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Vorarlbergs Wirtschaft spricht sich für einen verantwortungsvollen und effizienten Umgang mit der Ressource Boden aus.
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Wirtschaft bekennt sich zum Bodenschutz – keine Obergrenze für Wohlstand

Eine pauschale Obergrenze beim Bodenverbrauch ist der falsche Weg. Sie würde notwendige betriebliche Entwicklungen und Infrastrukturprojekte erschweren.

Lesedauer: 3 Minuten

Aktualisiert am 20.08.2026

Zum aktuellen Bodenreport 2026 des WWF hält die Wirtschaftskammer an ihrer klaren Position fest: Grund und Boden sind eine wertvolle und begrenzte Ressource, mit der verantwortungsvoll und effizient umzugehen ist. Ein pauschales Höchstmaß beim Bodenverbrauch ist jedoch der falsche Weg. Sie würde notwendige betriebliche Entwicklungen und Infrastrukturprojekte erschweren und damit letztlich auch Wachstum, Arbeitsplätze und Wohlstand begrenzen.

Die Wirtschaft bekennt sich zu einem sorgsamen, effizienten und verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Boden. Gleichzeitig braucht ein wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort ausreichend Entwicklungsmöglichkeiten. „Eine pauschale Obergrenze beim Bodenverbrauch klingt auf den ersten Blick einfach, greift aber zu kurz. Sie würde letztlich zu einer Obergrenze unseres Wohlstands führen“, erklärt Julian Fässler, Direktor der Wirtschaftskammer Vorarlberg.

Die Wirtschaftskammer lehnt daher eine starre Vorgabe wie die vielfach diskutierten 2,5 Hektar pro Tag weiterhin ab. Der entscheidende Punkt ist: Heute lässt sich nicht seriös vorwegnehmen, welche Flächen in Zukunft für Wohnen, Betriebe, Infrastruktur oder andere gesellschaftlich notwendige Entwicklungen benötigt werden. Statt einer pauschalen Quote braucht es eine bedarfsorientierte und flächeneffiziente Entwicklung.

Gerade für Vorarlberg sind verfügbaren Flächen eine zentrale Standortfrage. Eine starre Begrenzung könnte notwendige Erweiterungen bestehender Unternehmen oder Neuansiedlungen verhindern. „Die Folge wären nicht weniger Flächenbedarf, sondern möglicherweise Investitionsverlagerungen an andere Standorte, Abwanderung von Betrieben und der Verlust von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung“, sagt Fässler.

Wachstum ohne zusätzliche Flächen ist unrealistisch

Wirtschaftliches Wachstum dauerhaft vollständig ohne zusätzliche Flächeninanspruchnahme zu ermöglichen, ist aus Sicht der Wirtschaft nicht realistisch. Fässler: „Innovation, Digitalisierung, Produktivitätssteigerungen, Nachverdichtung, Leerstandsmanagement und eine effizientere Nutzung bestehender Flächen können und sollen einen wichtigen Beitrag leisten. Sie werden aber allein nicht ausreichen, um die wirtschaftliche Entwicklung und das Wachstumspotenzial Vorarlbergs abzusichern.“

Die Wirtschaft braucht daher weiterhin verfügbare Betriebsgrundstücke – nicht als Selbstzweck, sondern als Voraussetzung für Investitionen, Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung und die Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts.

Narrativ der Wirtschaft als Treiber des Bodenverbrauchs wird abgelehnt

Ein durch die im Bodenreport gewählten Kriterien entstehendes Narrativ der Betriebsflächen als „kritisch“ beurteilter Treiber des Bodenverbrauchs weist die Wirtschaftskammer zurück. In Vorarlberg sind lediglich 0,6 Prozent der Landesfläche als Betriebsgebiete gewidmet. Sie sind damit kein wesentlicher Treiber der Flächeninanspruchnahme, aber für die regionale Wertschöpfung, Arbeitsplätze, Versorgungssicherheit und die Entwicklung bestehender Betriebe von großer Bedeutung.

Auch der Vorwurf, unverbaute Böden seien grundsätzlich unzureichend geschützt, greift zu kurz. Ein haushälterischer Umgang mit Grund und Boden und insbesondere eine bodensparende Nutzung von Bauflächen sind im Raumplanungsgesetz als Ziel verankert. Hinzu kommt die Landesgrünzone und Blauzone, die einen erheblichen Teil des Dauersiedlungsraums umfasst.

Flächensparen ja – aber mit Hausverstand

Die Wirtschaft sieht zahlreiche Möglichkeiten, den Flächenbedarf zu reduzieren: „Innenverdichtung, Nachnutzung, Bauen in die Höhe und höhere Baunutzungszahlen können dazu einen wichtigen Beitrag leisten“, sagt der WKV-Direktor. Gleichzeitig wird zusätzlicher Flächenbedarf für die wirtschaftliche Entwicklung nicht vollständig vermeidbar sein. Entscheidend ist daher eine Gesamtabwägung von Bodenschutz, Wohnraum, Infrastruktur, Wirtschaftsentwicklung und regionalen Besonderheiten statt einer starren Mengenbegrenzung.

Für eine sachliche Debatte muss zudem zwischen Flächeninanspruchnahme und tatsächlicher Versiegelung unterschieden werden. Nicht jede statistisch als „verbraucht“ erfasste Fläche ist tatsächlich vollständig verbaut oder versiegelt. Vorarlberg ist neben Wien zudem das einzige Bundesland, in dem die Flächeninanspruchnahme nicht stärker zunimmt als das Bevölkerungswachstum.