Wien: 396 Meister- und Befähigungsprüfungen erfolgreich abgelegt
Vom Baumeister bis zur Kosmetik: Wiens neue Meisterinnen und Meister stehen für Vielfalt, Qualität und neue Rollenbilder.
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In Wien wurden im vergangenen Jahr insgesamt 396 Meister- und Befähigungsprüfungen erfolgreich abgelegt. Das Wiener Handwerk wird jünger, vielfältiger und durchbricht zunehmend traditionelle Rollenbilder.
Während Frauen verstärkt in klassische Männerberufe vordringen, entscheiden sich immer mehr Männer für Berufe, die lange als typische Frauenberufe galten. Ein Beispiel dafür ist der neue Wiener Meister Muhammed Enes Demirel, der seine Meisterprüfung im Bereich Kosmetik (Schönheitspflege) erfolgreich abgelegt hat.
„Unsere neuen Wiener Meisterinnen und Meister sind ein starkes Zeichen dafür, dass das Handwerk in Wien nicht nur Tradition hat, sondern auch beste Perspektiven für die Zukunft bietet“, betont Gerhard Komarek, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer Wien.
Hinter jedem Meisterbrief steht viel Engagement, Fachwissen und Leidenschaft für das eigene Handwerk.

Gerhard Komarek
Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer Wien.
Baumeister führen die Reihung an
Die größte Gruppe der neuen Meister stellen die Baumeister mit 44 bestandenen Prüfungen. Dahinter folgen die Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger mit 33 Abschlüssen sowie Kosmetik (Schönheitspflege) mit 29.
Ebenfalls stark vertreten sind Elektrotechnik mit 25 sowie Friseur- und Perückenmacher mit 18 bestandenen Prüfungen. Jeweils 17 neue Meister verzeichneten die Bereiche Konditorei, Gartenbau und Kraftfahrzeugtechnik.
Fachliche Vielfalt im Wiener Handwerk
Gleichzeitig zeigt die Statistik die enorme fachliche Vielfalt des Wiener Handwerks. Auch hochspezialisierte Berufe wie Orthopädietechnik, Metalldesign, Kälte- und Klimatechnik, Stuckateur- und Trockenbau oder Wärme-, Kälte-, Schall- und Branddämmung tragen mit ihrem Expertenwissen wesentlich zur Qualität und Innovationskraft des Wirtschaftsstandorts Wien bei.
Neue Rollenbilder im Wiener Handwerk
Die Meister- und Befähigungsprüfungen spiegeln auch den gesellschaftlichen Wandel wider. Immer mehr Frauen absolvieren erfolgreich Meisterprüfungen in traditionell männerdominierten Gewerken. Gleichzeitig entscheiden sich zunehmend Männer für Berufe, die lange als klassische Frauenberufe galten.
Einer von ihnen ist Muhammed Enes Demirel (26 Jahre), neuer Meister im Bereich Kosmetik (Schönheitspflege). Für ihn steht dabei der Mensch im Mittelpunkt:
„Ich habe mich für den Beruf entschieden, weil ich Menschen dabei helfen möchte, sich wohler in ihrer Haut zu fühlen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Mich fasziniert, dass die Kosmetik medizinisches Wissen, moderne Technologien und Ästhetik miteinander verbindet.“
Die Meisterprüfung war für ihn ein wichtiger Meilenstein: „Sie steht für Fachwissen, Qualität und Verantwortung. Der Abschluss bestätigt meine Qualifikation und gibt meinen Kundinnen und Kunden zusätzliches Vertrauen. Gleichzeitig eröffnet er mir neue Möglichkeiten, mein Unternehmen weiterzuentwickeln und mein Wissen laufend zu erweitern.“
Sein Rat an junge Menschen lautet: „Man sollte einen Beruf wählen, der wirklich Freude bereitet und zu den eigenen Interessen passt. Mit Motivation, Fleiß und Ausdauer kann man sehr viel erreichen. Man sollte sich nicht von Vorurteilen oder traditionellen Rollenbildern einschränken lassen, sondern seinen eigenen Weg gehen.“
Erich Mähnert, Innungsmeister der Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure, sagt: „Wir freuen uns über Persönlichkeiten wie Herrn Demirel in unserer Branche. Sie machen sichtbar, wie vielfältig die Karrierewege in der Kosmetikbranche heute sind. Das Berufsbild entwickelt sich ständig weiter, sowohl fachlich als auch technologisch, und eröffnet Unternehmer zahlreiche Möglichkeiten. Es gibt nicht den einen Weg zum Erfolg. Jede Unternehmerin und jeder Unternehmer muss den für sich passenden finden. Die Meisterprüfung bleibt dabei ein unverzichtbares Gütesiegel: Sie steht für höchste fachliche Kompetenz und gibt sowohl Kund als auch Unternehmer gleichermaßen Sicherheit.“
Meisterprüfung kennt kein Ablaufdatum
Dass Meisterschaft keine Frage des Alters ist, zeigt auch die Statistik: Die jüngste erfolgreiche Meisterin des Jahres wurde 2006 geboren und absolvierte ihre Prüfung im Beruf Herrenkleidermacherin.
Am anderen Ende der Altersskala steht ein 64-jähriger Meister (Jahrgang 1962), der die Befähigungsprüfung im Bereich Überlassung von Arbeitskräften erfolgreich absolvierte.
Zwischen Generation TikTok und jahrzehntelanger Berufserfahrung gilt damit: Für den Meisterabschluss ist es nie zu früh und schon gar nie zu spät.
Anmerkung zur Statistik: Die Statistik umfasst alle Personen, die 2025 in Wien eine Meister- oder Befähigungsprüfung abgelegt haben; nicht alle Absolventinnen und Absolventen sind in Wien wohnhaft.