Wirtschaftskammer Vorarlberg warnt vor undifferenzierten Lohnforderungen
Überzogene Lohnforderungen gefährden Wettbewerbsfähigkeit und Jobs. Die Wirtschaft sieht Risiko für Inflation und fordert stabile Rahmenbedingungen.
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Die jüngsten medialen Aussagen von ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian, wonach er weitere Lohnzurückhaltungen bei künftigen Kollektivvertragsverhandlungen ablehnt, stoßen bei der Wirtschaftskammer Vorarlberg auf deutliche Kritik. WKV-Präsident Karlheinz Kopf warnt vor den wirtschaftlichen Folgen eines solchen Kurses und bezeichnet „pauschale Forderungen nach Lohnabschlüssen über der Inflationsrate als den falschen Weg“. Kopf: „Viele Betriebe stehen nach wie vor unter erheblichem Kosten- und Preisdruck. Steigende Energiepreise, hohe Zinsen und eine schwache Nachfrage setzen viele Unternehmen massiv unter Druck.“
Die Lohnpolitik in Österreich war in den vergangenen Jahren (insbesondere 2023–2024) durch hohe Abschlüsse geprägt, um die Kaufkraft angesichts der hohen Inflation zu erhalten, ohne dabei den geringen Wertschöpfungszuwachs zu berücksichtigen. Dies führte zu einer Lohn-Preis-Spirale, bei der hohe Abschlüsse die Inflation weiter befeuerten und die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Industrie im internationalen Vergleich schwächten.
Einzelnen Branchen geht es gut
Präsident Kopf weist darauf hin, dass einzelne gut laufende Branchen nicht als Maßstab für die gesamte Wirtschaft herangezogen werden dürfen. „Es ist zu einfach, von einzelnen Gewinnern auf alle Branchen zu schließen. Die Realität ist deutlich differenzierter“, erklärt der WKV-Präsident. Zugleich warnt die Wirtschaftskammer vor negativen gesamtwirtschaftlichen Effekten überhöhter Lohnabschlüsse. Diese würden nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen schwächen, sondern auch das Risiko einer weiteren Lohn-Preis-Spirale erhöhen. „Am Ende zahlen alle drauf. Betriebe durch steigende Kosten, Konsumentinnen und Konsumenten durch höhere Preise und Mitarbeitende durch Jobverluste“, begründet Kopf. Auch das Argument, höhere Löhne würden automatisch den Konsum stärken, greife zu kurz.
Nachhaltige Kaufkraft entstehe nur durch stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen und eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung. Die WKV spricht sich daher für einen verantwortungsvollen und differenzierten Zugang bei Kollektivvertragsverhandlungen aus. „Was wir brauchen, sind maßvolle, branchenbezogene Lösungen mit Augenmaß; keine pauschalen Forderungen, die den Standort gefährden“, hebt der WKV-Präsident abschließend hervor.