Japan: Neue Tiefsee Technologie soll Seltene Erden sichern
Tokio testet erstmals kontinuierliche Förderung seltenerdhaltigen Schlamms aus 6.000 Metern Tiefe
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Japan setzt einen bedeutenden technologischen und geopolitischen Akzent im globalen Wettbewerb um seltene Erden. Während China weiterhin rund 70 % des weltweiten Abbaus kontrolliert, arbeitet Tokio mit Hochdruck daran, seine wirtschaftliche Abhängigkeit zu reduzieren und die eigene Resilienz gegenüber potenziellen Lieferkettenrisiken zu stärken.
Ein wichtiger Baustein dieser Strategie ist die jüngste Tiefsee-Mission nahe Minamitorishima, einer abgelegenen Pazifikinsel östlich des japanischen Festlands. Dort gelang es der Forschungsorganisation JAMSTEC erstmals, Schlamm aus rund 6.000 Metern Tiefe an die Oberfläche zu befördern, der eine besonders hohe Konzentration seltener Erden aufweisen soll. Das Projekt ist Teil des „Strategic Innovation Promotion Program (SIP)“ an dem mehrere Ministerien beteiligt sind.
Frühere wissenschaftliche Studien hatten bereits bestätigt, dass der Meeresboden in diesem Gebiet mindestens sechs wirtschaftlich relevante Elemente enthält – darunter Dysprosium, Neodym und Samarium für Hochleistungsmagnete sowie Yttrium und Gadolinium für LEDs und nukleare Kontrollsysteme.
Kritisches Timing
Der Schritt erfolgte nach verschärften Exportrestriktionen aus China, welches zuletzt den Export von gewissen Dual‑Use‑Gütern nach Japan untersagte, darunter auch wichtige Mineralien. Zusätzlich wird über breitere Einschränkungen bei seltenen Erden berichtet. Obwohl Japan in den letzten Jahren die Abhängigkeit von seltenen Erden aus China von rund 90% auf circa 60% reduzieren konnte, ist das Land speziell in Industrien wie Elektro- und Hybridfahrzeugen noch maßgeblich auf Chinas Rohstoffe angewiesen.
Bei früheren Erhebungsmissionen nahe Minamitori wurden chinesische Marineeinheiten in der Umgebung beobachtet, ein Indiz für steigende strategische Aufmerksamkeit.
Ergebnisse und Perspektiven
Neben den wirtschaftlichen Vorteilen erwartet Japan auch eine Vereinfachung der Weiterverarbeitung, da die in der Tiefsee vorkommenden Seltenerden deutlich weniger problematische oder gefährliche Begleitstoffe enthalten als ihre an Land abgebauten Pendants.
Gleichzeitig bleiben technische und finanzielle Herausforderungen enorm: Tiefsee-Operationen sind komplex, teuer und bislang kaum industriell erprobt. Zudem müssen bestehende Extraktions- und Raffinationsverfahren erst an die besonderen Eigenschaften des ozeanischen Schlamms angepasst werden.
Relevanz für österreichische Unternehmen
Trotz steigenden geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten bleibt Asien-Pazifiks Wachstumsmotor wichtig. Österreichische Unternehmen erwirtschafteten 2024 in der Region 11,1% des Warenhandels. Zudem besteht ein ungenutztes Exportpotenzial von 14,2 Mrd. USD in Süd‑/Südost‑/Ost- Asien, unter anderem in Metallen. Unternehmen sollten daher Lieferketten‑Risiken, Preisvolatilität und Compliance‑Anforderungen in rohstoffnahen Branchen aktiv monitoren.