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Bläuliches Foto von horizontalen Stromspulen, auf denen rundliche Spiralen montiert sind. In der Bildmitte sind rote und blaue Striche.
© Aki Wang | stock.adobe.com

Botswana plant bis 2027 Strom nach Sambia zu exportieren

Ausbau der Energieinfrastruktur für regionalen Stromhandel

Lesedauer: 3 Minuten

Botswana Sambia Energiewirtschaft
30.10.2026

Botswana verfolgt das Ziel, bis Ende 2027 mindestens 100 Megawatt (MW) Strom in die Nachbarländer zu exportieren. Dabei zählt insbesondere Sambia zu den potenziellen Abnehmern. Mit dem Ausbau seiner Erzeugungskapazitäten und der grenzüberschreitenden Strominfrastruktur will sich Botswana von einem Stromimporteur zu einem bedeutenden Akteur im regionalen Energiehandel entwickeln.

Die Initiative ist Teil einer umfassenden Strategie zur Erreichung der energetischen Eigenversorgung und zur stärkeren Integration in den südafrikanischen Stromverbund, den Southern African Power Pool (SAPP). Die botswanische Ministerin für Mineralien und Energie, Bogolo Joy Kenewendo, betonte, dass derzeit erhebliche Investitionen in Stromerzeugung, Übertragungsnetze und Energiespeicher fließen. Ziel sei es, die Versorgungssicherheit zu erhöhen und gleichzeitig die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu fördern. Bereits im Jahr 2026 konnten rund 86 Prozent des nationalen Strombedarfs durch die eigene Produktion gedeckt werden. Damit gelang Botswana eine deutliche Verbesserung gegenüber früheren Jahren, als lediglich etwa 67 Prozent des Bedarfs im Inland erzeugt wurden. Langfristig soll die Abhängigkeit von Stromimporten vollständig beendet werden.

Ausbau der Stromnetze als Schlüsselprojekt

Eine zentrale Voraussetzung für den geplanten Stromexport ist der Ausbau der Übertragungsinfrastruktur. Botswana plant insbesondere die Modernisierung seines nordwestlichen Stromnetzes. Im Fokus steht dabei eine geplante 400-Kilovolt-Leitung (kV) zwischen Botswana und Sambia über den Grenzübergang Kazungula. Derzeit wird in einer Machbarkeitsstudie geprüft, ob die bestehende Infrastruktur von 200 kV auf 400 kV ausgebaut werden kann. Darüber hinaus sollen private Investoren im Rahmen möglicher Public-Private-Partnership-Modelle (PPP) an der Finanzierung und Umsetzung beteiligt werden.
Die geplante Verbindung würde den grenzüberschreitenden Stromhandel erleichtern und die Versorgungssicherheit in der Region stärken. Gleichzeitig könnten die Länder des südlichen Afrika ihre verfügbaren Erzeugungskapazitäten effizienter nutzen und Engpässen besser begegnen.

Energieversorgung als Standortfaktor

Die Stromstrategie Botswanas dient nicht nur dem Export. Eine stabile Energieversorgung gilt als wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung energieintensiver Branchen wie Bergbau, verarbeitende Industrie und Produktion. Gerade der Bergbausektor, der eine tragende Rolle für die Wirtschaft des Landes spielt, benötigt eine verlässliche und wettbewerbsfähige Stromversorgung.
Parallel zum Ausbau der bestehenden Kohlekraftwerkskapazitäten investiert Botswana verstärkt in erneuerbare Energien. Bis 2030 soll der Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix auf 50 Prozent steigen. Zusätzliche Erzeugungskapazitäten könnten künftig sowohl die heimische Nachfrage decken als auch den Export in Nachbarländer ermöglichen.

Chancen für Sambia und die Region

Für Sambia könnten Stromimporte aus Botswana eine zusätzliche Versorgungsquelle darstellen. Das Land steht vor der Herausforderung, den steigenden Bedarf von Privathaushalten, Industrie sowie dem wichtigen Kupferbergbausektor zuverlässig zu decken. Die tatsächlichen Exportmengen werden jedoch von der Entwicklung der botswanischen Erzeugungskapazitäten, dem Netzausbau sowie den konkreten Handelsvereinbarungen abhängen. Das Vorhaben steht beispielhaft für die zunehmende regionale Zusammenarbeit im südlichen Afrika. Durch stärker vernetzte Strommärkte sollen Versorgungsausfälle reduziert, Investitionen angeregt und die wirtschaftliche Entwicklung der Region unterstützt werden.
Ob Botswana sein Exportziel von mindestens 100 MW bis Ende 2027 erreicht, wird maßgeblich davon abhängen, ob die geplanten Erzeugungs- und Übertragungsprojekte termingerecht umgesetzt werden und die notwendigen technischen sowie kommerziellen Rahmenbedingungen für den Stromhandel geschaffen werden können.

Marktchancen für österreichische Unternehmen

Die geplanten Investitionen in Stromerzeugung, Netzausbau und Energiespeicherung eröffnen österreichischen Unternehmen interessante Geschäftsmöglichkeiten in Botswana und der gesamten Region des südlichen Afrika. Besonders gefragt sind Technologien und Dienstleistungen in den Bereichen Hochspannungsübertragung, Netzautomatisierung, Smart Grids, Energiespeicher, erneuerbare Energien sowie Energieeffizienz. Chancen bestehen unter anderem für Anbieter von Transformatoren, Schaltanlagen, Netzsteuerungssystemen, Batteriespeichern und Photovoltaik-Lösungen. Auch österreichische Unternehmen mit Erfahrung im Engineering, Projektmanagement, der technischen Beratung oder bei Public-Private-Partnership-Projekten können von den geplanten Infrastrukturvorhaben profitieren. Darüber hinaus bietet der Ausbau der Stromversorgung Potenzial für Zulieferer der Bergbau- und Industriebranche, da eine stabilere Energieversorgung neue Investitionen in energieintensive Produktionsstandorte begünstigen dürfte.

Haben wir Ihr Interesse am südlichen Afrika geweckt? Bei Interesse können Sie das AußenwirtschaftsCenter Johannesburg jederzeit per E-Mail oder Telefon kontaktieren.