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WKV-Kopf: „Wer Dekarbonisierung ernst nimmt, kann ein Projekt wie Rondo nicht grundsätzlich blockieren“.
© Rondo Ganahl GmbH

Energiewende ja, aber bitte nicht vor der eigenen Haustür?

WKV-Präsident Karlheinz Kopf: „Wer Dekarbonisierung und Energieautonomie fordert, muss auch konkrete Projekte zulassen."

Lesedauer: 3 Minuten

Aktualisiert am 24.09.2026

Zwei Tage intensive öffentliche UVP-Verhandlung zum geplanten Reststoffkraftwerk von Rondo Ganahl, zahlreiche Argumente – und für die Wirtschaftskammer Vorarlberg bleibt eine zentrale Frage offen: Wie kann ein Projekt, das für den Wirtschafts- und Energiestandort von großer Bedeutung ist und zugleich unmittelbar zur Dekarbonisierung beiträgt, auf derart massive Ablehnung stoßen? Politisch ist das jedenfalls nicht nachvollziehbar.

Die Wirtschaftskammer Vorarlberg war in ihrer Funktion als Standortanwaltschaft bei der Verhandlung vertreten und zieht eine klare Bilanz: Die Stimmung war emotional geladen, die Projektgegner haben ihre Bedenken vorgebracht. Allerdings mussten die Verhandlungen abgebrochen werden, die Verzögerungstaktik der Gegner hat gewirkt. Dadurch blieb zu wenig Zeit sich mit den eigentlichen UVP-Themen auseinanderzusetzen. Völlig skurril ist es etwa, dass eine Umweltvereinigung aus Niederösterreich zur UVP-Verhandlung zugelassen ist.

Außer Frage steht, dass ein Vorhaben dieser Größenordnung umfassend auf seine Auswirkungen geprüft werden muss. Genau dafür gibt es das Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren. Eine sorgfältige und sachliche Prüfung ist selbstverständlich – eine pauschale Ablehnung ohne nachvollziehbare fachliche Grundlage hingegen nicht. „Die an den Tag gelegten polemischen Spielchen der Projektgegner müssen endlich aufhören", kritisiert Kopf.

Ambivalent ist die Rolle der Grünen, denn 2022 hat es sich noch ganz anders angehört. Die ehemalige Bundesministerin Leonore Gewessler sagte damals anlässlich der Eröffnung der neue Energieanlage der Papierfabrik Norske Skog in Bruck: „Wir müssen raus aus dieser Abhängigkeit von Russland und rein in erneuerbare Energie, denn nur dann sind wir unabhängig und stark". Die Grünen in Vorarlberg sind da wohl anderer Meinung..

Bequem, aber brandgefährlich

„Ohne sichtbare Infrastruktur bleibt die Energiewende ein Lippenbekenntnis“, betont WKV-Präsident Karlheinz Kopf. Das geplante Reststoffkraftwerk könnte rund sieben Prozent des Vorarlberger Gasverbrauchs ersetzen, einen Industriebetrieb, eine Brauerei und hunderte Haushalte versorgen und das auf Basis regionaler Reststoffe statt fossilem Erdgas.

Der Widerspruch ist offensichtlich: Dekarbonisierung wird gefordert, aber dort, wo sie konkret wird, regt sich Widerstand. Energiewende ja, aber bitte nicht sichtbar, nicht hörbar und schon gar nicht im eigenen Umfeld. Diese Haltung ist bequem, aber brandgefährlich. Denn sie verhindert genau jene substanziellen Projekte, die Versorgungssicherheit, Klimaschutz und regionale Wertschöpfung erst möglich machen.

110 Millionen Euro-Investition

Wenn ein Unternehmen bereit ist, 110 Millionen Euro zu investieren, Verantwortung zu übernehmen und aktiv zur Energieautonomie beizutragen, muss das gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten als Standortbekenntnis und Chance gesehen werden, nicht als Problem. „Wer, wenn nicht auch die Betriebe selbst, sollen die Transformation stemmen?“, sagt Kopf.

Die Energiekrise hat gezeigt, wie verletzlich Abhängigkeiten sind. Teures Flüssiggas hat russisches Gas ersetzt, geopolitische Unsicherheiten sind zur neuen Normalität geworden. In dieser Realität zählt jede Kilowattstunde aus regionaler Erzeugung. Wer Energiewende, Resilienz und Unabhängigkeit fordert und Energieautonomie ernst meint, muss auch den Mut haben, die dafür notwendigen Vorhaben zuzulassen.

Das geplante Kraftwerk wäre ein starkes Signal für nachhaltige und klimaschonende regionale Energiegewinnung. Während es in anderen Ländern Europas längst Standard ist, dass energieintensive Betriebe wie Papierfabriken eigene Kraftwerke betreiben, blockieren wir uns in Vorarlberg wieder einmal selbst. Das ist nicht nur kurzsichtig, sondern für den Wirtschaftsstandort Vorarlberg grob fahrlässig.

„Grundsätzlich für die Energiewende zu sein, aber konkrete Projekte vor der eigenen Haustür abzulehnen, ist keine Energiepolitik. Es ist ein Widerspruch, den wir uns als Wirtschaftsstandort nicht leisten können“, erklärt WKV-Präsident Kopf.