Norwegen baut Wasser- und Abwasserinfrastruktur aus
Investitionen in Milliardenhöhe bei Mangel an Fachkräften
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Hinter jedem Glas Wasser steckt ein hochkomplexes System aus Leitungen, Pumpwerken, Kläranlagen und technischer Infrastruktur. Dieses Netz muss geplant, errichtet, betrieben und gewartet werden. Ein erheblicher Teil dieser Anlagen ist in Norwegen allerdings schon in die Jahre gekommen: Auf dem Weg in die Haushalte geht etwa jeder dritte Liter Trinkwasser durch Leckagen im Leitungsnetz verloren. Der Sanierungsbedarf ist also enorm.
Die norwegischen Gemeinden investieren schon jetzt jedes Jahr mehrere zehn Milliarden Kronen in die Erneuerung von Leitungen, Kläranlagen und Pumpstationen. Für die kommenden Jahrzehnte wird der Bedarf jedoch noch höher eingeschätzt: Branchenstudien gehen davon aus, dass über längere Zeiträume hinweg hunderte Milliarden Kronen notwendig sein werden, um Netze zu erneuern und an strengere Umwelt- und Sicherheitsvorgaben anzupassen. Zusätzlich bleibt der Investitionsdruck dauerhaft hoch, unter anderem durch Bevölkerungswachstum, Klimawandel und den laufenden Ersatz alter Infrastruktur.
Unternehmen mit dem richtigen Know-how
Leitungsnetze sind zu erneuern, Abwasseranlagen zu modernisieren und höhere Anforderungen an Umwelt- und Versorgungssicherheit zu erfüllen. In den kommenden Jahrzehnten müssen die Kommunen massive Investitionen in ihre Infrastruktur stemmen, doch Geld allein reicht nicht: Rohre verlegen sich nicht von selbst, Kläranlagen betreiben sich nicht autonom, und technische Anlagen warten sich nicht ohne Fachkräfte. Hinter all diesen Systemen stehen Menschen mit entsprechender Ausbildung und Erfahrung, wobei sich viele norwegische Gemeinden und Unternehmen schon heute schwer tun, ausreichend qualifizierte Fachkräfte und Unternehmen zu finden.
Für österreichische Unternehmen eröffnet dieser Personal- und Kompetenzmangel interessante Möglichkeiten. Gemeinden und Bauträger vergeben schon regelmäßig Aufträge an ausländische Firmen, die über entsprechendes Know-how und ausreichend Personal verfügen. Da es sich bei der Wasserversorgung um kritische Infrastruktur handelt, haben innerhalb Europas ansässige Unternehmen bei der Vergabe von Aufträgen in der Regel gute Ausgangsbedingungen.
Statkraft mit gigantischen Plänen für Wasserkraft
Der norwegische Energiekonzern Statkraft plant in den kommenden zehn Jahren massive Investitionen in der Größenordnung von rund 80 Milliarden norwegischen Kronen. Mit diesem Programm will das Unternehmen seine Position am europäischen Energiemarkt weiter stärken und den Ausbau erneuerbarer Energien gezielt vorantreiben.
Etwa die Hälfte der Mittel soll in die Sanierung und größere Instandhaltungsarbeiten bestehender Wasserkraftwerke fließen. Rund 40 Prozent sind für Modernisierungen und Neubauten im Bereich der Wasserkraft vorgesehen, während etwa zehn Prozent in die Windkraft an Land investiert werden sollen. Zu den Projekten zählen unter anderem neue Wasserkraftwerke in Nore, Mår in Rjukan in Telemark sowie Aura in Møre og Romsdal. Aktuell wird außerdem das Kraftwerk Svean in Trondheim errichtet – ein Projekt mit einem Volumen von rund 1,2 Milliarden Kronen, das bereits weit fortgeschritten ist. Zusätzlich ist unter anderem der Einbau eines dritten Aggregats in Alta vorgesehen.
Insgesamt sollen durch die Investitionen rund 1 TWh zusätzliche Stromproduktion entstehen. Ziel ist es, die bestehende Erzeugungskapazität auszubauen und gleichzeitig die Versorgungssicherheit in Europa
Langfristige Chancen
Der Investitionsbedarf in Norwegens Wasserinfrastruktur ist enorm und langfristig. Die eigentliche Engstelle liegt jedoch weniger im Geld als bei der Kompetenz und im Fachkräftemangel. Ohne kompetente Unternehmen und ausreichend Personal lassen sich Sanierung und Ausbau nicht umsetzen. Damit entstehen neue Marktchancen für spezialisierte österreichische Unternehmen. Wer Know-how und Kapazitäten mitbringt, kann davon künftig profitieren.