Die nordischen Volkswirtschaften befinden sich grundsätzlich auf Erholungskurs
Geopolitische Entwicklungen verursachen Belastungen
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Anfang März gingen Analyst:innen der Danske Bank in ihrem Nordic Outlook von einer – teils deutlichen - konjunkturellen Erholung in den nordischen Volkswirtschaften aus. Grundlage dieser Einschätzung war die erwartete Erholung in Europa sowie zusätzliche fiskalpolitische Impulse in Dänemark und Schweden im Vorfeld der jeweiligen Parlamentswahlen. Das damalige Szenario stützte sich auf eine stabilisierende Weltkonjunktur, sinkende Inflationsraten und einen insgesamt robusten privaten Konsum.
Der Nordic Outlook (Redaktionsschluss 3. März) wurde aber vor der aktuellen Eskalation des Iran‑Kriegs erstellt und geht von moderaten Energieeffekten aus. Seitdem hat der Konflikt die Energiepreise und die Unsicherheit stärker erhöht, weshalb das aktuelle BIP‑Risiko eher nach unten gegenüber dem dargestellten Pfad verzerrt ist.
Er wirkt sich auch auf die hochgradig offenen Volkswirtschaften der nordischen Länder aus – insbesondere über Energiepreise, Lieferketten und das globale Risikosentiment. Gleichzeitig bleiben die nordischen Staaten dank stabiler politischer Institutionen, solider Staatsfinanzen und struktureller Resilienz auch unter schwierigen Rahmenbedingungen vergleichsweise gut positioniert.
Dänemark
Im Vorjahr war das Wachstum stark von der exportorientierten Pharmaindustrie getragen, während die übrige Binnenwirtschaft nur moderat zulegte.
Für 2026 wird eine breitere Wachstumsbasis erwartet – unterstützt durch steigende Staatsausgaben, höhere Reallöhne und ein verbessertes Konsumentenvertrauen. Entscheidend für den weiteren Verlauf ist, inwieweit Haushalte ihre steigenden Realeinkommen und vorhandenen Ersparnisse tatsächlich in Konsum umsetzen.
Die Pharmaindustrie bleibt auch heuer ein zentraler Wachstumstreiber; Anfang März wurde ihr Beitrag auf 0,5–1 % des BIP geschätzt, wenn auch mit etwas geringerer Dynamik als im Vorjahr.
Mit Publikationsdatum 4. März rechnete die Danske Bank mit einem BIP‑Wachstum von rund 3 % für 2026.
Schweden
Schweden startete mit spürbarem Optimismus ins Jahr 2026. Sinkende Inflation, staatliche Entlastungsmaßnahmen, stabilere Zinsen und steuerliche Senkungen – darunter die Reduktion der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel – sollten heuer für ein spürbares Plus bei verfügbaren Einkommen sorgen.
Die Arbeitslosigkeit zeigt sich rückläufig, und vom Konsum wird grundsätzlich erwartet, dass er zu einem stärkeren Wachstumstreiber wird. Gleichzeitig bleibt die schwedische Industrie empfindlich gegenüber globalen Entwicklungen.
Steigende europäische Verteidigungsausgaben wirken sich positiv auf die schwedische Rüstungs‑, Sicherheits- und Transportmittelindustrie aus. Investitionen in Maschinen, Ausrüstung und Verteidigungssysteme ziehen spürbar an. Auch die öffentlichen Investitionen gewinnen an Bedeutung und liefern zusätzliche Impulse.
Anfang März erwartete die Danske Bank ein Wachstum von 2,8 % für 2026.
Norwegen
Die norwegische Wirtschaft war im Vorjahr breit abgestützt: kräftiger privater Konsum, steigende private Investitionen, eine Erholung im Wohnungsbau und weiterhin hohe Investitionen im Öl- und Gassektor. Die staatliche Nachfrage stützte zusätzlich, während der Außenhandel wegen rückläufiger Nettoexporte leicht dämpfend wirkte.
Im beschriebenen Szenario von Anfang März rechnete die Danske Bank mit einer moderaten, aber spürbaren Erholung, getragen von steigenden Unternehmensinvestitionen, stabiler Konsumnachfrage, einer aufs Neue anziehenden Wohnbauentwicklung und leicht steigenden öffentlichen Ausgaben.
Die damalige Wachstumsprognose lag bei 1,6 %.
Finnland
Nach einer technischen Rezession im Schlussquartal des Vorjahres und einem minimalen Gesamtwachstum von 0,2 % kehrte die finnische Wirtschaft Ende 2025 wieder auf einen vorsichtigen Wachstumspfad zurück.
Für 2026 wird grundsätzlich ein langsamer, aber stetiger Aufschwung erwartet. Die Arbeitslosigkeit blieb zwar hoch, sollte jedoch schrittweise sinken.
Der Privatkonsum dürfte sich nach mehreren verhaltenen Jahren erholen. Die industriellen Perspektiven verbesserten sich zuletzt deutlich – sichtbar etwa in steigenden Auftragseingängen. Besonders die Metallindustrie erholte sich dynamisch. Eine stärkere Nachfrage aus wichtigen Exportländern würde diesen Aufschwung festigen.
Finnland bleibt jedoch stark abhängig von externen Faktoren: der wirtschaftlichen Entwicklung zentraler Handelspartner, europäischen Investitionsprogrammen und steigenden Verteidigungsausgaben in Europa.
Anfang März rechnete die Danske Bank mit einem Wachstum von 1,5 %.