Paketsteuer: Wiener Handel warnt vor Mehrkosten für Händler und Konsumenten
Die geplante nationale Paketsteuer von 2 Euro soll internationale Billigplattformen treffen. Der Wiener Handel sieht jedoch schwere Konstruktionsfehler und fordert einen Stopp der Pläne.
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Der Wiener Handel spricht sich klar gegen die geplante nationale Paketsteuer von 2 Euro aus. Was als Maßnahme gegen internationale Billigplattformen angekündigt wird, trifft aus Sicht der Wiener Handelsobfrau Margarete Gumprecht vor allem heimische Unternehmen und Konsumenten.
Die geplante Paketsteuer belastet aus Sicht des Wiener Handels nicht die internationalen Online-Giganten, sondern österreichische Händler und Konsumenten. Gumprecht warnt vor neuen Hürden, Hindernissen und Gebühren für den heimischen Handel.
Wenn es um Fairness, Umweltstandards oder problematische Drittstaatenimporte geht, braucht es Maßnahmen bei Zoll, Produktsicherheit, Marktaufsicht und europaweit einheitliche Regeln, nicht zusätzliche nationale Belastungen für Wiener Betriebe.

Margarete Gumprecht
Obfrau der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien
Paketsteuer soll Billigplattformen treffen, belastet laut Handel aber heimische Betriebe
„Neue Hürden, Hindernisse und Gebühren sind genau das Gegenteil von dem, was der heimische Handel benötigt“, sagt Gumprecht. Wer glaube, mit einer nationalen Paketabgabe internationale Online-Giganten zu besteuern, sei auf dem Holzweg.
Die Zeche zahlen laut Gumprecht die österreichischen Händler und Konsumenten. Denn die geplante Regelung trifft aus Sicht des Wiener Handels nicht nur große Versandunternehmen, sondern auch zahlreiche kleine Wiener Händler, die über Plattformen verkaufen oder digitale Vertriebskanäle nutzen.
Kleine Händler auf Amazon und eBay indirekt betroffen
Besonders kritisch sieht der Wiener Handel die vorgesehene Regelung, wonach Umsätze über Marktplätze dem Plattformbetreiber zugerechnet werden. Zwar soll die Abgabe erst für Unternehmen ab 100 Millionen Euro Jahresumsatz gelten.
Indirekt betroffen wären aber auch viele Klein- und Mittelbetriebe, die über Plattformen wie Amazon oder eBay verkaufen. Allein auf Amazon bieten rund 600 Wiener Händler ihre Produkte an.
Mehrkosten für Wiener Betriebe und Kunden
Die zusätzlichen Kosten würden laut Gumprecht entlang der Lieferkette weitergegeben, etwa über Versand-, Logistik- oder Plattformgebühren. Am Ende verteuert sich Online-Shopping für Wienerinnen und Wiener.
„Zwei Euro pro Paket wirken auf den ersten Blick überschaubar. In der Praxis summieren sich diese Kosten aber schnell“, sagt Gumprecht. Aus Sicht der Handelsobfrau dämpfen künstlich steigende Preise die Konsumbereitschaft. Wenn die Preise steigen, steigt laut Gumprecht auch die Inflation.
Onlinehandel ist Teil moderner Wiener Geschäftsmodelle
Gumprecht betont, dass Onlinehandel längst Teil moderner Wiener Geschäftsmodelle ist. In den vergangenen Jahren hätten Wiener Handelsbetriebe massiv in Digitalisierung, Webshops und moderne Vertriebskanäle investiert.
Für viele Betriebe ist Onlinehandel kein Gegenmodell zum stationären Geschäft, sondern eine wichtige Ergänzung. Das reicht vom Geschäftslokal im Grätzl über den eigenen Webshop bis zu Click & Collect und Zustellung.
Wiener Handel setzt auf hybride Vertriebsmodelle
Der Wiener Handel unterstützt das Ziel, Wettbewerbsverzerrungen durch internationale Billigplattformen und Drittstaatenimporte einzudämmen. Die geplante nationale Paketabgabe löse dieses Problem aus Sicht des Wiener Handels jedoch nicht.
„Wenn es um Fairness, Umweltstandards oder problematische Drittstaatenimporte geht, braucht es Maßnahmen bei Zoll, Produktsicherheit, Marktaufsicht und europaweit einheitliche Regeln, nicht zusätzliche nationale Belastungen für Wiener Betriebe“, sagt Gumprecht.
Nationale Paketsteuer schwächt laut Gumprecht den heimischen Handel
Besonders kritisch sei, dass internationale Plattformen neue Kosten leichter abfedern oder umgehen könnten. Heimische Unternehmen würden diese Belastungen hingegen unmittelbar spüren.
„Unsere Betriebe stehen bereits unter hohem Wettbewerbsdruck. Zusätzliche Belastungen verschlechtern ihre Position gegenüber internationalen Anbietern weiter“, so Gumprecht.
EU-Maßnahmen statt nationalem Alleingang
Aus Sicht des Wiener Handels brauchen die Herausforderungen im Onlinehandel europäische Lösungen. Die EU hat Maßnahmen beschlossen, um Drittstaaten-Plattformen stärker in die Pflicht zu nehmen.
Ab 1. Juli 2026 gilt ein Pauschalzoll von 3 Euro pro Paket unter 150 Euro Warenwert. Ab 1. November 2026 kommt eine EU-Bearbeitungsgebühr hinzu.
Entscheidend sei laut Gumprecht, dass diese EU-Regeln tatsächlich durchgesetzt werden und internationale Anbieter ihre Wettbewerbsvorteile nicht weiter zulasten heimischer Betriebe ausspielen können.
„Es gilt jetzt, diese Linie konsequent zu unterstützen durch wirksame Kontrollen und einen starken Vollzug, statt mit einer nationalen Paketsteuer einen Sonderweg einzuschlagen“, sagt Gumprecht.