Starke Bahn, geschützter Lebensraum
Forderungspaket an ÖBB übergeben: Ziel ist ein leistungsfähiger, siedlungsverträglicher Ausbau zwischen Wolfurt und der Staatsgrenze zu Deutschland.
Lesedauer: 3 Minuten
„Wir stehen geschlossen hinter einer starken Bahn und dem Schutz unseres Lebensraums“, betonte Landeshauptmann Wallner. „Das Untere Rheintal braucht mehr Kapazität – aber so, dass Siedlungsraum, Seeufer und Lebensqualität gewahrt bleiben. Wir erwarten, dass Bund und ÖBB die Kapazitätserweiterung im Unteren Rheintal (Modul Rheintal) ins Zielnetz 2040 aufnehmen, die Varianten einer unterirdischen Führung seriös prüfen und die nächsten Planungsschritte zügig setzen.“ Wallner verwies auf den einstimmigen Landtagsbeschluss vom 31. Jänner 2024, wonach im dicht besiedelten Raum und entlang des Bodenseeufers keine oberirdische Gleiszulegung erfolgen darf.
Der Handlungsbedarf ist klar: Vorarlbergs Exportwirtschaft benötigt verlässliche Schienenverbindungen zu den Nordseehäfen, der öffentliche Verkehr ist Rückgrat der Mobilität im dicht besiedelten Rheintal und die Anbindung an transeuropäische Netze (TEN-T) stärkt Tourismus und Fachkräftegewinnung in der Bodenseeregion. Zugleich ist die Infrastruktur überlastet – besonders das eingleisige Nadelöhr zwischen Bregenz und Lochau begrenzt den Personen- und Güterverkehr.
Das übergebene Forderungspaket umfasst unter anderem:
• Aufnahme der Kapazitätserweiterung im Unteren Rheintal (Modul Rheintal) in das Zielnetz 2040 und baldige politische Beschlussfassung.
• Variantenuntersuchung einer unterirdischen Lösung zwischen Vorarlberg und Deutschland (Unterflurtrasse und Pfändertunnel), inklusive Prüfung der Rolle des Güterbahnhofs Wolfurt als Mobilitätsdrehscheibe für Güter- und Personenfernverkehr.
• Rasche Planung und Umsetzung des zweigleisigen Ausbaus Lustenau–Hard/Fußach (im Rahmenplan 2027–2032 vorgesehen).
• Gemeinsame Planungsschritte mit dem Land Vorarlberg und den betroffenen Gemeinden; keine (längere) Unterbrechung des laufenden Bahnverkehrs während der Bauzeit.
• Prüfung von EU-Kofinanzierungsmöglichkeiten (TEN-T, CEF, Interreg).
• Frühzeitige Abstimmung mit Deutschland und der Schweiz sowie Einbettung in die grenzüberschreitende Entwicklung der Bodenseeregion.
• Prüfung der Notwendigkeit einer „Strategischen Prüfung Verkehr“, da keine Hochleistungsstrecke erforderlich ist.
• Sachliche Bewertung des Schweizer Vorschlags zur Führung des Railjets Zürich–Wien ab 2038 über St. Gallen–St. Margrethen–Dornbirn sowie des geplanten Ausbaus Zürich–München.
„Siedlungsverträglichkeit ist der Maßstab“, unterstrich Landesstatthalter Bitschi. „Im dicht besiedelten Abschnitt ab Güterbahnhof Wolfurt und entlang des sensiblen Bodenseeufers kommt nur eine unterirdische Lösung in Frage. Wir setzen auf eine enge Planungspartnerschaft mit den Gemeinden und der Interessensgemeinschaft Unterirdische Bahntrasse Großraum Bregenz und erwarten von den ÖBB transparente Schritte. Wichtig ist ebenso: Während der Bauphase muss der Betrieb bestmöglich aufrechterhalten werden.“
Landesrat Tittler hob die wirtschafts- und verkehrspolitische Bedeutung hervor: „Die Beseitigung des Engpasses zwischen Bregenz und Lochau und die Zweigleisigkeit Lustenau–Hard/Fußach sind zentrale Bausteine für verlässliche Takte und mehr Güter auf der Schiene. Der Standort Wolfurt kann als Drehkreuz zusätzliche Schlagkraft entwickeln – für die Exportwirtschaft wie für den Personenfernverkehr. Wir wollen den Ausbau mit EU-Mitteln kofinanzieren und die grenzüberschreitende Abstimmung mit Deutschland und der Schweiz eng führen.“
Wirtschaftskammer-Präsident Karlheinz Kopf stellt fest: „Nur mit einem Schulterschluss von Land, Gemeinden und der Wirtschaft rückt ein Generationenprojekt dieser Dimension in greifbare Nähe. Für den exportorientierten Wirtschaftsstandort ist eine funktionierende Logistik entscheidend. Vorarlberg braucht eine leistungsstarke Anbindung an die Nordseehäfen. Für die Wirtschaft ist es nicht entscheidend, auf welcher unterirdischen Trasse gefahren wird. Wichtig ist, dass es eine leistungsfähige und in absehbarer Zeit realisierbare Anbindung für Güter- und Fernverkehr gibt.“
„Ich habe mich von Anfang an klar für die Unterflurlösung zwischen Wolfurt und der deutschen Staatsgrenze eingesetzt und wir haben das Projekt in Bregenz immer wieder angestoßen.“, sagt der Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch: „Umso mehr freut es mich, dass der politische Wille jetzt da ist und die Kapazitätserweiterung auch vom Land für das Zielnetz 2040 gefordert wird. Jetzt müssen Bund, Land, ÖBB und Gemeinden an einem Strang ziehen und alle Beteiligten mitnehmen, damit wir dieses wichtige Projekt gemeinsam ins Ziel bringen.“
Die gemeinsame Haltung von Land, Gemeinden, Wirtschaftskammer und der BürgerInnen-Initiative mehramsee e.V. – ist klar: Kapazität erhöhen, Engpass überwinden und den Lebensraum schützen. Das Land erwartet auf Basis des heute übergebenen Forderungspakets zeitnah eine strukturierte Variantenprüfung und das gemeinsame Festlegen der Bestvariante mit Bund und ÖBB.