Das echte Leben ist vor Ort
WK Wien-Präsidentin Margarete Kriz-Zwittkovits startet Bezirksgespräche. Die Inputs fließen in ein neues Wirtschaftsprogramm ein.
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Im Bild: WK Wien-Präsidentin Margarete Kriz-Zwittkovits mit dutzenden Wirtschaftstreibenden beim Netzwerktreffen im Rahmen der Bezirksgespräche im 9. Bezirk.
Die Wirtschaftskammer Wien ist in ein neues Zeitalter gestartet: Näher bei den Wiener Unternehmen, mehr gemeinsam mit den Betrieben, viel vor Ort. Denn das echte Wirtschaftsleben spielt sich nur vor Ort ab - in den Unternehmen, Grätzeln und Bezirken. „Mir ist der direkte Kontakt zu den Betrieben wirklich wichtig, weil man dort erfährt, wo der Schuh drückt”, sagt WK Wien-Präsidentin Margarete Kriz-Zwittkovits, die im Sommer - kurz nach ihrer Angelobung - eine Tour durch alle Wiener Bezirke angekündigt hat. Neun Jahre lang war sie als Bezirksobfrau der WK Wien im 19. Bezirk vor Ort engagiert und weiß, wie vielfältig die Anliegen der Unternehmen sind. Oft seien es gar nicht die großen politischen Themen, sondern schwierige Genehmigungen, unnötige Bürokratie und das Arbeitsrecht, bei denen sich die Unternehmen Unterstützung von der WK Wien wünschen, berichtet Kriz-Zwittkovits aus ihrer Erfahrung. „Diese Themen müssen bei uns ankommen - und sie sollen unser Wirtschaftsprogramm prägen. Deshalb hole ich mir den Input dort, wo gearbeitet wird: in allen 23 Bezirken.”
Viele Sorgen im betrieblichen Alltag
Gestartet hat sie die Bezirksgespräche am 8. Oktober im 9. Bezirk, Alsergrund. An brisanten Themen mangelt es dem Bezirk nicht. So leiden ansässige Betriebe etwa unter der Belastung, die der Bau des U2-U5-Kreuzungspunkts Frankhplatz seit Jahren mit sich bringt. Zudem gibt es zur Flächennutzung rund um die Station viele offene Fragen, die die Betriebe verunsichern. Weitere U5-Baustellen starten 2028 im Bezirk - auch dort werden viele Geschäfte und Lokale stark betroffen sein. Bis Juli 2027 gebaut werden wird zudem ein Radweg in der Althanstraße. Die Stellplätze auf der gesamten Straßenlänge werden entfallen. Eine wichtige Ladezone wird zwischen Fahrbahn und Radweg verlegt, was für die Be- und Entladung und den Radverkehr ein Sicherheitsrisiko mit sich bringen wird.
Wir werden mehr Aufmerksamkeit und Ressourcen in die Arbeit vor Ort legen.

Margarete Kriz-Zwittkovits
Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien
Sorgen bereitet auch der teilweise sehr große Leerstand in der Erdgeschoßzone, etwa in der Alserbachstraße. Licht und Schatten gibt es im trendigen Servitenviertel, das seit 2024 über eine eigene Fußgängerzone verfügt. Heute ist sie ein lebendiger Treffpunkt für die Menschen dieses gefragten Wohnviertels, der ansässigen Unternehmen und vieler Gäste, die die entspannte Atmosphäre und das gehobene Angebot der Betriebe schätzen. Zusätzliche Impulse bringen die Unternehmen, die in der Interessengemeinschaft Servitenviertel zusammengeschlossen sind und jedes Jahr ein Frühlingsfest organisieren, oder die Standler am Servas Markt, der jeden Donnerstag vor der Servitenkirche stattfindet. Doch es gibt auch Probleme, die die an sich gelungene Attraktivierung des Grätzels mit sich brachte: In der Fußgängerzone werden die Verkehrsregeln nicht immer eingehalten, im Marktbereich sind oft viele Obdachlose. „Wir haben das im September bei einem Grätzeldialog mit der Bezirksvertretung, Magistraten, der Suchthilfe und dem Obdachlosenheim Müllnergasse zum Thema gemacht und hoffen nun auf Besserung”, sagt Vera Schmitz, Bezirksobfrau der WK Wien im 9. Bezirk.
Schmitz begleitete Kriz-Zwittkovits bei den Bezirksgesprächen am Alsergrund und machte sie mit einigen lokalen Betrieben bekannt. Darunter das Teehaus „Green Tea Blue Sky” von Richard Eigner und Maria Schlechter in der Porzellangasse, wo Premium-Matcha von Traditionshäusern und japanische Lebensmittel verkauft werden und Teeverkostungen stattfinden. Eine Baustelle am eigenen Haus macht dem Unternehmen derzeit große Sorgen, weil der Bauzaun die Sichtbarkeit des Geschäfts einschränkt. Für eben solche Fälle bietet die WK Wien ein passendes Service: Baustellenmarketing.
Die Vielfalt der lokalen Wirtschaft
Mit Baustellen hat auch der Juwelier Schwödt am Julius-Tandler-Platz schon schwierige Erfahrungen gemacht. Dem Uhrmacher-Meisterbetrieb der Brüder Florian und Lucas Holdhaus bereitet aber vor allem die angespannte Parkplatzsituation Sorgen. Geholfen hat ihm letzten Winter die WK Wien, indem sie mit nahegelegenen Parkhäusern für das Weihnachtsgeschäft einen vergünstigten Tarif für Kundinnen und Kunden ausverhandelt hat.
Ein Treffen gab es auch mit Immobilienentwickler Martin Krautgartner, der Einblick in das Althan Quartier über dem Franz-Josefs-Bahnhof gab: Bis Anfang 2025 entstanden hier hochwertige Flächen für Büro, Gastronomie, Handel und Dienstleistung sowie ein Hotel, eine Parkgarage und 250 Wohnungen. Auch der Julius-Tandler-Platz wurde neugestaltet.
Viel kennenzulernen und zu besprechen gab es für Kriz-Zwittkovits auch eine Woche später in der Josefstadt, wo sie vom WK Wien-Bezirksobmann für den 8. Bezirk, Georg Senft, begleitet und informiert wurde. Wie alle Bezirksobleute der WK Wien, ist auch Senft ein hier ansässiger Unternehmer und kennt den flächenmäßig kleinsten Bezirk Wiens wie seine Westentasche. „Auch bei uns in der Josefstadt ist die Parkplatzsituation ein besonders kritisches Thema. Sie hat Folgen für die Erreichbarkeit der Betriebe durch Kundinnen und Kunden, aber auch durch Lieferanten”, erklärt Senft. Besonders stolz ist er daher über die Pionierrolle, die die Josefstadt bei der Schaffung von Grätzl-Ladezonen hat. 15 dieser speziellen Ladezonen, die Betriebe und Private gleichermaßen nutzen können, gibt es bereits - so viele wie in keinem anderen Bezirk. „Das ist ein Ergebnis, das auf die Arbeit vor Ort zurückgeht”, sagt Senft.
Bauen bringt Sorgen, Nicht-Bauen auch
Wenig Freude hat Senft hingegen mit der aus Geldgründen aufgeschobenen Neugestaltung der Lerchenfelder Straße; sie hätte nach der Erneuerung der Gleisanlagen beginnen sollen und mehr Aufenthaltsqualität und Fernwärmeanschlüsse gebracht. Ein neues Startdatum gibt es nicht. Seit kurzem in Bau ist hingegen die Umgestaltung des Josef-Matthias-Hauer-Platzes, der bis September 2027 vom Verkehrsknotenpunkt zum Ort der Begegnung werden soll, bis dahin jedoch Straßensperren, Umleitungen und Bauzäune bringt. Probleme machen den ansässigen Betrieben auch vermehrte Einbrüche in Geschäften durch strafunmündige Jugendliche und erhebliche Mietpreissprünge im Zuge von Betriebsübernahmen.
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Seine Betriebsübernahme in der Josefstadt gut über die Bühne gebracht hat Gregor Grohmann. Er hat im Juli 2025 eine der ältesten Buchhandlungen Wiens übernommen, Eckart Buchhandlung. Das historische Interieur und die persönliche Beratung führt er weiter, Kriz-Zwittkovits besuchte ihn in seinem Laden. Und auch ein anderer Übernehmer stand auf ihrer Besuchsliste: Erwin Lehner ist seit 2024 stolzer Inhaber von Beranek Leuchten. Den jahrzehntealten Schauraum hat er grundlegend modernisiert und Anfang 2025 neu eröffnet. Spezialisiert ist er auf hochwertige Leuchten, individuelle Lichtplanung und lichttechnische Beratung.
Auch ein echter Leitbetrieb des Bezirks stand am Programm: das seit 1788 bestehende Theater in der Josefstadt, das eine der führenden Kulturinstitutionen der Stadt und ein großer Wirtschaftsfaktor ist. Seit September 2026 hat es eine neue Führung: Mit Marie Rötzer steht erstmals eine Künstlerische Leiterin an der Spitze des Theaters, Kaufmännischer Leiter ist Stefan Mehrens.
So gehen die Bezirksgespräche weiter
Heute, Donnerstag, steht der 7. Bezirk im Mittelpunkt der WK Wien-Bezirksgespräche. Kriz-Zwittkovits und der Bezirksobmann für den 7. Bezirk, Markus Frömmel, besuchen hier mehrere ansässige Betriebe und kommen am Abend mit dutzenden Unternehmerinnen und Unternehmern des Bezirks beim Netzwerktreffen ins Gespräch. Bis Jahresende sind noch drei weitere Bezirksgespräche geplant:
- 18. Bezirk, Währing, am 11. November
- 2. Bezirk, Leopoldstadt, am 1. Dezember
- 1. Bezirk, Innere Stadt, am 9. Dezember.
Alle weiteren Bezirke folgen im neuen Jahr. Anschließend wird das neue Wirtschaftsprogramm der WK Wien mit den vielen gesammelten Inputs fertiggestellt und präsentiert. Es wird die Grundlage der WK Wien-Arbeit in den kommenden Jahren bilden.