturelle, ökologische und ethisch-soziale Zusammenhänge (Awareness) und ausgeprägte Sozialkompetenzen wie Kommunikation, Selbstreflexion, Anpassungsfähigkeit und Zusammenarbeit (Social Skills). Wir sind überzeugt – und die Rückmeldungen aus Unternehmen unterstreichen das, dass diese Fähigkeiten – kritisches Denken, Kreativität, Anpassungsfähigkeit, Kollaboration, kulturelle Offenheit und Verantwortung – nötig sind, um in einer zunehmend dynamischen, digitalen und komplexen Arbeitswelt erfolgreich zu sein.

Was heißt das konkret?
Diese Verbindung von Disziplinen ist in den dualen Studiengängen fest verankert: Im Wirtschaftsingenieurwesen etwa werden technisches Fachwissen, wirtschaftliches Denken und soziale Kompetenzen kombiniert; in der Elektronik & Informationstechnologie verschmelzen Hardware und Software zu Lösungen für Automatisierung, IoT und Digitalisierung. Mit der Ausweitung des dualen Formats auf weitere Studiengänge wird dieses interdisziplinäre Prinzip künftig noch mehr Fachrichtungen prägen, denn komplexe Herausforderungen lassen sich nur an den Schnittstellen der Disziplinen lösen.

Welche Fähigkeiten werden Absolvent:innen in den kommenden Jahren unbedingt mitbringen müssen?
Die FHV hat darauf mit ihrem Future-Skills-Modell eine klare Antwort und bündelt die entscheidenden Kompetenzen in vier ineinandergreifenden Feldern. Professional Mastery steht für fundierte fachliche Expertise, die situationsgerecht angewendet wird, mit dem Anspruch auf Qualität und dem Willen, aktiv einen Beitrag zu leisten. Academic Attitude meint kritisches Denken, akademische Kreativität sowie Digital- und Informationskompetenz, um in einer datengetriebenen Arbeitswelt fundiert zu urteilen und Neues zu entwickeln. Awareness umfasst globales und kulturelles Bewusstsein, ökologische und nachhaltige Verantwortung, ethisch-soziales Handeln und die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen. Und Social Skills stehen für Kommunikationsstärke, Selbstreflexion, Anpassungsfähigkeit sowie Kollaboration und Kooperation im Team.

Wie sieht der Mehrwert für Unternehmen aus? 
Wer technisches Können mit Reflexions-, Kommunikations- und Anpassungsfähigkeit verbindet, kann Prozesse optimieren, Innovationen vorantreiben und in einem sich rasch wandelnden Umfeld eigenständig Verantwortung übernehmen. Auch aus Unternehmenssicht rücken die Future Skills daher immer stärker ins Zentrum von Recruiting und Personalentwicklung. Das duale Studium ist dabei ein idealer Rahmen, weil diese Fähigkeiten nicht nur gelehrt, sondern von Beginn an im betrieblichen Alltag eingeübt werden.

Wie gelingt ein echtes gemeinsames Lernsystem zwischen Hochschule und Unternehmen?
Das gelingt durch eine enge, abgestimmte Zusammenarbeit. Die Inhalte der betrieblichen Tätigkeit werden mit der FHV abgestimmt und ergänzen die theoretischen Inhalte des Curriculums sinnvoll – so entsteht ein durchgängiger Lernbogen zwischen Hochschule und Betrieb.
Zentral ist die qualitativ hochwertige Praxiserfahrung im Unternehmen: Die Studierenden werden dort von einer Mentorin bzw. einem Mentor begleitet. Diese Betreuung stellt sicher, dass Theorie und Praxis nicht nebeneinander stehen, sondern ineinandergreifen – und dass die Future Skills, von fachlicher Anwendung bis zu Selbstreflexion und Zusammenarbeit, in beiden Lernorten konsequent gefördert werden. Die FHV bringt als eine der forschungsstärksten Fachhochschulen Österreichs den wissenschaftlichen Teil ein, das Unternehmen die konkrete Berufspraxis. Dieses gemeinsame Verständnis von Lernen trägt über alle dualen Studiengänge hinweg – auch über die künftig neu hinzukommenden.

Beim Dualforum geht es auch um die Frage, wie Unternehmen die Generation Z besser verstehen...
Junge Menschen, die sich für ein duales Studium entscheiden, bringen eine hohe Lernmotivation und Belastbarkeit mit und wollen von Beginn an sinnstiftend und praxisnah arbeiten. Sie schätzen die Kombination aus akademischer Qualifikation, echter Verantwortung im Betrieb und einem festen Einkommen bereits während des Studiums und sie legen Wert auf Sinn, Nachhaltigkeit und persönliche Weiterentwicklung, wie es auch das Future-Skills-Feld „Awareness“ betont.
Für Unternehmen bedeutet das, Ausbildung nicht mehr als Einbahnstraße zu denken: Diese Generation erwartet Begleitung auf Augenhöhe – etwa durch aktives Mentoring –, transparente Entwicklungsperspektiven, sinnvolle Aufgaben statt reiner Zuarbeit sowie Flexibilität und Wertschätzung. Wer hier investiert, gewinnt hoch motivierte künftige Fach- und Führungskräfte und stärkt zugleich das eigene Employer Branding.
Wie in jeder Generation gibt es auch bei der GenZ nicht die eine Gruppe, die einheitlich „tickt“, sondern verschiedene Milieus, die sich bei uns im Studium wiederfinden. Vor allem zwei davon begegnen uns in unseren technischen Studiengängen: diejenigen, die vor allem eine Karriere im eigenen Land anstreben und sich hier eine Zukunft aufbauen möchten – und diejenigen mit großem Gestaltungswillen, die einen sinnstiftenden Job suchen, in dem sie die Welt mit ihren Herausforderungen und Unvorhersehbarkeiten über den Hebel technischer Lösungen mitgestalten können.

Vielen Dank für das Gespräch! 

Interview: Daniela Vonbun-Häusle, Sabine Barbisch