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Sechs von zehn Wiener Unternehmen sind EPU

In Wien sind 60 Prozent der Betriebe Ein-Personen-Unternehmen. Besonders stark ist der EPU-Anteil in Gewerbe und Handwerk, Information und Consulting sowie im Handel.

Lesedauer: 4 Minuten

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Aktualisiert am 29.05.2026

In Wien sind 60 Prozent aller Betriebe Ein-Personen-Unternehmen. Das entspricht 76.206 EPU und damit mehr als der Hälfte der Wiener Unternehmen. Mehr als ein Fünftel aller heimischen Ein-Personen-Unternehmen ist in der Bundeshauptstadt angesiedelt. Das geht aus dem aktuellen EPU-Monitoring-Bericht hervor.

Ein-Personen-Unternehmen sind ein stabiler Pfeiler der Wiener Wirtschaft und sind ein unverzichtbarer Teil des Wirtschaftsstandorts Wien. 

Gewerbe und Handwerk mit höchstem EPU-Anteil

Besonders stark vertreten sind Ein-Personen-Unternehmen in der Sparte Gewerbe und Handwerk. Dort machen sie rund 40 Prozent aus, das entspricht 34.082 EPU. Dahinter folgt die Sparte Information und Consulting mit rund 29 Prozent beziehungsweise 24.659 EPU. An dritter Stelle liegt der Handel mit rund 19 Prozent und 15.825 EPU.

EPU sind damit ein prägender Teil der Wiener Unternehmensstruktur. Sie sichern in vielen Bereichen die wirtschaftliche Grundversorgung, von Dienstleistungen über Kreativwirtschaft bis hin zu Handel und Gewerbe. Als flexible Auftragnehmer, Zulieferer und Spezialisten halten sie zahlreiche wirtschaftliche Abläufe am Laufen.

Währing, Meidling und Hernals mit besonders hohem EPU-Anteil

Auch innerhalb Wiens zeigt sich die starke Bedeutung der Ein-Personen-Unternehmen. Viele EPU haben ihren Standort dort, wo auch ihr Wohnsitz ist, besonders häufig in äußeren Bezirken. Den höchsten Anteil weist Währing mit rund 67 Prozent auf. Danach folgen Meidling mit rund 65 Prozent und Hernals mit ebenfalls rund 65 Prozent. Auch Hietzing und Penzing erreichen jeweils rund 65 Prozent.

„Die Stärke des Wirtschaftsstandorts Wien ist seine Heterogenität. Die Vielfalt der Branchen und Unternehmensgrößen macht ihn resilienter, weshalb sich Wien wirtschaftlich besser entwickelt als Gesamtösterreich, vor allem auch wenn die Konjunktur nicht so brummt wie sie sollte“, sagt Ruck. Ein-Personen-Unternehmen würden zudem zeigen, „wie flexibel, innovativ und unternehmerisch mutig die Menschen hier sind“.

Wer die Wiener EPU sind

Besonders stark vertreten sind Ein-Personen-Unternehmen in der Altersgruppe 40 bis 59 Jahre. In dieser Gruppe findet man rund 49 Prozent aller EPU. Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ist relativ ausgewogen: Rund 55 Prozent der EPU sind männlich, rund 45 Prozent weiblich.

In den Top 5 Berufsgruppen sind viele kreative Berufe vertreten. Besonders hoch ist der EPU-Anteil bei den Fotografen mit rund 89 Prozent. Bei Unternehmen der Fachgruppe Kunsthandwerke liegt der Anteil bei 81 Prozent. In der Film- und Musikwirtschaft sind es rund 76 Prozent. Stark vertreten sind EPU auch im Direktvertrieb mit 87 Prozent sowie bei den Persönlichen Dienstleistern mit rund 80 Prozent.

Entlastungen für Ein-Personen-Unternehmen

Einige Forderungen der Wirtschaftskammer für Ein-Personen-Unternehmen wurden bereits umgesetzt. So kann ein Arbeitszimmer im Wohnungsverband mit 1.200 Euro abgeschrieben werden. Außerdem wurde die Umsatzgrenze für Kleinunternehmer von 35.000 Euro auf 55.000 Euro erhöht. Eine direkte Entlastung bei kleineren Investitionen bringt auch die Erhöhung der Abschreibungsgrenze von 800 Euro auf 1.000 Euro.

Aus Sicht der Wirtschaftskammer besteht aber weiterer Handlungsbedarf. Eine Erhöhung der Umsatzgrenze von 55.000 Euro auf 85.000 Euro würde EPU weiter entlasten und steuerliche Pflichten vereinfachen. Sinnvoll sei auch eine weitere Anhebung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter auf 2.500 Euro, um Investitionen zu erleichtern und den bürokratischen Aufwand zu senken. Außerdem sollte der Verlustrücktrag dauerhaft verankert werden, um temporäre Krisen besser abzufedern.

Gerade EPU, die häufig als One-Man- oder One-Woman-Show ohne administrative Unterstützung arbeiten, sind von steigenden Kosten, wachsender Bürokratie und unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen besonders betroffen.

Walter Ruck
© Florian Wieser „Ein-Personen-Unternehmen halten an vielen Stellen die Wirtschaft am Laufen. Umso wichtiger ist es, dass sie sich auf das konzentrieren können, was sie am besten können: unternehmerisch tätig sein“, sagt Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien
Achtung

Fakten

  • Kernaussage: 60 Prozent der Wiener Betriebe sind EPU
  • Anzahl der EPU in Wien: 76.206
  • Stärkste Sparte: Gewerbe und Handwerk mit 34.082 EPU
  • Zweitstärkste Sparte: Information und Consulting mit 24.659 EP
  • Drittstärkste Sparte: Handel mit 15.825 EP
  • Höchster Bezirksanteil: Währing mit rund 67 Prozen
  • Weitere starke Bezirke: Meidling, Hernals, Hietzing und Penzing mit rund 65 Prozent
  • Stärkste Altersgruppe: 40 bis 59 Jahre mit rund 49 Prozent
  • Geschlechterverhältnis: 55 Prozent männlich, 45 Prozent weiblich
  • Top-Berufsgruppen nach EPU-Anteil: Fotografen, Direktvertrieb, Kunsthandwerke, Persönliche Dienstleister, Film- und Musikwirtschaft
  • Forderungen: Umsatzgrenze auf 85.000 Euro erhöhen, Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter auf 2.500 Euro anheben, Verlustrücktrag dauerhaft verankern