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Unternehmerin in Businessoutfit in ihrem Betrieb
© Florian Wieser

Innovationen – Made in Vienna

Welches Potenzial in Wiens Betrieben vorhanden ist, bringen alljährlich die Einreichungen zum Mercur Innovationspreis der WK Wien ans Licht.

Lesedauer: 9 Minuten

Aktualisiert am 06.08.2026

Im Bild: Natascha Missbach, Co-Gründerin der nagene GmbH, erhielt den Mercur Innovationspreis in der Kategorie Gesundheit

Von den diesjährigen Siegerprojekten werden wir noch öfter hören. 
In diesem Jahr wurden 87 Projekte für den Mercur Innovationspreis eingereicht. Der Award wird seit 1987 von der WK Wien verliehen, die Besten dieses Landesinnovationspreises sind zudem für den Staatspreis Innovation nominiert. Der Preis macht alljährlich sichtbar, wie eng technologische Entwicklung, wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftlicher Mehrwert miteinander verbunden sind. 

Für unser Unternehmen ist die Auszeichnung ein starkes Signal nach außen gegenüber unseren Kunden und Partnern. Es zeigt, dass unsere Technologie als relevant wahrgenommen wird.

Einer der heuer ausgezeichneten innovativen Köpfe ist Natascha Missbach, die mit ihrem Unternehmen nagene GmbH und dem Projekt „Next-Generation DNA Synthesis Platform for Complex Genes and GMP Applications” in der Kategorie Gesundheit gewonnen hat. Die neuartige Plattform ist auf lange und hochkomplexe DNA-Sequenzen ausgerichtet. Dadurch können komplexe Gene schneller, zuverlässiger und in höherer Qualität hergestellt werden. Das eröffnet neue Perspektiven - etwa für mRNA- und DNA-Therapeutika, Zell- und Gentherapie sowie Impfstoffentwicklung. „Wir haben sehr früh gesehen, dass bestehende DNA-Syntheseverfahren bei komplexen Genen an ihre Grenzen stoßen - sowohl technisch als auch wirtschaftlich. Hier haben wir eine Forschungslücke gesehen und eine Technologie entwickelt, die diese Lücke schließt. Somit können wir Therapien beschleunigen und viel mehr Krankheiten behandeln - das ist unsere Mission”, erläutert Missbach, die zuvor in Pharmafirmen im Managementbereich tätig war. Nagene hat sie 2023 gemeinsam mit ihrem früheren Arbeitskollegen, dem Molekularbiologen Florian Höfig, gegründet.

Die Geschäftsführerin hat schon immer vom Laborkittel geträumt und einen Drang zum Gründen verspürt, weshalb sie sich über diese Auszeichnung besonders freut: „Der Mercur Award ist für mich persönlich eine große Anerkennung dafür, dass wir als kleines, fünfköpfiges Team sehr früh das Risiko auf uns genommen haben und auf dem richtigen Weg sind. Für unser Unternehmen ist die Auszeichnung ein starkes Signal nach außen gegenüber unseren Kunden und Partnern. Es zeigt, dass unsere Technologie als relevant wahrgenommen wird.” 

Skill-basiertes Job-Matching

Der Welt etwas Gutes tun will auch das Gründungsteam der Nejo FlexCo, Simona Hübl, Nikolas Wageneder und Agry Zarza. Sie nahmen in der Kategorie Digitalisierung den Mercur Innovationspreis mit nach Hause. In ihren bisherigen Jobs machte ihnen im Recruiting der Fachkräftemangel zu schaffen und sie erfuhren, wie schwierig es sein kann, offene Stellen zu besetzen. In ihrem privaten Umfeld häuften sich parallel dazu Personen mit überraschendem Jobverlust, die trotz hoher Qualifikation länger keinen neuen Job fanden. „Wir dachten uns, dass es heute mit den Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz bessere Lösungen geben muss, um dieses Miss-Match am Arbeitsmarkt aufzulösen”, schildert Simona Hübl.

Die Plattform Nejo setzt auf skillbasiertes Job-Matching, wo sämtliche Fähigkeiten und Interessen in die Jobsuche einbezogen werden und nicht mehr oder minder ausschließlich auf die Ausbildung fokussiert wird. Dafür werden vorab Arbeitssuchende ausführlich nach ihren Fähigkeiten, Begabungen und Interessen befragt, die in Folge mittels KI mit offenen Stellen abgeglichen werden. Um an Positionen am versteckten Stellenmarkt heranzukommen, wird das Web mehrmals täglich über ein selbst entwickeltes Suchmaschinen-Tool nach offenen Positionen abgesucht und so die Möglichkeit für Jobsuchende erhöht, rasch einen passenden Arbeitsplatz zu finden. 

Auf Basis von Skills eine Arbeit zu suchen, war bisher nicht möglich.

Nejo ist für Jobsuchende kostenfrei. Geld verdient das Gründerteam, das mittlerweile drei Mitarbeitende beschäftigt, bei Anfragen aus Unternehmen nach gezielten Positionen. „Mittlerweile sind rund 350.000 Personen auf Nejo registriert, von denen wir sehr viel wissen. Daher können wir auch gezielt nach Kandidatinnen und Kandidaten suchen, gerade wenn Stellen schwierig zu besetzen sind”, schildert Hübl.

Die Steckdose neu erfunden

„Für mich und mein Produkt bedeutet der Mercur Innovationspreis eine enorme Unterstützung und Anerkennung. Ich freue mich, dass meine Leistung, mein Produkt und dessen Wert gesehen werden”, sagte Selmir Ahmic von Mass Tech Innovations, im Rahmen der Mercur-Preisverleihung. Seine Erfindung, eine ausfahrbare Steckdose, erhielt den ersten Platz in der Kategorie Kreativität. Geschaffen wurde hier ein grundlegend neues System der Steckdose. Durch die Kombination eines mechanisch ein- und ausfahrbaren Steckdosenkragens und einer ausgelagerten Versorgungseinheit wurde die notwendige Einbautiefe auf 19 mm (von 35 - 40 mm) reduziert. So können nun erstmals Stromanschlüsse in dünne Oberflächen wie Möbel oder Tischplatten verbaut werden. Die zentrale Versorgungsbasis wiederum ermöglicht neben der Stromversorgung auch smarte Funktionen wie IoT-(Internet of Things) Integration. 

Ich freue mich, dass meine Leistung, mein Produkt und dessen Wert gesehen werden.

Kooperationspartner ist die in Süddeutschland angesiedelte Bachmann GmbH, mit der noch heuer die erste Möbelsteckdose am internationalen Markt eingeführt wird. Neben dem Mercur erhielt die patentierte Lösung aus Wien übrigens auch den German Design Award 2026. „Es sind die ersten Bestätigungen, dass die Technologie tatsächlich anerkannt wird”, freut sich Ahmic.

KI optimiert das Heizen

In der Energiebranche tätig ist Kevin Bauer-Hentschke, der den Mercur Award in der Kategorie Nachhaltigkeit mit seinem Betrieb Wohnio GmbH und dem Projekt „Wohnio: KI und IoT-basierte Heizoptimierung für den mehrgeschoßigen Wohnbau” gewonnen hat. Die Technologie kombiniert minimal-invasive IoT-Hardware, cloudbasierte Optimierung und einen digitalen Zwilling der Heizanlage. Gesteuert wird sie direkt im Heizkeller, ohne in Wohnungen oder den laufenden Betrieb einzugreifen. Dadurch profitieren die Mieterinnen und Mieter von einer Heizkostenreduktion um bis zu 30 Prozent. Rund 16 Tonnen CO2, abhängig vom Gebäudetyp, können pro Jahr eingespart werden.

Die Auszeichnung ist für Wohnio eine große Motivation und stärkt unsere Glaubwürdigkeit sowie das Vertrauen in unsere Lösung.

„In der Energiebranche ist es oft eine Herausforderung, Innovationen erfolgreich zu etablieren, da neue Systeme für Kundinnen und Kunden mit einer sorgfältigen Investitionsentscheidung verbunden sind. Die Auszeichnung ist für Wohnio eine große Motivation und stärkt unsere Glaubwürdigkeit sowie das Vertrauen in unsere Lösung. Es freut mich besonders, dass unsere Heizoptimierung von einem unabhängigen Gremium so positiv bewertet wurde und als echter Mehrwert für die Branche wahrgenommen wird”, erläutert der Unternehmer.

Die Co-Entwicklung des ersten Systems gemeinsam mit großen Wohnbauträgern hat eineinhalb Jahre gedauert, doch die Heizsysteme werden stets weiterentwickelt. Bauer-Hentschke hat einige Jahre bei einem Technologiekonzern gearbeitet, ehe er 2023 Wohnio gegründet hat, um etwas Eigenes zu schaffen. Das Unternehmen hat sich in Ostösterreich bereits gut etabliert und betreut auch Kunden in Deutschland. Das nächste Ziel ist die Expansion nach Osteuropa.

3 Männer und 1 Frau im Businessoutfit auf einem begrünten Platz in Wien
© Florian Wieser Von den diesjährigen Siegerprojekten werden wir noch öfter hören. Die Preisträger des Mercur Innovationspreises (v.l.): Kevin Bauer-Hentschke (Wohnio GmbH), Nikolas Wageneder (Nejo FlexCo), Selmir Ahmic (Mass Tech Innovations GmbH) und Natascha Missbach (nagene GmbH)

Österreich im EU-Vergleich

Im European Innovation Scoreboard der EU-Kommission, das im Juli veröffentlicht wurde, belegt Österreich den 8. Rang und behauptet damit erneut seinen Platz in der Riege der „Strong Innovators”. Ausschlaggebend für die Rangliste aus EU- und Nicht-EU-Ländern sind 32 Indikatoren zur Messung der Innovationskraft eines Landes. Zu den Stärken Österreichs zählen demnach der Bereich geistiges Eigentum (Patent-, Marken- und Design-anmeldungen), die Ausgaben für Forschung und Entwicklung im öffentlichen und privaten Sektor, die Zahl der öffentlich-privaten Co-Publikationen sowie die direkte und indirekte Forschungsförderung im Business-Sektor

Ostregion als Strong Innovator+ 

Die Region Ostösterreich liegt laut einer regionalen Auswertung (Juli 2025) sogar etwa 5 Prozentpunkte über dem österreichischen Durchschnitt und rund 20 Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt. Damit wird diese sogar als „Strong Innovator+” eingestuft. Gerade Wien vereint, nicht zuletzt aufgrund der hier ansässigen Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und innovativen Start-up-Szene, mehrere Standortvorteile. Die hier auf den Markt gebrachten Innovationen wiederum wirken sich positiv auf den Wirtschaftsstandort aus. Denn sie bedeuten Umsatzwachstum, internationale Sichtbarkeit, hochwertige Arbeitsplätze sowie höhere Produktivität.

Allerdings ist dies kein Selbstläufer. Gefragt ist hier die Politik, die Standortbedingungen weiter zu verbessern, um Innovationen zu erleichtern. Dazu zählen etwa der weitere Ausbau der digitalen Infrastruktur, verbesserte rechtliche Rahmenbedingungen, der Abbau bürokratischer Hürden sowie ein einfacherer Zugang zu Förderungen. 

Eine Person in einem blauem Hemd hält eine Glühbirne in die Kamera. Neben der Glühbirne sind Grafiken von Zahnrädern
© Kiattisak | stock.adobe.com

Österreichs Innovationskraft in Zahlen


60 % der heimischen Unternehmen

gaben an, Innovationstätigkeiten zwischen 2022 und 2024 gesetzt zu haben. 

63,3 % der Sachgüterhersteller

setzten zwischen 2022 und 2024 Innovationstätigkeiten (Dienstleister: 58 Prozent).

19,4 % der österreichischen Unternehmen

lancierten im Jahr 2024 eine Marktneuheit. 

11,3 % ihres Umsatzes

erwirtschafteten die österreichischen Betriebe allein mit ihren Innovationen (2022: 10,1 Prozent).

1504 Markenanmeldungen aus Wien 

gingen beim Österreichischen Patentamt im Jahr 2025 ein, so viele wie aus keinem anderen Bundesland (österreichweit: 5022). 

428 Wiener Erfindungen 

(Patente und Gebrauchsmuster) wurden 2025 beim Österreichischen Patentamt angemeldet, Wien belegt hier Platz 3 (österreichweit 2272).

European Innovation Scoreboard Länder-Ranking (Top 10)

 
1. Platz Schweden
 2. Platz Dänemark
 3. Platz Niederlande
 4. Platz Finnland
 5. Platz Belgien
 6. Platz Irland
 7. Platz Luxemburg
 8. Platz Österreich
 9. Platz Deutschland
10. Platz Frankreich
Quellen: Statistik Austria/ Österreichisches Patentamt  

Über den Mercur
Seit 1987 wird der Innovationspreis Mercur von der WK Wien an Wiener Betriebe vergeben. Insgesamt gab es bereits 245 Preisträger. Eingereicht werden kann in vier Kategorien - Gesundheit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Kreativität.

Zum Preis zugelassen sind Produkt- und Prozessinnovationen, die entweder bereits am Markt verfügbar sind oder eine wirtschaftliche Verwertung nachweislich unmittelbar bevorsteht. Die besten Projekte werden vom Industriewissenschaftlichen Institut auf Basis eines wissenschaftlichen Bewertungssystems sowie von einer unabhängigen Jury ermittelt.

Die ersten Plätze erhalten jeweils ein Preisgeld von 8000 Euro. Die besten Einreichungen sind zudem für den österreichischen Staatspreis Innovation nominiert. 

wko.at/wien/mercur