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Martina Candillo, Geschäftsführerin des Vienna Congress & Convention Center (Viecon Messe Wien)
© Viecon / FRB Media

Neue Trends bei Wiener Kongressen

2025 hat Wien die beste Kongressbilanz seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht. Der Wirtschaft bringt das viel Wertschöpfung. Zugleich verfestigen sich neue Trends bei der Ausrichtung von Messen, Konferenzen und Fachtagungen.

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Aktualisiert am 28.04.2026

Im Bild: Martina Candillo, Geschäftsführerin des Vienna Congress & Convention Center (Viecon Messe Wien)

Mit dem vergangenen Jahr ist Martina Candillo sehr zufrieden. Sie ist Geschäftsführerin der Viecon Messe Wien, die Teil der stadteigenen Wien Holding ist. Mehr als 40 Großveranstaltungen hat es 2025 im Viecon Center geben, ein Drittel davon hatte internationale Teilnehmende. Viecon hat für 350.000 Nächtigungen in der Stadt gesorgt. Heuer soll es sogar noch besser laufen: „Es sind rund 45 Veranstaltungen gebucht, darunter 17 mit internationalem Publikum. Acht Veranstaltungen werden zudem als zertifizierte Green Events durchgeführt”, berichtet Candillo. Stark frequentierte Publikumsmessen bei Viecon sind beispielsweise die Vienna Comic Con oder die Buch Wien. Besondere Highlights sind heuer zudem eine internationale Konferenz zu Robotik and Automatisierung mit 4000 Teilnehmenden, ein Kongress zur Netzhautforschung mit 9000 Gästen sowie eine Energiefachkonferenz, zu der 15.000 Personen erwartet werden.
Mit diesen Zahlen hat Viecon im Vorjahr zum besten jemals gemessenen Kongressjahr Wiens beigetragen. Fast 7200 Kongresse und Firmen-Events markierten einen neuen Höchststand, ebenso die Zahl der Teilnehmenden (knapp 800.000) und die unmittelbar ausgelösten Nächtigungen (mehr als 2,5 Millionen).

Noch nicht am Plafond angekommen

Der Erfolg Wiens bei Kongressen und Firmen-Events hat gute Gründe. „Unsere Leitidee ist, dass sich die Räume den Wünschen des Kunden anpassen und nicht der Kunde sich den Räumlichkeiten. Das schafft eine große Flexibilität und wird von den Veranstaltern sehr geschätzt”, erzählt Candillo aus ihrem Alltag. Hospitality also Gastfreundschaft gehöre zu den Kernwerten des Viecon Centers. Wien sieht sie als Kongressmetropole noch lange nicht am Plafond angekommen. „Im Gegenteil: Wir stehen eher an einem strategischen Wendepunkt, wo Infrastruktur zum entscheidenden Wachstumsfaktor wird. Wien ist international extrem erfolgreich im Kongress- und Meetingbereich. Aber wenn wir weiter wachsen wollen, vor allem im hochkarätigen internationalen Segment, dann müssen wir gezielt in die Weiterentwicklung unserer Meetinginfrastruktur investieren.” Das betreffe Kapazitäten und Flexibilität, denn Veranstaltungen werden komplexer, individueller und oft kurzfristiger angepasst, zeigt der Trend. „Wien hat die Nachfrage, die Marke und die Qualität. Jetzt geht es darum, die infrastrukturellen Voraussetzungen zu schaffen, um dieses Wachstum auch langfristig tragen zu können”, sagt Candillo. Denn auch der internationale Mitbewerb investiert massiv: „Städte wie Barcelona, Kopenhagen oder Brüssel entwickeln ihre Meetinginfrastruktur konsequent weiter. Wenn wir jetzt in die richtige Infrastruktur investieren, hat Wien die Chance, nicht nur mitzuhalten, sondern sich langfristig noch klarer an der Spitze zu positionieren.” 

Kongresse sorgen für Frequenz und leisten einen zentralen Beitrag zur Wertschöpfung in Wien.

Nachhaltigkeit wird wichtiger

Dabei geht es auch um Investitionen in Nachhaltigkeit, die für Veranstaltende immer wichtiger wird. Heuer wird am Dach der Halle A eine 2500 kWp Photovoltaikanlage errichtet, sie wird so viel Strom produzieren, wie 876 Haushalte im Schnitt benötigen. „Das Projekt setzt ein starkes Zeichen für den Einsatz erneuerbarer Energie in der Eventbranche und ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltig betriebenen Veranstaltungsinfrastruktur”, sagt Candillo. Auch mit der Umstellung auf LED-Beleuchtung ist man zu über 90 Prozent fertig. „Gerade im internationalen Wettbewerb wird sehr genau geprüft, wie nachhaltig eine Destination und Location aufgestellt ist”, so die Viecon-Geschäftsführerin. Die Veranstaltungswirtschaft sieht sie insgesamt als entscheidenden Wirtschaftsfaktor für das Ökosystem der Stadt, der Nächtigungen sichert und eine kaufkräftige Zielgruppe hierher bringt. „Wir sind sehr froh, zur wirtschaftlichen DNA der Stadt beitragen zu können”, sagt Candillo.

Emotionaler Mehrwert statt nur groß

Äußerst zufrieden mit dem vergangenen Jahr ist auch Susanne Baumann-Söllner, Kongresschefin des Austria Center Vienna (ACV): „2025 war für uns ein sehr starkes Jahr.” Fixpunkte waren hier der europäische Radiologiekongress und die Generalversammlung der europäischen Geowissenschaften mit jeweils rund 20.000 internationalen Teilnehmenden. „Bei 76 weiteren großen Kongressen konnten wir zeigen, wie konsequent wir immersive Eventerlebnisse, Digitalisierung und flexible Raumkonzepte verbinden. Das bestätigt unseren strategischen Kurs sehr klar”, sagt die Vorstandssprecherin.
Auch 2026 sei sehr gut gestartet. „Die Buchungslage ist ausgezeichnet, die Nachfrage nach anspruchsvollen Kongressen und Firmenevents weiterhin hoch, insbesondere international.” Als klaren Trend sieht sie, dass Veranstaltende heute mehr Erlebnisqualität erwarten und effizienter planen. Digitale Infrastruktur sei dabei ein zentraler Qualitätsfaktor. Hybride Elemente blieben relevant, Nachhaltigkeit sei Standard, Formate würden bewusster konzipiert. „Qualität, Flexibilität und emotionaler Mehrwert stehen klar vor reiner Größe”, sagt Baumann-Söllner. Das ACV werde heuer daher die digitale Infrastruktur weiter ausbauen, noch flexiblere Nutzungskonzepte ermöglichen und das Kundenportfolio gezielt internationalisieren. „Unser Anspruch ist klar: Events unterschiedlicher Größenordnungen sollen bei uns zukunftssicher, skalierbar und emotional wirksam umgesetzt werden können”, so Baumann-Söllner.

Kongresse sind Teamarbeit

Bei der Umsetzung von Kongressen und Tagungen lege sie besonderen Wert auf das Gesamterlebnis. Das reiche von reibungslosen Abläufen über maximale Flexibilität in der Raumgestaltung bis hin zu modernster Technik. Entscheidend sei aber auch das Team dahinter. Bei der Akquise neuer Events denke man international und zunehmend datenbasiert. Man setze aber auch stark auf persönliche Beratung und betreue gleichzeitig die vielen Stammkunden, die das Fachwissen, eingespielte Prozesse und Planungssicherheit schätzten.

Wachsende Konkurrenz für Wien

Für die Zukunft ist Baumann-Söllner optimistisch: „Der Markt ist anspruchsvoller geworden, aber keineswegs ausgeschöpft.” Das größte Potenzial liege in hochwertigen, international ausgerichteten Formaten. „Wien punktet hier als sichere, hervorragend angebundene Destination und wir als Venue (Anm.: Veranstaltungsort) stellen sicher, dass komplexe Programme operativ auf höchstem Niveau umgesetzt werden”, so die Vorständin. Die internationale Konkurrenz sei zwar spürbar gewachsen. Gleichzeitig bleibe Wien aber ein sehr starker Standortfaktor. Entscheidend sei heute jedoch nicht mehr nur die Stadt, sondern das Zusammenspiel aus Destination und leistungsfähiger Venue. „Wenn beides auf Top-Niveau zusammenwirkt, dann ist Wien nicht Teil des Wettbewerbs, sondern Teil der Benchmark”, sagt die ACV-Chefin.

Hohes Dienstleistungsniveau

„Die neuen Rekordzahlen der Meeting-Destination Wien beweisen einmal mehr das hohe Niveau der Dienstleistungen unserer Tourismus- und Event-Branche”, sagt Wirtschaftskammer Wien-Präsident Walter Ruck. Das sei das Ergebnis harter Arbeit und ausgezeichneter Vermarktung, denn der Meetingsektor sei weltweit heiß umkämpft. Nicht ohne Grund: „Meeting- und Kongressgäste lassen deutlich mehr Geld in unserer Stadt als andere Touristinnen und Touristen. Und sie sind auch Botschafterinnen und Botschafter für Wien. Fast alle Meetinggäste wollen Wien wieder besuchen”, berichtet Ruck aus einer Befragung, die das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo unter 819 Teilnehmenden größerer Kongresse durchgeführt hat. 89 Prozent von ihnen reisten aus dem Ausland zu einem Kongress in Wien an und blieben im Schnitt 4,4 Nächte. Viele verlängerten ihren beruflichen Aufenthalt, um Wien zu erleben, jeder Vierte hatte eine Begleitperson mit. Wichtige Impulse also für viele Branchen, nicht nur für die Hotellerie. „Das zeigt den Weg vor, den wir als Tourismus-Destination gehen wollen und ist auch Auftrag, laufend an der Qualität zu arbeiten und das schon hohe Niveau unserer Fachkräfteausbildung weiter zu verbessern”, sagt Ruck.

Führende Rolle weiter ausgebaut

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig sieht den Wiener Weg mit der neuesten Kongressbilanz bestätigt: „Wien hat seine Rolle als weltweit führende Meeting-Destination weiter gefestigt und den Vorsprung ausgebaut. Gerade in weltpolitisch herausfordernden Zeiten sehen wir, dass es sich auf allen Ebenen auszahlt, dass Wien eine weltoffene Metropole des Friedens, des Miteinanders und des Dialogs ist.” Wien habe sich dank seiner Kongresstradition, ausgezeichneten Infrastruktur und gezielten Positionierung als internationaler Treffpunkt für Wissenschaft, Wirtschaft und Innovation fest etabliert, so Ludwig. 

Kongressbilanz 2025
© wkw/Quelle: Wien Tourismus / Wifo