Sambia setzt auf mehr Wertschöpfung im Kupfersektor
Neue Verarbeitungsanlagen und verstärkte Industrialisierung
Lesedauer: 4 Minuten
Sambia Bergbau EnergiewirtschaftSambia verfolgt ehrgeizige Pläne, seine Rolle als einer der wichtigsten Kupferproduzenten Afrikas auszubauen. Dabei soll künftig nicht nur mehr Kupfer gefördert, sondern vor allem auch im Land selbst verarbeitet werden. Ein sichtbares Beispiel für diesen Wandel ist die Jiangxi Multi-Facility Economic Zone im Bezirk Chibombo, die sich zunehmend zu einem Zentrum für industrielle Wertschöpfung entwickelt. In der Sonderwirtschaftszone werden bereits heute Kupferkabel und Kupferdrähte für den Einsatz in der heimischen Bergbau- und Bauindustrie hergestellt. Darüber hinaus werden Kupferstangen in Nachbarländer exportiert. Das dafür benötigte Kupfer stammt aus sambischen Minen und bildet die Grundlage für eine stärkere lokale Weiterverarbeitung der wichtigsten natürlichen Ressource des Landes.
Die Jiangxi Multi-Facility Economic Zone wurde am 13. Oktober 2023 von Präsident Hakainde Hichilema offiziell eröffnet. Seitdem hat die Zone Investitionen aus einer Vielzahl von Industriezweigen angezogen. Dazu zählen unter anderem Hersteller von Fahrzeugbatterien, Produzenten von Lithium-Batterieprodukten, Unternehmen aus dem Bereich Solarstromspeicher sowie Betriebe für Batterierecycling und Transformatorenbau. Diese Investitionen stehen in engem Zusammenhang mit Sambias Entwicklungszielen in den Bereichen Energieversorgung, Energiespeicherung und moderne Mobilität. Die industrielle Produktion konzentriert sich dabei insbesondere auf Kupferprodukte, elektrische Ausrüstung und Batterietechnologien. Damit entstehen neue Verbindungen zwischen dem Rohstoffsektor und zukunftsorientierten Industrien, die für die Energiewende und den Ausbau der Infrastruktur von zentraler Bedeutung sind.
Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Entwicklung ist erheblich. Durch die lokale Verarbeitung und Fertigung kann Sambia einen größeren Teil der Wertschöpfung im Land halten. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten zur Belieferung der heimischen Industrie ebenso wie zur Ausfuhr höherwertiger Produkte. Gleichzeitig werden Arbeitsplätze geschaffen, Fachkräfte ausgebildet und industrielle Kompetenzen aufgebaut, die für die langfristige wirtschaftliche Entwicklung des Landes entscheidend sind. Besonders wichtig wird dies vor dem Hintergrund der nationalen Zielsetzung, die Kupferproduktion bis 2031 auf drei Millionen Tonnen pro Jahr zu steigern. Dieses Vorhaben erfordert nicht nur höhere Fördermengen, sondern auch den Ausbau jener Industrien, die den Rohstoff zu Produkten mit höherem Mehrwert verarbeiten können. Die Entwicklung der Jiangxi Multi-Facility Economic Zone fügt sich damit nahtlos in die Regierungsinitiative „Grow Zambia“ ein, deren Schwerpunkte auf der Steigerung der Kupferproduktion, dem Ausbau der Energieversorgung, der Industrialisierung sowie der Schaffung neuer Arbeitsplätze liegen.
Auch wenn sich die Wirtschaftszone noch in einer frühen Phase ihrer industriellen Entwicklung befindet, geben die bereits produzierten und exportierten Kupferstangen, Kabel und Drähte sowie die laufenden Investitionen in Batterie- und Transformatorentechnologien eine klare Richtung vor. Geplant sind weitere Produktionskapazitäten, zusätzliche Verarbeitungsschritte vor Ort sowie der Aufbau neuer Industriezweige entlang der Wertschöpfungskette des Kupfers. Ziel ist es, aus dem heimischen Rohstoff möglichst viel wirtschaftlichen Nutzen zu generieren, bevor er das Land verlässt.
Die positiven Signale aus dem Industriesektor kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die sambische Währung unter Druck steht. Der Kwacha hat in den vergangenen Monaten gegenüber dem US-Dollar an Wert verloren und wechselte zuletzt in einer Bandbreite von 19 bis 20 Kwacha pro US-Dollar, nachdem der Kurs noch vor drei Monaten bei rund 18 Kwacha gelegen hatte. Vor diesem Hintergrund gewinnen Exporterlöse aus höherwertigen Industrieprodukten zusätzlich an Bedeutung, da sie zur Stärkung der Deviseneinnahmen und zur Stabilisierung der Wirtschaft beitragen können. Die Entwicklung in Chibombo zeigt beispielhaft, wie Sambia versucht, den Schritt vom Rohstoffexporteur hin zu einer stärker industrialisierten Volkswirtschaft zu vollziehen. Sollte der eingeschlagene Kurs erfolgreich sein, könnte das Land künftig nicht nur eines der weltweit bedeutendsten Kupferförderländer sein, sondern auch ein wichtiger Standort für die Verarbeitung und Veredelung des strategischen Metalls werden.
Die Entwicklungen im sambischen Kupfersektor eröffnen auch Chancen für österreichische Unternehmen. Der Ausbau der Kupferverarbeitung und die Ansiedlung neuer Industrieprojekte erhöhen die Nachfrage nach Maschinen, Anlagen und technischem Know-how. Insbesondere in den Bereichen Bergbau, Metallverarbeitung, Energieinfrastruktur, Automatisierung und Umwelttechnik ergeben sich für österreichische Unternehmen interessante Geschäftsmöglichkeiten. Die zunehmende lokale Wertschöpfung und die geplante Ausweitung der Kupferproduktion dürften den Investitionsbedarf in den kommenden Jahren weiter steigern.