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Vereinigtes Königreich: Handelsabkommen im Überblick

Relevante Punkte für österreichische Unternehmen

Lesedauer: 4 Minuten

Vereinigtes Königreich
31.07.2026

Seit dem Brexit hat das Vereinigte Königreich eine Reihe eigenständiger Freihandelsabkommen (FTA) mit einzelnen Ländern und Staatengemeinschaften abgeschlossen. Der Schwerpunkt liegt auf Basis der Trade Strategy der britischen Regierung zunehmend auf Dienstleistungen und digitalem Handel statt auf klassischen Warenzöllen. 

Gleich vorab: Der etwa jährlich knapp 15 Mrd. EUR schwere österreichische–Waren- und Dienstleistungshandel mit dem Vereinigten Königreich wird durch das Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich geregelt. Handelspolitik ist ausschließliche Kompetenz der EU; EU-Mitgliedsstaaten können allerdings in anderen Bereichen eine verstärkte Zusammenarbeit vereinbaren, siehe z.B. das Kensington Abkommen zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich.

Für österreichische Unternehmen können britische Abkommen relevant sein, wenn es Standorte im Vereinigten Königreich bzw. den Partnerländern gibt:

USA: Economic Prosperity Deal (EPD) 

Zwischen den USA und dem Vereinigten Königreich wurde 2025 ein sektoraler Economic Prosperity Deal vereinbart mit einem Basis US-Importzoll für britische Waren von 10% (exklusive Zölle laut Meistbegünstigung) vereinbart. Es bestehen Sonderregelungen für einzelne Sektoren, etwa ein Kontingent von 100.000 britischen Autos pro Jahr mit einer Zollsenkung von 27,5 auf 10 Prozent, eine Befreiung von US-Importzöllen auf gewisse Aerospace Produkte sowie zuletzt seit Juli 2026 für Scotch/Whiskey. Ergänzend dazu wurde im Dezember 2025 ein eigener Pharma-Deal geschlossen, der britische-Pharmaexporte in die USA für mindestens drei Jahre, bis Jänner 2029, von Zöllen befreit. Im Gegenzug erhöht das Vereinigte Königreich die Ausgaben des staatlichen Gesundheitssystems NHS für Medikamente und die Kostenschwellen der Zulassungsbehörde NICE. Teil des EPD ist außerdem eine zollfreie Importquote für US-Ethanol von 1,4 Milliarden Litern pro Jahr. Hier findet sich eine gute Übersicht der diversen Abkommen und Updates.

Schweiz: Enhanced Free Trade Agreement

Die Verhandlungen für das UK-Schweiz-Abkommen wurden im Juli 2026 abgeschlossen, die Ratifizierung steht noch aus. Vorgesehen sind u.a. visafreie Geschäftsreisen zur Dienstleistungserbringung in diversen Sektoren im jeweils anderen Land bis zu 90 Tage pro Jahr sowie Mitarbeiterentsendungen bis zu 5 Jahre ohne (Schweizer) Bedarfsprüfung, dazu eine gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen und Standards, die den Marktzugang für Anwälte, Berater, Architekten und Finanzdienstleister erleichtern soll, Roaming-Fee freies Telefonieren, freier Datenverkehr und Schutzrechte für geistiges Eigentum im Life Sciences Sektor. 

Indien 

Das UK-Indien-Abkommen wurde im Juli 2025 unterzeichnet und trat im Juli 2026 in Kraft.

Es dient vor allem der schrittweisen Senkung der Importzölle von 90% aller Zolllinien, wobei 64 % der Zolltariflinien sofort zollfrei gestellt wurden. Für weitere Produktgruppen erfolgen jährliche Zollsenkungen über Zeiträume von bis zu zehn Jahren. Nach Ablauf der Übergangsfristen sind 85 % aller Tariflinien vollständig zollfrei. Die Steuersenkung betrifft z.B. Whiskey (von 150 auf 75% Importzoll in Indien) und Autos (von 100 auf 10% Importzoll in Indien), während das Vereinigte Königreich im Gegenzug Zölle auf 99 Prozent der indischen Importe abschafft, etwa auf Textilien, Schuhe, Lebensmittel, Pharmazeutika und Schmuck. Das Abkommen deckt zudem große Dienstleistungsbereiche ab, darunter IT-, Finanz-, Beratungs- und Bildungsdienst-leistungen, und erleichtert den Zugang zu indischer öffentlicher Beschaffung. Außerdem enthält es ein Sozialversicherungsabkommen (Double Contributions Convention), das doppelte Sozialabgaben bei Entsendungen für bis zu 5 Jahre vermeidet.  

Das Vereinigte Königreich trat außerdem im Dezember 2024 dem Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership (CPTTP) bei und ist seither das erste europäische Mitglied der Staatengruppe. Die Mitglieder Australien, Brunei, Kanada, Chile, Japan, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam repräsentieren gemeinsam etwa 15% des globalen BIP.

Weitere seit dem Brexit abgeschlossene Abkommen

Aktuell laufende Verhandlungen 

  • Kanada – nach Unterbrechung im Jänner 2024 seit Juni 2025 neue Arbeitsgruppe 
  • Türkei – Verhandlungen seit März 2024 
  • Grönland – Verhandlungen seit Oktober 2025 wieder aufgenommen 

Ausgesetzt beziehungsweise eingestellt 

  • Israel – Verhandlungen seit Mai 2025 ausgesetzt 
  • Mexiko – Verhandlungen eingestellt 

Für weiterführende Informationen zu allen abgeschlossenen Handelsabkommen sowie zum Stand einzelner Verhandlungen empfiehlt sich ein Blick auf die Website des House of Commons.  

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