Wie geht Malaysia mit der Energiekrise um?
Stabilität durch Subventionen, wachsender Druck durch geopolitische Risiken und fiskale Belastungen
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Malaysia zeigt sich bei der globalen Energie- und Rohstoffpreisentwicklung weiterhin insgesamt stabil.
Staatliche Energiesubventionen, vorhandene Reserven sowie ein enges Versorgungsmonitoring helfen dabei, Preissteigerungen und Versorgungsrisiken zu begrenzen.
Die Versorgung mit Treibstoffen und Grundnahrungsmitteln gilt derzeit als gesichert. Im Gesundheitssektor stehen im öffentlichen System laut Schätzungen über 70 % der benötigten Medikamente zur Verfügung, mit durchschnittlichen Lagerbeständen von mehr als drei Monaten.
Die Stromversorgung in Malaysia bleibt trotz einer Hitzewelle und der wachsenden Zahl an Rechenzentren stabil. Um die steigende Nachfrage zu decken, gewinnt Erdgas bei der Stromerzeugung weiter an Bedeutung. Sein Anteil stieg im April auf 42,6 % und erreichte damit den höchsten Stand seit 2019, während der Kohleanteil zurückging. Der Gasbedarf wird überwiegend aus heimischen Offshore-Gasfeldern gedeckt und durch LNG-Importe ergänzt. Obwohl Malaysia der weltweit fünftgrößte LNG-Exporteur ist, wird das Land aufgrund des steigenden lokalen Energiebedarfs bis zum Ende des Jahrzehnts aufgrund langfristiger Lieferverträge zunehmend auch auf LNG-Importe angewiesen sein.
Externe Abhängigkeiten bleiben Risikofaktoren
Trotz stabiler Inlandslage und eigener Energieproduktion bleibt Malaysia von globalen Energiemärkten abhängig. Geopolitische Spannungen im Nahen Osten sowie mögliche Störungen wichtiger Handelsrouten wie der Straße von Hormus wirken sich direkt auf internationale Öl- und LNG-Preise sowie Importkosten aus.
Die malaysische Zentralbank hält den Leitzins bei 2,75 % konstant. Ausschlaggebend dafür sind vor allem die internationalen Unsicherheiten im Energie- und Rohstoffbereich.
Fiskalischer Druck durch Subventionen
Subventionen dämpfen kurzfristig die Verbraucherpreise, führen jedoch zu steigenden Belastungen des Staatshaushalts. Dadurch steigt der Druck, Fördermechanismen gezielter und effizienter auszurichten. Förderungen zu reduzieren würde zu vorgezogenen föderalen Wahlen führen, die der malaysische Premierminister Anwar Ibrahim um jeden Preis vermeiden möchte.
Auswirkungen auf Unternehmen
Steigende Energie- und Rohstoffkosten treffen vor allem energieintensive Branchen wie Logistik, Industrie und Bauwirtschaft. Verstärkt sind auch die Lebensmittel-, Verpackungs- und Elektronikindustrie betroffen.
Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) können die höheren Kosten nur eingeschränkt ausgleichen.
Die Federation of Malaysian Manufacturing (FMM) sieht die malaysische Fertigungsindustrie, den Handel und die Lieferketten weiterhin stark unter Druck. Laut ihrer letzten (3.) Umfrage hat sich die anfängliche Kostenkrise inzwischen zu einem ernsthaften wirtschaftlichen Problem entwickelt.
Die Produktionskosten liegen weiterhin um 10 bis 50 % über dem Vorkrisenniveau, vor allem aufgrund hoher Transport- und Logistikkosten, Rohstoffengpässen und gestiegenen Energiepreisen.
Viele Unternehmen verlieren Aufträge, stellen unrentable Produkte ein und verschieben Investitionen. Kritisch ist, dass Kunden nach einem Wechsel zu alternativen Lieferanten häufig nicht zurückkehren, was die Wettbewerbsfähigkeit der malaysischen Exportwirtschaft langfristig schwächt.
Gleichzeitig werden Projekte verschoben oder gestrichen und Unternehmen reagieren öfter mit Personalabbau. Besonders schwierig ist die Situation für mittelgroße Unternehmen, die nicht unter die bestehenden KMU-Förderprogramme fallen und dadurch Finanzierungslücken aufweisen.
Ohne gezielte staatliche Maßnahmen drohen nach Einschätzung von FMM langfristige Nachteile für Exporte, Investitionen, Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts.
Ausblick
In der Bevölkerung wird die Belastung durch die Energieentwicklung bislang nur teilweise wahrgenommen. Das liegt vor allem daran, dass staatliche Subventionen die Auswirkungen höherer Energiepreise auf Verbraucher abschwächen. Kurzfristig bleibt die wirtschaftliche Lage dadurch stabil. Auf längere Sicht könnten insbesondere die hohen Subventionskosten sowie die Unsicherheit auf den internationalen Energiemärkten neue Herausforderungen mit sich bringen.
Die Zentralbank dürfte ihren Kurs vorerst beibehalten und die Entwicklung der Inflation sowie der internationalen Märkte genau beobachten. Gleichzeitig setzt die Regierung ihre Entwicklungsprogramme fort, versucht jedoch Effizienz und Ressourcennutzung zu verbessern. Für 2026 wird für die malaysische Wirtschaft ein Wachstum von rund 4 bis 5 % erwartet, nach 5,2 % im Vorjahr.