Ungarn startet milliardenschweres Bahn-Ausbauprogramm
Neue Tramtrain-Strecken, HÉV-Flotte und Modernisierung des Schienennetzes
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Die ungarische Regierung hat mit dem Baross-Programm eines der größten Bahnmodernisierungsprogramme der vergangenen Jahrzehnte angekündigt. Das von Verkehrs- und Infrastrukturminister Vitézy Dávid vorgestellte Maßnahmenpaket umfasst den Ausbau der Schieneninfrastruktur, die Modernisierung des Fahrzeugparks sowie die Vorbereitung neuer Nahverkehrsprojekte. Ziel ist es, die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs zu steigern, Reisezeiten zu verkürzen und die Kapazitäten im Personenverkehr deutlich auszubauen.
Ein Schwerpunkt des Programms ist die Planung von zwei neuen Tramtrain-Systemen. In der Region Miskolc soll eine Verbindung zwischen Kazincbarcika, Miskolc und Tiszaújváros entstehen, bei der Straßenbahn- und Eisenbahnnetz miteinander verknüpft werden. Dadurch könnten Fahrgäste künftig ohne Umstieg direkt bis in die Innenstadt von Miskolc fahren. Das Projekt ist bereits seit mehreren Jahren Bestandteil regionaler Entwicklungspläne, die Investitionskosten allein für den Ast nach Kazincbarcika werden auf rund 50 Milliarden HUF geschätzt.
Auch Debrecen soll ein Tramtrain-System erhalten. Geplant ist die Anbindung der Stadt über die Eisenbahnstrecken 106 und 109 an die Straßenbahn. Die Reaktivierung der zuvor stillgelegten Strecke Richtung Nagykereki gilt dabei als Voraussetzung für eine spätere Verbindung in Richtung Großwardein (Oradea). Gleichzeitig soll die Strecke nach Hajdúböszörmény durch die Verknüpfung mit dem Debrecener Straßenbahnnetz deutlich attraktiver für Pendler werden.
Darüber hinaus sieht das Programm umfangreiche Investitionen in das bestehende Eisenbahnnetz vor. Modernisiert werden sollen unter anderem die Hauptstrecken Budapest–Szeged, Budapest–Miskolc und Budapest–Lajosmizse, deren Ausbau teilweise mit Finanzierungen der Europäischen Investitionsbank (EIB) unterstützt werden soll. Ebenfalls fortgesetzt wird die Modernisierung der Balaton-Bahn: Der Abschnitt Szabadbattyán–Lepsény soll zweigleisig ausgebaut und für Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h ertüchtigt werden. Dadurch soll ein bislang bestehender Engpass zwischen Budapest und dem Balaton beseitigt werden.
Ein weiteres wichtiges Vorhaben betrifft die Veresegyházer Bahnlinie zwischen Budapest und Vác. Neben zusätzlichen zweigleisigen Abschnitten sind höhere Streckengeschwindigkeiten sowie die Modernisierung der Bahnhöfe vorgesehen. Nach Berechnungen des Ministeriums könnte sich die Zahl der Fahrgäste auf dieser Strecke langfristig sogar verdreifachen.
Neben der Infrastruktur steht auch die Erneuerung des Fahrzeugparks im Fokus. Geplant ist die vollständige Ablösung der zum Teil über 50 Jahre alten Fahrzeuge der HÉV-Linien H5 (Szentendre), H6 (Ráckeve) und H7 (Csepel) durch moderne Züge. Darüber hinaus sollen auch mehrere InterCity-Flotten schrittweise erneuert werden.
Langfristig verfolgt die Regierung zudem das Ziel, die internationalen Bahnverbindungen zu verbessern. Dazu zählen schnellere Verbindungen zwischen Budapest und Wien sowie die Einbindung Ungarns in eine geplante Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Warschau, Prag, Bratislava und Budapest.
Für österreichische Unternehmen könnten sich aus dem Programm in den kommenden Jahren zahlreiche Geschäftsmöglichkeiten ergeben. Potenzial besteht insbesondere in den Bereichen Planung und Ingenieurwesen, Bahninfrastruktur, Signal- und Leittechnik, Oberleitungs- und Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik, Digitalisierung sowie Bau- und Ausrüstungsleistungen. Mit dem schrittweisen Start der einzelnen Projekte ist in den nächsten Jahren mit entsprechenden Planungs- und Vergabeverfahren zu rechnen.
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