Ecuador setzt auf den Ausbau seines Rohstoff- und Energiesektors. Mit dem im Frühjahr 2026 verabschiedeten Bergbau- und Energiegesetz will die Regierung von Präsident Daniel Noboa Genehmigungsverfahren beschleunigen, Investitionen erleichtern und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes stärken.
Zu den wichtigsten Neuerungen zählt die Reform des Umweltgenehmigungssystems. Künftig soll ein gestuftes Verfahren insbesondere Explorationsprojekte schneller ermöglichen. Gleichzeitig werden Verwaltungsprozesse zentralisiert und sogenannte „Integrierte Bergbaucluster“ geschaffen, in denen mehrere Konzessionen gemeinsame Infrastruktur wie Straßen, Strom- und Wasserversorgung nutzen können.
Erstmals öffnet Ecuador zudem Teile des Energiesektors für private Investoren. Die Reform ermöglicht eine stärkere Beteiligung an Projekten im Bereich erneuerbarer Energien sowie Öffentlich-Private Partnerschaften (PPP) beim Ausbau der Strominfrastruktur.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bekämpfung des illegalen Bergbaus, der dem Land jährlich Schätzungen zufolge Verluste von bis zu 2 Mrd. USD verursacht. Das Gesetz sieht dabei auch den Einsatz der Streitkräfte zum Schutz strategischer Bergbaugebiete und zur Eindämmung illegaler Aktivitäten vor.
Kritik kommt insbesondere von indigenen Organisationen und Umweltverbänden. Diese sehen eine Gefährdung verfassungsmäßiger Rechte, darunter das Recht auf vorherige Konsultation betroffener Gemeinschaften sowie mögliche Konflikte mit den in Ecuador verankerten „Rechten der Natur“. Auch der geplante Einsatz des Militärs in Bergbauregionen wird kontrovers diskutiert.
Die Regierung präsentierte die Reform bereits auf der internationalen Bergbaumesse PDAC 2026 in Toronto und warb für Ecuador als attraktiven Investitionsstandort. Während die Resonanz internationaler Investoren grundsätzlich positiv ausfiel, bleiben gesellschaftliche Widerstände und mögliche verfassungsrechtliche Anfechtungen wesentliche Unsicherheitsfaktoren.