WKV fordert rasches Handeln nach Bildungstest: „Vorletzter Platz bei Volksschülern ist ein Alarmzeichen“
Die aktuellen Ergebnisse der bundesweiten Kompetenzmessung des Bildungsministeriums sind aus Sicht der Wirtschaftskammer Vorarlberg ein deutliches Warnsignal für die Bildungspolitik im Land und bestätigen das, was seitens der Wirtschaft bereits seit längerem wahrgenommen wird.
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Laut den neuen Daten liegen Vorarlbergs Volksschulkinder im Bundesländervergleich beim Lesen und Rechnen nur auf dem vorletzten Platz und damit jeweils unter dem ohnehin bereits niedrigen österreichischen Durchschnitt.
Konkret erreichen in Vorarlberg lediglich 81 Prozent der Kinder die Bildungsstandards in Mathematik – österreichweit sind es 84 Prozent. Noch deutlicher ist der Rückstand beim Lesen: Hier erfüllen nur 55 Prozent der Kinder die Standards, während der Österreichschnitt bei 59 Prozent liegt.
„Diese Zahlen zeigen klar, dass wir dringenden Handlungsbedarf haben“, betont Gudrun Petz- Bechter, Stv. Direktorin in der Wirtschaftskammer. Statt politischer Schuldzuweisungen zwischen Bund und Land und punktueller Maßnahmen brauche es jetzt ein gemeinsames, an klaren Strategien ausgerichtetes Vorgehen aller Verantwortlichen. „Die Schule hat einen klaren Leistungsauftrag. Dass dieser erfüllt wird, darf sich auch die Wirtschaft erwarten. Für die Wirtschaft sind solide Grundkompetenzen eine zentrale Voraussetzung für erfolgreiche Bildungs- und Berufswege, vor allem auch der Lehrausbildung. Wenn Kinder am Ende der Volksschule nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen können, gefährdet das letztendlich auch die Fachkräftebasis und die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung.“
Ganztagsschule als wirksamer Hebel
Als eine der wirksamsten strukturellen Maßnahmen sieht die Wirtschaftskammer den raschen Ausbau von Ganztagsschulen in verschränkter Form. „Wir appellieren daher an das Land Vorarlberg den Ausbau konsequent voranzutreiben“, sagt Petz-Bechter.
Bei diesem Modell wechseln sich Unterricht, Lern- und Freizeitphasen über den Tag hinweg ab. Hausaufgaben und Übungsphasen sind bereits in den Schulalltag integriert und werden unter pädagogischer Aufsicht erledigt.
Nach Ansicht der Wirtschaftskammer und diverser Studien entspricht dieses Konzept deutlich besser dem Biorhythmus der Kinder. Längere Lernblöcke ermöglichen moderne Unterrichtsformen wie Projektunterricht, Stationenbetrieb oder schülerzentriertes Lernen. Petz-Bechter: „Gleichzeitig kann der Lernstoff besser gefestigt werden und Lernschwierigkeiten werden früher erkannt. Darüber hinaus entwickeln Kinder in dieser Schulform auch soziale Kompetenzen, die später in Ausbildung und Beruf entscheidend sind.“ Wer heute konsequent in Bildung investiert, sichert morgen qualifizierte Fachkräfte.