Industriekonjunktur Burgenland – 4. Quartal 2025
Erste Signale in positive Richtung
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Nach dem Stimmungstief am Ende des dritten Quartals 2025 haben sich die Werte der Industriekonjunktur im Burgenland wieder leicht in eine positive Richtung gedreht und folgen damit mit etwas Abstand den Werten der Österreich-Konjunktur.
Die Industrieunternehmen im Burgenland schlossen das vergangene Jahr etwas optimistischer ab, als es die Werte des Vorquartals ankündigten: Während sich die Einschätzung der österreichischen Industriekonjunktur auf niedrigem Niveau stabilisierte, sanken die burgenländischen Werte ab. Im vierten Quartal 2025 zeigte das Konjunkturbarometer wieder nach oben und die burgenländischen holten zu den gesamtösterreichischen Werten auf. Das ergab die Konjunkturumfrage für das letzte Quartal 2025 der Industriellenvereinigung (IV) Burgenland und der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Burgenland.
Die Einschätzung der derzeitigen Geschäftslage im Burgenland erfuhr nach ihrem Absinken im Vorquartal einen leichten Aufschwung und befindet sich nun wieder auf dem Niveau der ersten Hälfte des Jahres 2025: Mit 45 Prozent schätzen etwa doppelt so viele wie im Vorquartal (27 Prozent) die derzeitige Geschäftslage als gut ein. Hingegen hat sich die Anzahl derjenigen, die die aktuelle Geschäftslage negativ einschätzen, von 47 auf 27 Prozent seit dem dritten Quartal 2025 halbiert.
Sowohl Auftragsbestand als auch Auslandsaufträge haben sich nach ihren Tiefstständen wieder in eine positive Richtung gedreht, kommen aber über die Nulllinie kaum hinaus. Hohe Kostenbelastungen, zunehmende Konkurrenz aus China und strukturelle Standortschwächen beeinträchtigen weiterhin die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Wenig Positives erwarten sich die befragten Unternehmen von der Entwicklung der Verkaufspreise in drei Monaten: 9 Prozent rechnen mit steigenden Verkaufspreisen, mehr als zwei Drittel (68 Prozent) erwarten stabile Preise und 23 Prozent der befragten Betriebe erwarten fallende Verkaufspreise.
Nach ihrem Einbruch im letzten Quartal deutet hingegen die Einschätzung des Beschäftigtenstandes in drei Monaten in eine positive Richtung, wobei der größte Teil der Befragten (80 Prozent) an den bestehenden Mitarbeitenden festhält und mit einem gleichbleibenden Beschäftigtenstand rechnet.
Talsohle durchschritten, heuer allerdings kein echtes Wachstum
„Die Einschätzung der burgenländischen Industriekonjunktur hat sich etwas erholt und weiter zu den gesamtösterreichischen Werten aufgeschlossen. Insgesamt haben die österreichische und die burgenländische Industrie die Talsohle durchschritten, von einem echten Aufschwung kann allerdings in diesem Jahr noch keine Rede sein. Die Erholung, die sich abzeichnet, steht auf wackeligen Beinen“, kommentiert IV-Burgenland Geschäftsführerin Aniko Benkö die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage. „Nach wie vor machen den heimischen Unternehmen hohe Standortkosten und geopolitische Unsicherheiten zu schaffen. Dass die Industrie zu kämpfen hat, wurde mittlerweile erkannt. Jetzt geht es darum, das Ruder herumzureißen und wieder auf den Wachstumspfad zu gelangen. Umso wichtiger ist es vor diesem Hintergrund, rasch Handelsabkommen mit anderen Weltregionen voranzutreiben und abzuschließen: Gerade Abkommen wie mit Mercosur und mit Indien spielen eine wichtige Rolle, um dem heimischen Standort Aufwind zu verschaffen.“
Die Industriestrategie 2035 ist dazu ein positives Signal an die Industrie und wichtiger Impuls für den Wirtschaftsstandort. Jetzt braucht es aber auch eine rasche und praxisnahe Umsetzung.
Ewald Hombauer
Geschäftsführer der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer
Die Konjunkturumfrage des vierten Quartals 2025 im Detail
Nach dem herben Dämpfer, den die Einschätzung der derzeitigen Geschäftslage im Vorquartal erfahren hatte, befindet sich diese nun wieder im Aufwärtstrend: 45 Prozent (27) der Industrieunternehmen bewerten die Geschäftslage als gut. 28 Prozent (26) sehen die aktuelle Geschäftslage als durchschnittlich und 27 Prozent (47) bewerten sie negativ.
Ganz ähnlich dreht sich auch die Bewertung des derzeitigen Auftragsbestandes langsam in ein positive Richtung: 35 Prozent (24) der befragten Unternehmen sprechen von guten Auftragsbeständen. 33 Prozent (37) sehen diese als durchschnittlich und 32 Prozent (39) der befragten Betriebe bewerten den derzeitigen Auftragsbestand als schlecht.
Von ihrem Tiefststand erholt hat sich auch die Beurteilung der derzeitigen Auslandsaufträge: 39 Prozent (24) beurteilen sie als gut. 33 Prozent (15) der teilnehmenden Unternehmen bewerten sie als durchschnittlich und 36 Prozent (61) geben an, dass es derzeit um die Auslandsaufträge schlecht steht.
Was die Einschätzung der Verkaufspreise in 3 Monaten betrifft, zeigen sich die befragten Unternehmen wenig optimistisch: 9 Prozent (1) rechnen mit steigenden Verkaufspreisen, 68 Prozent (96) erwarten stabile Preise und 23 Prozent (3) der befragten Betriebe erwarten fallende Verkaufspreise.
Die Einschätzung des Beschäftigtenstandes in 3 Monaten hingegen hat nach ihrem Allzeit-Tief wieder etwas angezogen: 5 Prozent (3) gehen von einer steigenden Mitarbeiteranzahl aus. Hauptsächlich gehen die Unternehmen mit 80 Prozent (58) jedoch von einem gleichbleibenden Beschäftigtenstand aus. 15 Prozent (39) erwarten einen eher sinkenden Beschäftigtenstand.
Die Geschäftslage in 6 Monaten setzt ihre Seitwärts-Bewegung fort, mit negativer Tendenz: 16 Prozent (18) sehen eine gute Geschäftslage, 52 Prozent (55) sind der Meinung, dass sie durchschnittlich bleibt. 32 Prozent (27) erwarten eine schlechte Geschäftslage in 6 Monaten.
Die Klammerwerte sind jeweils die Vergleichswerte des 3. Quartals 2025.
Zur Befragung: An der Konjunkturumfrage der IV-Burgenland und Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Burgenland nahmen 28 Unternehmen mit insgesamt 4.128 Beschäftigten teil. Bei der Umfrage werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. An den Prozentanteilen der Antworten wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den positiven und negativen Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet. Das Konjunkturbarometer wird aus dem Mittelwert der aktuellen Geschäftslage und der erwarteten Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt.