Wenn Schülerinnen und Schüler das Kommando übernehmen
in ganzes Wochenende lang liegt die Verantwortung in den Händen der nächsten Generation von Gastgeber:innen. Schüler:innen der GASCHT übernehmen am 20. und 21. Juni 2026 das Traditionsgasthaus „Der Löwen“ in Bludenz – von der Organisation über die Küche bis hin zum Service.
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Was vielerorts als mutiges Experiment gelten würde, ist für die Löwen-Wirtin Bianca Tomaselli vor allem ein Ausdruck von Vertrauen. Gemeinsam mit ihrem Team überlässt sie den Jugendlichen bewusst die Bühne und gibt ihnen die Möglichkeit, ihr Können unter realen Bedingungen unter Beweis zu stellen. „Wir sind überzeugt, dass junge Menschen oft mehr können, als man ihnen zutraut. Verantwortung lernt man nicht durch Zuschauen, sondern indem man sie tatsächlich übernehmen darf“, betont Tomaselli. Die beiden Auszubildenden des Hauses seien hochmotiviert und hätten gemeinsam mit weiteren Schülerinnen und Schülern der GASCHT die Chance erhalten, ein gesamtes Gastronomiekonzept eigenständig umzusetzen. Dabei übernehmen die Jugendlichen nicht nur einzelne Aufgabenbereiche, sondern führen den Betrieb für ein Wochenende in Eigenregie. Von der Planung über den Einkauf bis zur Gästebetreuung und Speisengestaltung liegt alles in ihren Händen. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits seit zwei Monaten. „Ein solches Projekt vermittelt Kompetenzen, die im Klassenzimmer nur schwer nachgebildet werden können“, erklärt die Löwen-Wirtin. Teamarbeit, Kommunikation, Flexibilität und Entscheidungsfähigkeit seien ebenso gefragt wie eine präzise Vorbereitung. „Die Jugendlichen erleben unmittelbar, wie wichtig gute Planung ist und wie viele Abläufe hinter einem erfolgreichen Gastronomiebetrieb stehen.“
Moderne Ideen treffen auf Tradition
Für die Schülerinnen und Schüler ist das Wochenende eine besondere Gelegenheit, ihre eigenen Ideen umzusetzen. Das Konzept bleibt dabei bewusst noch geheim. Fest steht lediglich: Die Gäste dürfen sich auf eine eigens entwickelte Spezial-Karte freuen, die traditionelle Wirtshauskultur mit modernen Food-Trends verbindet. „Bianca, Harry und Daniel haben uns freie Hand gelassen. Wir übernehmen das Ruder im Löwen und leiten das Restaurant komplett in Eigenregie“, erzählen die Jugendlichen. Ziel sei es, dem Traditionsgasthaus einen modernen, kreativen Touch zu verleihen und den Gästen gleichzeitig ein besonderes kulinarisches Erlebnis zu bieten.
Praxisnähe als Schlüssel zur Nachwuchsförderung
Für GASCHT-Direktorin Nicole Okhowat-Lehner zeigt das Projekt eindrucksvoll, wie wertvoll Vertrauen und Verantwortung in der Ausbildung sein können: „Unsere Schülerinnen und Schüler möchten nicht nur lernen, sondern ihre Fähigkeiten auch in der Praxis unter Beweis stellen. Nina und Samuel absolvierten ihr Praktikum im Löwen Bludenz und machen jetzt ihre Lehre dort. Aus einer Idee der Wirte und Jugendlichen entstand ein Projekt, für das sich weitere Jugendliche freiwillig engagieren – zusätzlich zu ihrer schulischen Ausbildung. Solche Initiativen werden von jungen Menschen sehr geschätzt, weil sie Verantwortung übernehmen dürfen und spüren, dass ihnen etwas zugetraut wird. Genau daran wachsen sie persönlich und fachlich.“ Auch für die Branche selbst seien solche Projekte von großer Bedeutung. Die Gastronomie werde häufig auf ihre herausfordernden Seiten reduziert. Tatsächlich biete sie aber Kreativität, Teamgeist, Gästekontakt und vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. Darin sieht auch KM Mike P. Pansi, Fachgruppenobmann Gastronomie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, ein starkes Signal: „Es freut mich besonders zu sehen, mit welchem Engagement sowohl die Schülerinnen und Schüler der GASCHT als auch der Ausbildungsbetrieb dieses Projekt umsetzen. Hier gehen alle Beteiligten weit über das übliche Maß hinaus.“ Für das Team um Bianca Tomaselli steht am Ende vor allem eine Botschaft im Mittelpunkt: Vertraut auf euch selbst. Fehler dürfen passieren – entscheidend ist, daraus zu lernen. Wer mit Freude Gastgeberin oder Gastgeber ist, bringt bereits eine der wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiche Gastronomie mit. Wenn die Gäste nach diesem Wochenende nach Hause gehen und sagen: Diese jungen Menschen haben Großartiges geleistet, wir haben uns sehr wohlgefühlt“, dann haben die Schülerinnen und Schüler ihr wichtigstes Ziel bereits erreicht.