Marokkos Energiewende nimmt Fahrt auf: Speicher und grüner Wasserstoff
Ausbau von Wind- und Solarenergie weiter vorangetrieben und verbindet diesen mit Speichertechnologien, Meerwasserentsalzung und industrieler Dekarbonisierung
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Marokko Energieeffizienz/Green Building Energiewirtschaft Erneuerbare Energien UmwelttechnologieMarokko treibt seine Energiewende mit zunehmendem Tempo voran. Das Königreich verfügt über hervorragende Voraussetzungen für Wind- und Solarenergie und verfolgt weiterhin das Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien an der installierten Stromerzeugungskapazität bis 2030 auf mehr als 52 % zu erhöhen. Gleichzeitig gewinnt die Frage an Bedeutung, wie die stark wachsenden erneuerbaren Kapazitäten durch leistungsfähigere Stromnetze, Speicherlösungen und neue industrielle Anwendungen in das Energiesystem integriert werden können.
Damit verschiebt sich der Schwerpunkt zunehmend von einzelnen Wind- und Solarparks hin zu einem umfassenderen grünen Industrie- und Energiesystem. Neben neuen Erzeugungskapazitäten entstehen Geschäftsmöglichkeiten bei Netzausbau und Netzmanagement, Batteriespeichern, Energieeffizienz, industrieller Eigenversorgung sowie der Verbindung erneuerbarer Energien mit Wasserentsalzung und der Produktion grüner Moleküle.
Besonders deutlich wird diese Entwicklung beim marokkanischen Phosphat- und Düngemittelkonzern OCP Group. Über OCP Green Energy wurden inzwischen drei Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtkapazität von 202 MWp in Benguerir, Foum Tizi und Oulad Farès bei Khouribga in Betrieb genommen. In Benguerir entsteht zudem ein Batteriespeicher mit 25 MW Leistung und 125 MWh Kapazität, der 2026 in Betrieb gehen soll. Bis 2027 strebt OCP Green Energy eine erneuerbare Erzeugungskapazität von 1,2 GW und längerfristig mehr als 2 GW sowie mindestens 2 GWh Speicherkapazität an.
Die Transformation bei OCP reicht dabei weit über die Stromversorgung hinaus. Erneuerbare Energien werden mit Meerwasserentsalzung, industrieller Produktion sowie künftig grünem Wasserstoff und grünem Ammoniak verknüpft. OCP verfolgt das Ziel, seinen industriellen Strombedarf ab 2027 vollständig mit sauberer Energie zu decken und bis 2040 CO₂-Neutralität zu erreichen. Gleichzeitig sollen neue Wertschöpfungsketten unter anderem für grünes Ammoniak und phosphatbasierte Materialien für Batterietechnologien entstehen.
Auch auf nationaler Ebene bleibt grüner Wasserstoff ein strategischer Schwerpunkt. Mit der „Offre Maroc“ möchte das Königreich seine günstigen Wind- und Solarressourcen insbesondere in den südlichen und atlantischen Regionen für großskalige Wasserstoff-, Ammoniak- und E-Fuel-Projekte nutzen. Entscheidend ist dabei zunehmend die Verbindung von Energieerzeugung mit Wasserbereitstellung, Transportinfrastruktur, industrieller Nutzung und Exportmöglichkeiten. Aus der ursprünglichen Vision entwickelt sich damit schrittweise ein neues industrielles Ökosystem, an dem internationale Investoren, Energieunternehmen und Technologieanbieter beteiligt sind.
Für österreichische Unternehmen ergeben sich daraus vielfältige Ansatzpunkte. Potenziale bestehen nicht nur bei der Errichtung neuer Wind- und Solarprojekte, sondern zunehmend auch bei Energiespeicherung, Netzinfrastruktur und Netzsteuerung, Wasser- und Entsalzungstechnologien, Energieeffizienz, Power-to-X, Wasserstofftechnologien, Komponenten und Anlagenbau sowie Mess-, Steuerungs- und Automatisierungstechnik.
Marokko entwickelt sich damit von einem Markt für klassische erneuerbare Energieprojekte zunehmend zu einem Standort, an dem Energie, Wasser und industrielle Produktion gemeinsam gedacht werden. Für Technologieanbieter eröffnet diese Entwicklung neue Kooperationsmöglichkeiten entlang ganzer Wertschöpfungsketten.