Niederlande setzen auf Atomkraft – Staat übernimmt Milliardenprojekt selbst
Neues Staatsunternehmen NEO NL BV wird Investitionen von bis zu 30 Mrd. Euro verwalten
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Die Niederlande machen Ernst mit ihrer Kernkraftwende. Mit der Gründung von NEO NL hat ein neues, dem Wirtschaftsministerium unterstelltes Staatsunternehmen die Arbeit aufgenommen. Ausgestattet mit einem Startkapital von 45 Millionen Euro und rund 100 Mitarbeitenden steht das Unternehmen vor einer großen Herausforderung: NEO NL soll den Bau, Betrieb und späteren Rückbau von zunächst zwei neuen ‚klein‘ Kernkraftwerken (Small Modular Reactor) mit je mindestens 1.000 Megawatt Kapazität verantworten, genug Strom für rund zwei Millionen Haushalte. Hierbei trägt der niederländische Staat die initialen Kosten allein.
Noch vor dem Sommer soll der gemeinsame Standort für beide Reaktoren bekanntgegeben werden, die Inbetriebnahme ist zwischen 2035 und 2040 geplant. Der politische Rückenwind ist beachtlich. Laut einer aktuellen Umfrage anlässlich des 40. Jahrestages von Tschernobyl befürworten 56 Prozent der niederländischen Bevölkerung eine größere Rolle der Kernkraft, nicht zuletzt wegen der gestiegenen Energiepreise. Die Niederlande verfügen dabei über eine starke nukleare Wissensbasis, von der Produktion medizinischer Isotope bis zur Urananreicherung. Das einzige bestehende Kernkraftwerk in Borssele liefert derzeit drei bis vier Terawattstunden pro Jahr und deckt damit ca. 4-5% des Jahresbedarfs des Landes ab. Die beiden geplanten Kleinreaktoren schaffen eine Jahresproduktion von ungefähr 17 Terawattstunden, was 10% des Jahresverbrauchs darstellt.
Möchten Sie mehr über Energieinfrastruktur in den Niederlanden erfahren? Herr Andreas Rodler vom AußenwirtschaftsCenter Den Haag ist gerne für Sie da.