25 Jahre Wiener Töchtertag, Immer mehr Mädchen gehen in technische Berufe
Der Wiener Töchtertag feiert am 23. April sein 25 jähriges Bestehen. Neue Zahlen zeigen einen klaren Trend bei technischen Lehrberufen, Verena Wiesinger spricht von einem deutlichen Wandel und einem klaren Auftrag an Wirtschaft und Politik.
Lesedauer: 4 Minuten
Der Wiener Töchtertag feiert am 23. April sein 25 jähriges Bestehen, und die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt einen klaren Trend: Immer mehr Mädchen entscheiden sich für technische Lehrberufe. Für Verena Wiesinger, Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft Wien, ist das ein deutliches Signal des Wandels, und zugleich ein Auftrag an Wirtschaft und Politik, diese Dynamik weiter zu stärken.
Mädchen sind in technischen Berufen angekommen – jetzt geht es darum, diesen Fortschritt nachhaltig abzusichern.
Verena Wiesinger
Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft Wien
Wachsender Frauenanteil in technischen Lehrberufen
Die aktuellen Zahlen der WKO Lehrlingsstatistik (12/2024) belegen diese Entwicklung: In der Lehrberufsgruppe Chemie/Kunststoff ist der Frauenanteil in den vergangenen zehn Jahren von 30,9 auf 39,9 Prozent gestiegen. In der Informatik, EDV und Kommunikationstechnik erhöhte er sich von 9,6 auf 12,4 Prozent. Auch in klassischen technischen Männerdomänen wie Metall oder Bau nähert sich der Anteil zunehmend der 10 Prozent Marke, von 5,7 auf 9,7 Prozent. In der Bau, Architektur und Gebäudetechnik stieg er von 6,0 auf 9,5 Prozent.
Besonders deutlich zeigt sich die Dynamik in absoluten Zahlen: Im Bereich Informatik befinden sich mittlerweile 751 Mädchen in Ausbildung, mehr als eine Verfünffachung seit 2014. In einzelnen Zukunftsberufen wie Applikationsentwicklung, Coding oder Chemieverfahrenstechnik liegt der Frauenanteil bereits bei rund 25 Prozent.
„Diese Zahlen sind ein zukunftsweisendes Signal: Mädchen gehen zunehmend in technische Berufe, und das mit großem Erfolg. Das ist ein Gewinn für die jungen Frauen und zugleich für den Wirtschaftsstandort, der dringend qualifizierte Fachkräfte benötigt“, so Wiesinger. „Mädchen sind in technischen Berufen angekommen, jetzt geht es darum, diesen Fortschritt nachhaltig abzusichern.“
Fachkräftebedarf trifft auf ungenutztes Potenzial
Vor dem Hintergrund des steigenden Fachkräftebedarfs und der fortschreitenden Digitalisierung sieht Wiesinger erheblichen Handlungsbedarf: „Die großen Zukunftsthemen, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und wirtschaftliche Resilienz, brauchen alle Talente. Gerade deshalb müssen wir das Potenzial junger Frauen in technischen Berufen konsequent fördern.“
Gleichzeitig verweist sie auf strukturelle und gesellschaftliche Hürden: „Frauen agieren oft vorsichtiger, insbesondere wenn es um finanzielle Entscheidungen oder unternehmerische Schritte geht. Dieser fehlende Mut zum Geld beginnt nicht erst im Unternehmertum, sondern häufig schon viel früher.“ Neben Information brauche es daher gezielte Stärkung von Selbstvertrauen und wirtschaftlicher Kompetenz.
Mut zu neuen Perspektiven
Anlässlich des Jubiläums richtet Wiesinger einen klaren Appell an Mädchen: „Der Wiener Töchtertag ist für mich der Tag der mutigen Perspektiven und neuen zukunftsweisenden Wege. Mädchen sollen sich nicht von überholten Rollenbildern einschränken lassen, sondern ihre Interessen und Talente ausleben und mit Freude verfolgen, gerade auch in technischen Berufen. Mehr Frauen in technologie und innovationsgetriebenen Branchen stärken nicht nur individuelle Karrierechancen, sondern auch den Wirtschaftsstandort insgesamt.“